Fuat & Friends: Ech­te Fründe

Eine private Initiative Aachener Mittelständler unterstützt die Alemannia, indem sie den Sportetat aufpeppt und so den Spielraum des erfolgreichen Trainers vergrößert. Gleichzeitig kokettiert der so Protegierte mit seinem Abschied.
Foto: Carl Brunn

13 Min. Lesezeit

Irgend­wann im Frühjahr 2018 hat­te Fuat Kilic wie­der ein­mal die Nase voll. Von der Regio­nal­li­ga im All­ge­mei­nen und der Situa­ti­on bei der Aache­ner Alemannia im Spe­zi­el­len. Es fehl­te an allen Ecken und Enden. An Equip­ment zur Trai­nings­op­ti­mie­rung. An einem Stürmer. An Per­spek­ti­ve sowie­so. Der ambi­tiö­se Trai­ner des hart­nä­ckig bedürftigen Viert­li­gis­ten klin­gel­te bei Wolf­gang „Tim“ Ham­mer an.

Ganz locker: Tim Ham­mer und Frank Seif­arth sit­zen nicht auf dem Geld
Foto: Carl Brunn

Der Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­mer, der bis zur Ein­rei­chung des zwei­ten Insol­venz­an­tra­ges im März 2017 drei Jah­re lang Mit­glied des Auf­sichts­ra­tes der Alemannia Aachen GmbH war, erin­nert sich noch ganz genau.

Über­rascht von Kilics Vor­stoß war er nicht. „Ich war Teil des Gre­mi­ums, das Fuat enga­giert hat­te. Ich mag und schät­ze ihn. Er ist ein Gen­tle­man. Und er kann es. Anders­her­um kennt Fuat mich. Er weiß, dass mir an der Regi­on und dem Ver­ein etwas liegt. Und, dass er es hier mit Leu­ten zu tun hat, die ihm nicht rein­re­den wol­len. Wir haben eine her­vor­ra­gen­de Gesprächs­ba­sis“, erläu­tert Tim Hammer.

Fuat Kilic bestä­tigt das: „Es ist ja kein Geheim­nis, dass ich zum ehe­ma­li­gen Auf­sichts­rat ein gutes Ver­hält­nis hat­te. Dar­aus ist eine bei­na­he freund­schaft­li­che Bezie­hung zu Herrn Ham­mer ent­stan­den. Ich bin dafür dank­bar, dass wir wei­ter­hin finan­zi­el­le Unterstützung durch ihn und eini­ge ande­re Spon­so­ren für den Ver­ein erhal­ten.“ Folg­lich sei der Kon­takt zwi­schen Trai­ner und Ex-Kon­trol­leur nie abgerissen.

Beim Mit­tag­essen

Auf Wunsch Fuat Kilics kam es dann kurz­fris­tig zu einem gemein­sa­men Mit­tag­essen mit Tim Ham­mer und Frank Seif­arth, Pro­ku­rist beim Alemannia-Spon­sor Mar­tel­lo, einer Ham­mer-Toch­ter­ge­sell­schaft. „Fuat Kilic beklag­te die ernüchternde Situa­ti­on rund um die Alemannia und die für ihn letzt­end­lich feh­len­de sport­li­che Per­spek­ti­ve.“ Ange­spro­chen auf die drän­gends­ten Pro­ble­me leg­te der Coach eine Lis­te vor. Ganz oben stand die Ver­pflich­tung eines Stürmers. Darüber hin­aus bestand unbe­ding­ter Bedarf an Mess­ge­rä­ten zur Ver­bes­se­rung der Leis­tungs­dia­gnos­tik, inklu­si­ve der dazu­ge­hö­ri­gen Software.

„Wir haben Fuat erst­mal gesagt, dass er Ruhe bewah­ren solle.“

Tim Ham­mer

Und zu Aus­wärts­be­geg­nun­gen nicht immer am Spiel­tag anrei­sen zu müssen, son­dern ab und an in der Frem­de näch­ti­gen zu kön­nen, wur­de eben­falls als hilf­reich erach­tet. „Wir haben ihm erst­mal gesagt, dass er Ruhe bewah­ren soll, und dass er hier in Aachen drin­gend gebraucht wird“, erin­nert sich Ham­mer an die Unterhaltung.

Des Trai­ners Konterfei

Der Unter­neh­mer rech­ne­te zusam­men: 35.000 Euro für den Stürmer, 20.000 Euro für die Uhren und etwa 5.000 Euro für Über­nach­tun­gen und Klein­kram. Mach­te rund 60.000. Und sag­te schnel­le Hil­fe zu. Unab­hän­gig davon, ob er Mit­strei­ter fin­den würde. „Wenn ich die nicht gefun­den hät­te, hät­te ich die ver­spro­che­ne Unterstützung aus eige­ner Tasche gezahlt. So, wie es dann gekom­men ist, war es natürlich mit weni­ger Schmer­zen ver­bun­den“, denkt Ham­mer zurück. Die ers­ten Unterstützer hat man sofort an Bord begrüßen kön­nen. Fuat & Friends waren gegründet. Ein eige­nes Logo mit des Trai­ners Kon­ter­fei im Mit­tel­punkt ließ man sich auch gleich kreieren.

Ham­mer und Seif­arth müssen schmun­zeln, wenn sie auf die kau­zi­ge Namens­ge­bung ange­spro­chen wer­den. „Das Geld geben wir der Mann­schaft. Deren Chef ist Fuat. Also Fuat & Friends. So sim­pel das klin­gen mag.“ Bis heu­te umfasst der Kreis zwölf Per­so­nen. Neben der Spe­di­ti­on Euro­pa­ver­keh­re Ham­mer & Co. befin­den sich dar­un­ter vor allem mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­mer, wie zum Bei­spiel Olaf Hun­dert­mark vom Dach­de­cker­be­trieb Jacobs, Fami­lie Beckers von den Alemannen-Umzügen, Mar­cel Moberz und Rei­ner Moo­nen von Voss-Bürotechnik sowie der Chef von Elek­tro­tech­nik Ell, Thors­ten Schmitz.

Um an der illus­tren Run­de teil­neh­men zu dürfen, muss­te jeder Wil­li­ge eine Min­dest­ga­be von 5.000 Euro ent­rich­ten. Darüber hin­aus wur­den die Geber ange­hal­ten, in ihren eige­nen Netz­wer­ken wei­te­re För­de­rer anzu­wer­ben. Die Akqui­si­ti­on wei­te­rer Unterstützer lau­fe fortwährend.

100.000 Euro und eine neue Bedarfsanalyse

Auf die­se Wei­se sind bis heu­te rund 100.000 Euro zusam­men­ge­kom­men. Fuat Kilics augen­blick­li­che Wünsche konn­ten erfüllt wer­den. Die Alemannia war in der Lage, Dimi­try Imbon­go von Wacker Inns­bruck an sich zu bin­den. Die gefor­der­ten Mess­ge­rä­te wur­den ange­schafft. Und vor dem Aus­wärts­tref­fen in Verl im Okto­ber 2018 durf­ten die Kar­tof­fel­kä­fer erst­ma­lig am Vor­tag des Spiels anrei­sen. So viel Hil­fe­stel­lung weckt Begehrlichkeiten.

Für die kom­men­de Sai­son liegt dem För­der­kreis bereits eine neue Bedarfs­ana­ly­se vor, die auf Abar­bei­tung war­tet. Auf ihr habe der Trai­ner sorg­fäl­tig auf­ge­lis­tet, was unbe­dingt benötigt würde und wie viel Geld man dafür ver­an­schla­gen müsse.

Wich­tigs­te Pos­ten: wei­te­re Ver­trags­ver­län­ge­run­gen und neue Spie­ler. „Das ist durch­aus kein Selbst­läu­fer“, meint Ham­mer. „Ich habe gesagt, dass ich das jetzt erst mal in die Run­de geben wer­de. Und dann müssen wir wie­der anfan­gen, zu sammeln.“

Immer­hin hat die­se Auf­stel­lung einen Gesamt­wert von knapp unter 170.000 Euro. So sehr das Enga­ge­ment des Krei­ses begrüßt und Tim Ham­mers Treue zum Ver­ein expli­zit gewürdigt wird: Der ein oder ande­re an der Kre­fel­der Stra­ße beäugt die Initia­ti­ve mit wach­sa­men Augen.

„Wir machen hier kei­ne Par­al­lel­ver­an­stal­tung zum Ver­ein auf. Auch, wenn der ein oder ande­re viel­leicht vor­ein­ge­nom­men ist.“

Tim ham­mer

Nament­lich, weil Chris­ti­an Stein­born und Oli­ver Laven mit an Bord sind. Und somit fast der gesam­te Auf­sichts­rat der Jah­re 2014 bis 2017 unter der Fuat-&-Friends-Flagge wie­der zusam­men­ge­fun­den hat, an deren Ende die zwei­te Insol­venz der Alemannia inner­halb von vier Jah­ren stand.

Tim Ham­mer weiß um sol­che Skep­sis, wischt sie aber vom Tisch. „Wir machen hier kei­ne Par­al­lel­ver­an­stal­tung zum Ver­ein auf. Kein Schat­ten­gre­mi­um. Auch, wenn der ein oder ande­re viel­leicht vor­ein­ge­nom­men ist. Wir stel­len Fuat Kilic und damit dem Sport Geld zur Verfügung, weil der Trai­ner gro­ßes Ver­trau­en genießt und unter den schwie­rigs­ten Umstän­den den Laden zusam­men­hält. Und an dem Laden liegt uns allen nun mal eine gan­ze Men­ge. Letzt­end­lich muss es dar­um gehen, die zur­zeit greif­ba­re Gleichgültigkeit rund um den Club zu bekämpfen.“

Wech­sel­te dank spen­da­bler Freun­de vom Trai­ner-Wunsch­zet­tel auf die Tivo­li-Wie­se: Dimi­try Imbon­go
Foto: Ima­go

Um jeg­li­che Skep­sis im Keim zu ersti­cken, hät­te man dar­auf bestan­den, die Alemannia-Ver­ant­wort­li­chen von vorn­her­ein ein­zu­bin­den. Auf­sichts­rats­vi­ze Dirk Kall und Geschäftsführer Mar­tin vom Hofe sei­en in jeden Vor­gang eingeweiht.

„Es gibt kei­ne Sit­zung, an der Dr. Dirk Kall nicht teil­ge­nom­men hat“, so Frank Seif­arth. Kall selbst zeigt sich eben­falls ent­spannt: „Fuat & Friends sind in keins­ter Wei­se ins ope­ra­ti­ve Geschäft ein­ge­bun­den. Die Grup­pe unterstützt uns groß­ar­tig, ohne, dass man dafür eine Gegen­leis­tung ver­langt.“ Und am Ende bestim­me der Ver­ein allein über die Ver­wen­dung der Mittel.

Abschieds­ko­ket­te­rie

Was aber, wenn Fuat Kilic nach Ende der kom­men­den Spiel­zeit gar nicht mehr am Tivo­li tätig ist? Schließ­lich hat­te der Umschwärm­te im Novem­ber 2018 via Lokal­pres­se in maxi­ma­ler Laut­stär­ke damit koket­tiert, sein Aache­ner Trai­ner­amt im Fal­le eines Nicht-Auf­stiegs defi­ni­tiv nicht fortzuführen. Stel­len Fuat & Friends dann ihre Unterstützung ein? Immer­hin würden sie dann ja ihres Namens­pa­trons ver­lus­tig geraten.

Bei die­ser Fra­ge gibt sich Tim Ham­mer zurückhaltend. „Unser Bestre­ben ist es, Fuat Kilic auch in der kom­men­den Sai­son unter die Arme zu grei­fen, damit die Alemannia den nächs­ten Schritt machen kann. Und in der kom­men­den Sai­son wird er noch unser Trai­ner sein. Was dann pas­siert, weiß keiner.“

Fal­sche Voraussetzung

Der Umgarn­te selbst zeigt sich unbeug­sam, lässt aber gleich­zei­tig das omi­nö­se Hintertürchen einen Spalt breit offen. „Ich ste­he immer zu dem, was ich sage. Nach dem jet­zi­gen Stand ist es so, dass für mich erst ein­mal Schluss sein wird, wenn wir nicht nach oben gehen. Soll­te es so sein, dass wir eine sehr gute Sai­son spie­len und es den­noch nicht zum Auf­stieg reicht, ent­schei­det die struk­tu­rel­le und finan­zi­el­le Per­spek­ti­ve darüber, wie es für mich wei­ter gehen wird.“

Umgarnt: Fuat Kilic
Foto: Carl Brunn

Zudem betont Kilic immer wie­der, dass sich sein Arbeits­pa­pier im Fal­le eines Auf­stiegs auto­ma­tisch ver­län­ge­re. Befin­det sich der Ver­ein also in einer Art Ver­fah­rens­star­re, weil er abwar­ten muss, wie sich sei­ne bis dato erfolg­reich arbei­ten­de und des­halb nahe­zu unan­tast­ba­re Führungskraft entscheidet?

Im Zwei­fel würde eine Ent­schei­dung dann erst nach Abpfiff eines Rele­ga­ti­ons­spiels Mit­te Mai 2020 fal­len. Pla­nungs­stär­ke würde sich anders defi­nie­ren. Doch am Tivo­li will man erst gar kei­ne Ner­vo­si­tät auf­kom­men las­sen. War­um auch, wenn die vom Sport­chef ins Feld geführte Ver­län­ge­rungs­klau­sel gar nicht exis­tiert, wie In der Pratsch erfuhr.

Für Mar­tin Fröh­lich, Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Alemannia, ist daher auch klar: „Man kann nicht im Mai 2020 mit den Pla­nun­gen für das kom­men­de Spiel­jahr begin­nen. Das wäre fahr­läs­sig. Wir wer­den alles recht­zei­tig mit­ein­an­der bespre­chen und regeln.“ Aller­dings sieht auch der Chef­kon­trol­leur die „Din­ge nicht in Stein gemeißelt“.

Eben­so will Auf­sichts­rats­vi­ze Dirk Kall kei­ne Unru­he auf­kom­men las­sen. Man kön­ne sich sicher sein, dass die Ent­schei­dung, ob Fuat Kilic über die kom­men­de Sai­son hin­aus unser Trai­ner sein wird, nicht erst am letz­ten Spiel­tag fal­len wer­de. Weder von Sei­ten des Coa­ches, noch von Sei­ten des Ver­eins. Aber man wer­de auch nicht ein­fach abwar­ten, son­dern auf jede Ent­wick­lung vor­be­rei­tet sein.

Immer wei­ter

Dirk Kall macht unmiss­ver­ständ­lich deut­lich: „Kein Mensch ist grö­ßer als der Ver­ein. Kein Dirk Kall, kein Mar­tin Fröh­lich, kein Fuat Kilic.“ Und auch Tim Ham­mer zeigt sich nicht panisch. Für ihn ist Fuat Kilic „das Bes­te, was dem Ver­ein pas­sie­ren konnte“.

Aber eben­so steht für ihn fest, „dass die Alemannia auch nach Fuat Kilic noch exis­tie­ren wird. Und soll­te es bedau­er­li­cher­wei­se irgend­wann zur Tren­nung kom­men, wer­den wir sehen, mit wem wir es dann zu tun haben.“

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Als wir die ersten Buchstaben tippten, um unsere fixe Idee eines Alemannia-Magazins in die Tat umzusetzen, spielte Henri Heeren noch in Schwarz-Gelb. Jupp Ivanovic machte drei Buden am Millerntor und trotzdem träumte niemand von Bundesliga oder Europapokal. Das ist lange her. In der Zwischenzeit waren wir mit dem TSV ganz oben. Wir sind mit ihm ziemlich unten. Aufgehört haben wir unterwegs irgendwie nie. Neue Ausgaben kamen mal in größeren, mal in kleineren Abständen. Und jetzt schreiben wir halt auch noch das Internet voll.

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