Foto: Joe Gras

„Ohne Zuschau­er­ein­nah­men wür­de es für uns kri­tisch werden.“

Der Alemannia-Führung wurde in jüngster Vergangenheit vorgeworfen, nicht ausreichend zu kommunizieren. Grund für uns, nachzufragen. Zur Lage in Corona-Zeiten, zu den Perspektiven, zu diversen Personalien. Und Aufsichtsratschef Martin Fröhlich hat geantwortet. Ausreichend? Lest selbst.

Wird die Alemannia die aktu­el­le Kri­sen­la­ge überleben?

Ja, wir schaf­fen das. Wenn wir mit­tel­fris­tig wie­der vor Publi­kum spie­len können.

Aber kann man denn die Pla­nun­gen über­haupt auf die Zulas­sung von Zuschau­ern grün­den? Nie­mand ist in der Lage, ver­bind­lich vor­aus­zu­sa­gen, wie sich die Kri­se ent­wi­ckelt. Und am Ende des Tages gibt die Poli­tik den Rah­men vor, in dem man sich bewe­gen darf.

Das stimmt. Allen unse­ren Pla­nun­gen liegt zugrun­de, dass Zuschau­er wie­der ins Sta­di­on kom­men dür­fen. Und zwar zum Start der neu­en Sai­son. Ohne die­se Annah­me ergibt eine Etat­pla­nung für uns wenig Sinn. Müss­ten wir davon aus­ge­hen, dass wir bis Ende des Jah­res kei­ne Zuschau­er­ein­nah­men gene­rie­ren könn­ten, dann wür­de es für uns kri­tisch wer­den. Das gilt jedoch nicht für uns allei­ne. Die meis­ten Ver­ei­ne in der Liga wür­den vor die glei­chen Pro­ble­me gestellt. Ober­hau­sen, Wup­per­tal, Bonn und so wei­ter. Sogar Essen dürf­te es treffen.

Haben Sie für die­ses Worst-Case-Sze­na­rio einen Plan B? Denn wie gesagt: Wie sich die Pan­de­miela­ge ent­wi­ckelt ist nicht vor­aus­seh­bar. Man muss ja mit vie­lem rechnen.

Und eben weil die künf­ti­gen Ent­wick­lun­gen in die­sem außer­ge­wöhn­li­chen Fall für kei­nen vor­her­seh­bar sind, ist es auch kaum mög­lich, Plä­ne für bestimm­te Sze­na­ri­en zu ent­wi­ckeln. Bei man­chen The­men kön­nen wir noch nicht ein­mal auf Sicht flie­gen. Es ist ein Stück weit Hof­fen und Ban­gen. So hilf­los sich das auch anhö­ren mag. Aber es ist eine Rea­li­tät, der auch wir ins Auge sehen müssen.

„Ohne einen Siche­rungs­schirm wäre die Regio­nal­li­ga West nicht zu retten.“

Sie sag­ten, dass die Alemannia die Situa­ti­on meis­tern wür­de, wenn man ab Sep­tem­ber wie­der vor Zuschau­ern spie­len könn­te. Gesetzt den Fall, das wäre nicht mög­lich. Was wäre dann?

Das ist die alles ent­schei­den­de Fra­ge. Geis­ter­spie­le sind in Anbe­tracht des Kos­ten­ap­pa­ra­tes ohne dage­gen­ste­hen­de Ein­nah­men nicht mach­bar. An man­chen Stand­or­ten mag das ein akzep­ta­bles Sze­na­rio sein. An den meis­ten jedoch nicht. Die Aus­set­zung der Sai­son wäre eben­falls kei­ne Alter­na­ti­ve. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass die Mehr­zahl der Spon­so­ren zu hal­ten wäre. Soll­ten wir nicht vor Zuschau­ern spie­len kön­nen, sähe ich den DFB und die Poli­tik end­gül­tig in der Pflicht. Ohne einen ent­spre­chen­den Siche­rungs­schirm wäre das Gros der Liga nicht über­le­bens­fä­hig. Die Regio­nal­li­ga West wäre nicht zu retten.

Wobei die Bereit­schaft, einen sol­chen Schirm auf­zu­span­nen, noch nicht sehr aus­ge­prägt ist.

Da haben Sie lei­der Recht. Nach­voll­zieh­bar ist das für mich nicht.

„Vor allem der DFB könn­te mehr tun.“

Aus Ihrer Sicht tun die Poli­tik und die Ver­bän­de nicht genug für den Fuß­ball unter­halb der Topligen?

Bis­her nicht. Dass sich die Unter­stüt­zung nur auf die ers­ten drei Ligen kon­zen­triert, ist nicht ver­ständ­lich. Gera­de die Regio­nal­li­ga ist in die­ser Situa­ti­on beson­ders gefan­gen. Sie besitzt aus­ge­präg­te Pro­fi­struk­tu­ren. Den­ken Sie nur ein­mal an die Auf­la­gen, die man als Viert­li­gist erfül­len muss. Oder die Teil­nah­me der Zweit­ver­tre­tun­gen. Gleich­zei­tig aber haben wir es mit einer signi­fi­kant hohen Abhän­gig­keit von Zuschau­er­ein­nah­men zu tun. Die Lage, in der sich die Regio­nal­li­gis­ten aktu­ell befin­den, ist exis­tenz­be­dro­hend. Und das völ­lig unver­schul­det. Aus mei­ner Sicht müss­ten die Poli­tik und vor allem der DFB hier mehr tun. Und bei­de Par­tei­en könn­ten auch mehr tun.

Eini­ge Ihrer Kol­le­gen in ande­ren Ver­ei­nen haben das sehr früh­zei­tig und sehr deut­lich in der Öffent­lich­keit the­ma­ti­siert. Haben für ihre Belan­ge getrom­melt und die Ver­ant­wort­li­chen in die Pflicht genom­men. Haben Posi­tio­nen auf­ge­baut, For­de­run­gen gestellt. Beson­ders die wich­ti­gen Teil­neh­mer Essen und Ober­hau­sen tun sich da her­vor. Die Alemannia als eine der Liga­grö­ßen hat sich bis­her hin­ge­gen erstaun­lich zurück­ge­hal­ten, wäh­rend Ober­hau­sens Prä­si­dent Hajo Som­mers von den Medi­en zum Klas­sen­spre­cher der Liga aus­ge­ru­fen wurde.

Die­se Dar­stel­lung geht an der Rea­li­tät vor­bei. Wir haben uns nicht von Wün­schen, Träu­men oder Hoff­nun­gen lei­ten las­sen, son­dern an Fak­ten ori­en­tiert. Vor allem aber sind wir der Mei­nung, dass es nicht för­der­lich ist, immer alles hit­zig in die Öffent­lich­keit zu tra­gen. Das kann schon mal kon­tra­pro­duk­tiv sein. Wir ver­su­chen, die The­men beson­nen anzu­ge­hen. Damit bewegt man manch­mal mehr.

„Wir haben mehr im Hin­ter­grund agiert anstatt immer nur das Ram­pen­licht zu suchen.“

Aber als Platz­hirsch hat man doch auch eine Ver­ant­wor­tung, vor­an­zu­ge­hen und Din­ge in Bewe­gung zu versetzen.

Die neh­men wir auch an. Ich kann Ihnen sagen, dass par­al­lel meh­re­re Regio­nal­li­gis­ten ihr Vor­ge­hen koor­di­niert haben. Wir haben uns unter­ein­an­der abge­stimmt, Erwar­tun­gen for­mu­liert und For­de­run­gen gestellt. Nur decken sich man­che Posi­tio­nen, die wir erar­bei­tet haben und mit den Ver­ant­wort­li­chen in Poli­tik und Ver­bän­den dis­ku­tie­ren, nicht mit den Posi­tio­nen des Herrn Som­mers. Selbst­ver­ständ­lich haben wir sowohl mit dem Fuß­ball­ver­band Mit­tel­rhein als auch dem West­deut­schen Fuß­ball­ver­band gespro­chen. Nur haben wir mehr im Hin­ter­grund agiert anstatt immer nur das Ram­pen­licht zu suchen. Und viel­leicht war das in dem einen oder ande­ren Fall auch effek­ti­ver. So wird es im Lau­fe der kom­men­den Tage zum The­ma Regio­nal­li­ga West einen Ter­min bei Ver­tre­tern der Regie­rungs­frak­tio­nen des Land­ta­ges geben.

Sie pla­nen also mit 5.000 Zuschauern.

Wir pla­nen mit 4.600 Zuschau­ern. Das könn­ten wir auch vor dem Hin­ter­grund stren­ger Zulas­sungs­re­ge­lun­gen sehr gut stem­men. Da spielt uns die Infra­struk­tur des moder­nen Sta­di­ons in die Kar­ten. Und gleich­zei­tig pro­fi­tie­ren wir von der her­vor­ra­gen­den Zusam­men­ar­beit mit dem ASB, der ein aus­ge­feil­tes Hygie­nekon­zept erar­bei­tet hat. Wir sind sicher, dass wir mög­li­che Auf­la­gen erfül­len könnten.

„Das The­ma Rück­zah­lun­gen ist noch nicht durch.“

Sind in Ihren Pla­nun­gen even­tu­el­le Rück­zah­lungs­for­de­run­gen aus dem Kreis der Spon­so­ren und von Dau­er­kar­ten­be­sit­zern bereits ein­ge­preist oder besteht die­se Gefahr nicht mehr?

Nein, das The­ma ist bei­lei­be noch nicht durch. Da kann noch immer etwas pas­sie­ren und uns belas­ten. Dabei spie­len die Dau­er­kar­ten aber eine eher unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Ange­sichts des Feed­backs und der Anzahl der bereits erhal­te­nen Ver­zichts­er­klä­run­gen kön­nen wir davon aus­ge­hen, dass wir hier kaum mit Rück­zah­lungs­for­de­run­gen kon­fron­tiert sein wer­den. An die­ser Stel­le möch­te ich unse­ren treu­en Fans einen rie­sen Dank aus­spre­chen. Bei den Spon­so­ren sind wir lei­der noch nicht so weit. Des­halb appel­lie­ren wir an jeden, kei­ne Rück­for­de­run­gen zu stel­len. So schmerz­haft das im Ein­zel­nen auch sein mag. 

Kön­nen Sie die bezif­fern, über wie viel Geld wir hier im schlimms­ten Fall sprechen?

Ich möch­te kei­ne genau­en Zah­len nen­nen. Aber es han­delt sich um einen durch­aus signi­fi­kan­ten Betrag. Und bei zehn­tau­send Euro wür­de ich nicht von einem signi­fi­kan­ten Betrag sprechen.

„Wir ver­spü­ren auch Rückenwind.“

Wel­che Rück­mel­dun­gen bekom­men Sie von Spon­so­ren? Wird es hier Ein­bu­ßen geben?

Die Pan­de­mie­kri­se und die damit ein­her­ge­hen­den Unge­wiss­hei­ten beherr­schen auch hier sämt­li­che Gesprä­che. Da wer­den Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen zumin­dest ver­scho­ben. Mar­ke­ting­bud­gets wer­den ein­ge­fro­ren oder gar auf Null gefah­ren. Das mer­ken wir deut­lich. Und den­noch spü­ren wir auch Rücken­wind. Lang­jäh­ri­ge Part­ner, wie Kutsch, die Stadt­wer­ke und Ham­mer, aber auch vie­le klei­ne­re und mitt­le­re Spon­so­ren, haben schon verlängert.

Mit wel­chem Spon­so­ring­auf­kom­men kal­ku­lie­ren Sie für die kom­men­de Saison?

Kon­kre­te Zah­len wer­de ich Ihnen auch hier nicht nen­nen. Dazu ist die Situa­ti­on noch zu sehr im Fluss. Aber es sind merk­lich weni­ger als die rund zwei Mil­lio­nen der abge­lau­fe­nen Saison.

Kön­nen Sie denn die Etat­sum­me von einer Mil­li­on Euro bestä­ti­gen, die Tho­mas Hen­gen für den Sport­be­reich zur Ver­fü­gung stehen?

Ich kom­men­tie­re sol­che Sum­men nicht. Ich weiß, dass die­se Zahl in der Öffent­lich­keit kol­por­tiert wird. Und sie wird ja unwi­der­spro­chen kolportiert.

War­um scheu­en Sie sich, die Etat­grö­ße zu bezif­fern? Ande­re Clubs sind da nicht so zurück­hal­tend und spre­chen offen über ihre Budgets.

Auch hier ist noch sehr viel im Fluss. Wir wer­den aber zum gege­be­nen Zeit­punkt über die Ergeb­nis­se berichten.

Mehr denn je wird es für die Alemannia auf die Zuschau­er ankom­men. War­um hört man dann nichts in Sachen Dauerkartenverkauf? 

Ich weiß, dass ande­re Ver­ei­ne da sehr früh­zei­tig los­ge­lau­fen sind und mäch­tig gepol­tert haben. Aber wir woll­ten bewusst erst die Rah­men­be­din­gun­gen erfah­ren. Den Start­ter­min und die Anzahl der Begeg­nun­gen, zum Bei­spiel. Dann hat sich ein Ver­ein auch noch kurz­fris­tig zurück­ge­zo­gen. Hier müs­sen die Früh­star­ter neu kal­ku­lie­ren. Jetzt, da wir die­se Para­me­ter ken­nen, wer­den wir den Ver­kauf zeit­nah starten.

Es dürf­te gar nicht so ein­fach sein, das Ange­bot fan­ge­recht zu gestal­ten. Steh­platz­be­su­cher müss­ten wahr­schein­lich auf die Sitz­platz­tri­bü­nen ausweichen. 

Gehen Sie mal davon aus, dass wir das sehr fle­xi­bel hand­ha­ben wer­den. Soll­ten nur Sitz­plät­ze erlaubt sein, wer­den die Inha­ber von Steh­platz­dau­er­kar­ten kei­ner­lei Nach­tei­le haben.

„Der Pacht­ver­trag wird zu den glei­chen Kon­di­tio­nen verlängert.“

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Gesprächs­part­ner ist die Stadt als Eigen­tü­mer des Sta­di­ons. Der Pacht­ver­trag ist abge­lau­fen. Wie gestal­ten sich die Ver­hand­lun­gen um eine Folgevereinbarung?

Die Ver­hand­lun­gen sind gera­de abge­schlos­sen. Der Ver­trag wird zu den glei­chen Kon­di­tio­nen um zwei Jah­re ver­län­gert. Die Papie­re wer­den in den nächs­ten Tagen unterschrieben.

Nun hat sich die Stadt bereit erklärt, die Mie­te zeit­wei­lig zu stun­den. Ein Ver­zicht wür­de Ihnen mehr helfen.

Rich­tig. Und wir sind mit den Ver­ant­wort­li­chen in kon­kre­ten Gesprä­chen, um das für den Zeit­raum der Kri­sen­si­tua­ti­on zu errei­chen. Die­se gestal­ten sich nicht ein­fach. Aber wir müs­sen halt akzep­tie­ren, dass auch die Stadt gewis­sen Zwän­gen unterliegt.

„Mar­tin vom Hofe hat uns auf dem fal­schen Fuß erwischt.“

Jetzt gab es bei der Alemannia in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit eini­ge per­so­nel­le Ver­wer­fun­gen. Zunächst war da die Kün­di­gung von Mar­tin vom Hofe. Sie mute­te wie eine Nacht-und-Nebel-Akti­on an. Kön­nen Sie den Nebel lichten?

Auch ich wur­de von Mar­tin vom Hofes Ent­schei­dung, die Alemannia zu ver­las­sen, völ­lig über­rascht. Wir sind auf dem fal­schen Fuß erwischt wor­den. Dafür gab es eigent­lich kei­ne Anzei­chen. Aber sein unbe­fris­te­ter Ver­trag gab ihm die Mög­lich­keit, kurz­fris­tig aus­zu­stei­gen. Die­se Mög­lich­keit hat er genutzt.

Es gab also kei­ne Dissonanzen?

Selbst­ver­ständ­lich gibt es über­all und immer mal wie­der Dis­sen­zen. Aber es gab kei­ne grund­sätz­li­chen Dis­so­nan­zen, die solch einen Schritt begrün­den könn­ten. Man darf zudem einem Mit­ar­bei­ter mit Fami­lie nicht ver­übeln, dass er gege­be­nen­falls ein bes­se­res Ange­bot annimmt. Offen­bar ist man auf sei­ne Arbeit für die Alemannia auf­merk­sam geworden.

Wie wer­den Sie die Geschäfts­füh­rung der Alemannia künf­tig auf­stel­len? Hans-Peter Lip­ka ist offi­zi­ell nur bis Ende des Jah­res auf die­sem Pos­ten. Suchen Sie bereits nach einer Per­son, die die­se Funk­ti­on dau­er­haft beset­zen kann?

Nein, aktiv suchen wir noch nicht. Initia­tiv­be­wer­bun­gen erhal­ten wir eini­ge. Aber auch das ist in der aktu­el­len Situa­ti­on nicht unse­re Top-Priorität.

Bedeu­tet das, dass Herr Lip­ka vom Inte­rims­ge­schäfts­füh­rer zum fes­ten Chef der GmbH wer­den könnte?

Mit Hans-Peter Lip­ka haben wir eine gute Inte­rims­lö­sung gefun­den. Aber es ist nicht der Plan, dar­aus eine Dau­er­an­stel­lung zu machen.

„Ja, Dirk Kall ist zurückgetreten.“

Eine zwei­te Per­so­na­lie pfei­fen die Spat­zen von den Dächern. Dirk Kall hät­te sein Amt des stell­ver­tre­ten­den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den nie­der­ge­legt, blie­be aber Mit­glied des Gremiums.

Das ist so. Dirk Kall ist vom Pos­ten des stell­ver­tre­ten­den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den zurückgetreten.

Da inter­es­sie­ren uns natür­lich die Hintergründe.

Tut mir leid. Sol­che inter­nen Vor­gän­ge blei­ben intern.

Dann wer­den wir mal pene­tran­ter. Die glei­chen Spat­zen pfei­fen auch, dass es im Auf­sichts­rat längst nicht mehr so har­mo­nisch zugeht. Von Frak­tio­nen und Frik­tio­nen ist die Rede.

Ich weiß nicht, wer da immer mit wem was bere­det. Ich hal­te es nur für wenig ziel­füh­rend, wenn Halb­wis­sen die Run­de macht. Über­all dort, wo Men­schen inten­siv zusam­men­ar­bei­ten, kommt es zu Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten. Für die Sache kann es doch nur frucht­bar sein, wenn die Din­ge in den Gre­mi­en kon­tro­vers dis­ku­tiert wer­den. Wenn um die bes­te Lösung gerun­gen wird. Dabei kann es auch bei uns schon mal hoch her­ge­hen. Das ist alles gut, solan­ge das intern gere­gelt wird und am Ende alle Betei­lig­ten wie­der am glei­chen Strang ziehen. 

Und doch ist Dirk Kall zurückgetreten.

Rich­tig. Er ist als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der zurück­ge­tre­ten, arbei­tet jedoch nach wie vor in dem Gre­mi­um enga­giert mit. Das zählt. Sei­ne Fach­kom­pe­tenz ist sehr geschätzt. Alles Wei­te­re bleibt intern.

Peter Her­mann ist ein drit­ter Fall. Der wur­de im ver­gan­ge­nen Jahr mit viel Stolz als Bera­ter vor­ge­stellt. Jetzt ist es um sei­ne Arbeit am Tivo­li ruhig gewor­den. Ist er noch an Bord?

Peter Her­manns vor­ran­gi­ge Auf­ga­be bestand dar­in, uns bei der Suche nach einer neu­en sport­li­chen Lei­tung zu unter­stüt­zen. Das hat er sehr erfolg­reich getan. Damit war sei­ne Tätig­keit für den Auf­sichts­rat been­det. Tho­mas Hen­gen und er pfle­gen immer noch einen regen Aus­tausch, zum Bei­spiel zu Spie­ler­ver­pflich­tun­gen. Im Rah­men des vor­ge­ge­be­nen Bud­gets ist das aber aus­schließlich die Sache des Sportdirektors.

„Auch uns gelingt das Eine oder Ande­re zwangs­läu­fig nicht so gut.“

Wenn das alles so ein­fach zu erklä­ren ist: War­um kom­mu­ni­zie­ren Sie sol­che Din­ge nicht? Auch im Hin­blick auf die Ver­trags­ab­schlüs­se im Pro­fi­ka­der wur­den nie Details, wie zum Bei­spiel die Lauf­zei­ten genannt. Man muss­te den Ein­druck haben, dass man die Öffent­lich­keit lie­ber vor der Tür lässt.

Das mit den Lauf­zei­ten war mir gar nicht bewusst. Es gibt kei­ne Maß­ga­be, das nicht mit­zu­tei­len. Auch die Per­so­na­li­en hät­ten wir kom­mu­ni­zie­ren müs­sen. Aber wir machen Feh­ler. Wir haben das schlicht­weg ver­säumt. Ohne Hin­ter­ge­dan­ken. Wenn wir könn­ten, wür­de ich auf der Stel­le einen Pres­se­chef ein­stel­len, der sol­che Din­ge pro­fes­sio­nell anpackt. Kön­nen wir aber nicht. Wir arbei­ten auf der Geschäfts­stel­le mit einer Rumpf­mann­schaft. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter müs­sen sich um Tau­sen­de Details küm­mern. Zumal die Zei­ten außer­ge­wöhn­li­che sind. Da wird zwangs­läu­fig schon mal etwas ver­nach­läs­sigt. Das darf kei­ne Ent­schul­di­gung sein. Es ist nur eine Erklä­rung für das eine oder ande­re Defi­zit. Wir sind als Gre­mi­en­mit­glie­der ehren­amt­lich mit hohem Zeit­auf­wand tätig. Da gelingt auch uns das Eine oder Ande­re zwangs­läu­fig nicht so gut.

Jetzt haben wir nur über die Situa­ti­on in der Fuß­ball-GmbH gespro­chen. Ist auch der ein­ge­tra­ge­ne Ver­ein durch die Pan­de­mie­si­tua­ti­on gefährdet?

Nein. Was wir mer­ken, ist, dass die Spen­den­be­reit­schaft etwas abge­nom­men hat. Aber eine Gefähr­dung des ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins gibt es nicht.

Im kom­men­den Jahr ste­hen Neu­wah­len für alle rele­van­ten Gre­mi­en an. Wer­den Sie und das bestehen­de Team im Prä­si­di­um und Auf­sichts­rat wie­der antre­ten? Immer­hin kön­nen Sie sich auf die Fah­nen schrei­ben, in den Augen vie­ler Betrach­ter geräusch­lo­ser und anschei­nend auch kon­struk­ti­ver gear­bei­tet zu haben als so man­che Vorgänger.

Das mit dem geräusch­lo­sen Arbei­ten sehen die Spat­zen offen­sicht­lich anders, wenn ich mich an Ihre Fra­ge von vor­hin erin­ne­re. Im Ernst: Sie kön­nen mir das jetzt glau­ben oder nicht. Wir haben uns dazu im Team noch kei­ne Gedan­ken gemacht. Das ist für uns ange­sichts der aku­ten Auf­ga­ben und aktu­el­len Bau­stel­len noch viel zu weit weg. Wir wer­den das aller­dings recht­zei­tig bespre­chen. Und kommunizieren.

Gibt es für Sie per­sön­lich denn schon eine Tendenz?

Nein. Nur kann ich Ihnen ver­si­chern, dass die Mit­glied­schaft in einem Alemannia-Gre­mi­um eine sehr for­dern­de Auf­ga­be ist. Unser Team muss­te den Ver­ein zunächst aus einer zwei­ten Insol­venz her­aus über­neh­men. Und jetzt ste­hen wir auf­grund der Covid-19-Kri­se ohne eige­ne Schuld vor bis­her völ­lig unbe­kann­ten und des­halb unvor­her­seh­ba­ren Her­aus­for­de­run­gen. Die Belas­tun­gen sind extrem hoch. Fami­lie und Beruf lei­den sehr dar­un­ter. Man muss bereit sein, das in Kauf neh­men zu wol­len. Dar­über wer­de ich nach­den­ken und mich mit dem gesam­ten Team beraten.

Vie­len Dank für das Gespräch.

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Über den Pratsch

Als wir die ersten Buchstaben tippten, um unsere fixe Idee eines Alemannia-Magazins in die Tat umzusetzen, spielte Henri Heeren noch in Schwarz-Gelb. Jupp Ivanovic machte drei Buden am Millerntor und trotzdem träumte niemand von Bundesliga oder Europapokal. Das ist lange her. In der Zwischenzeit waren wir mit dem TSV ganz oben. Wir sind mit ihm ziemlich unten. Aufgehört haben wir unterwegs irgendwie nie. Neue Ausgaben kamen mal in größeren, mal in kleineren Abständen. Und jetzt schreiben wir halt auch noch das Internet voll.

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