Erfolg­reich scheitern?

Nach dem ersten Jahr als Cheftrainer der Alemannia kann Jürgen Seeberger eine durchaus herzeigbare Bilanz vorweisen. Dennoch steht eine Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden Vertrages in den Sternen. Ein Lehrstück zum Thema: „Erfolg ist nicht alles.“
Foto: Carl Brunn

18 Min. Lesezeit

Seit sei­nem Dienst­an­tritt im Janu­ar 2008 hat Jür­gen See­ber­ger vie­les rich­tig gemacht. Bereit­wil­lig hat sich der 43-Jäh­ri­ge in bestehen­de Struk­tu­ren gefügt. Er ver­zich­te­te bei­spiels­wei­se auf das in der Bran­che ansons­ten übli­che Mit­brin­gen eines Co-Trai­ners, hol­te dar­über hin­aus früh sei­ne Fami­lie nach Aachen, um die Kai­ser­stadt zu sei­nem Lebens­mit­tel­punkt zu machen. Anders als manch stän­di­ger Hotel­gast unter sei­nen Kol­le­gen gab er damit ein kla­res Bekennt­nis zu sei­nem Arbeit­ge­ber ab.

Auch dass er die Alemannia nach dem Buch­wald-Desas­ter zunächst in ruhi­ge­res Fahr­was­ser und zuletzt wie­der in den Kreis der Auf­stiegs­kan­di­da­ten führ­te, muss man ihm hoch anrech­nen. Auf den ers­ten Blick drängt sich der Ein­druck auf, dass es für den Trai­ner nach zwei Halb­se­ri­en und ins­ge­samt 58 erspiel­ten Punk­ten rund läuft an der Kre­fel­der Stra­ße. Die Tabel­le lügt schließ­lich nicht. Doch sie erzählt auch nur die hal­be Wahr­heit. Und sie scheint in Aachen der­zeit der ein­zi­ge Freund des Trai­ners zu sein. Wie es aus­sieht, hat die­ser die emo­tio­na­le Kom­po­nen­te bei der Alemannia schlicht­weg unterschätzt.

Denn hier wird Sym­pa­thie und Anti­pa­thie gegen­über den han­deln­den Per­so­nen des Vor­zei­ge­ver­ei­nes seit jeher nicht aus­schließlich an sport­li­chem Erfolg gemes­sen. In die­sem Zusam­men­hang muss man nicht son­der­lich tief schür­fen, um fest­zu­stel­len, dass wei­te Tei­le der hie­si­gen Anhän­ger­schaft mit ihrem Übungs­lei­ter bis­her nicht warm gewor­den sind. Und es wohl auch nicht mehr werden.

Dan­ke (ab)!

Als etwa eine Serie von sechs unge­schla­ge­nen Spie­len ihr Ende in einem erbärm­li­chen Auf­tritt beim FC Augs­burg fand, mutier­te ein gut gemein­ter „Dan­ke Trainer“-Diskussionsfaden im größ­ten schwarz-gel­ben Inter­net­fo­rum inner­halb kür­zes­ter Zeit zur Spiel­wie­se für Zyni­ker. Von „Dan­ke“ ist es eben nicht weit bis zu „Dan­ke ab!“. Manch einer erhob sogar Die­ter Hecking, nach sei­ner Fah­nen­flucht im August 2006 noch zur „Per­so­na non gra­ta auf Lebens­zeit“ erklärt, zum leuch­ten­den Gegen­bei­spiel. Doch die Kri­ti­ker beschrän­ken sich nicht nur auf bil­li­ge Pole­mik. In kon­struk­ti­ven Bei­trä­gen sezie­ren sie das vom Trai­ner bevor­zug­te Spiel­sys­tem, kom­men uni­so­no zu dem Ergeb­nis, dass es zu defen­siv sei, zu kon­trol­liert. Im End­ef­fekt zu wenig begeisternd.

Und tat­säch­lich lag bei den bis­he­ri­gen Heim­spie­len eine selt­sam lethar­gi­sche Stim­mung über dem alt­ehr­wür­di­gen Tivo­li. Hier, wo mit dem kleins­ten Anzei­chen von Kampf­be­reit­schaft und Lei­den­schaft leicht ein Hexen­kes­sel zu ent­fa­chen ist, wur­de in der Hin­run­de meist nur auf Spar­flam­me gekocht. Auch eine über­ra­gen­de Heim­bi­lanz konn­te dar­an nichts ändern.

„Man kann den meis­ten Fans eben nur schwer ver­mit­teln, dass man bei einer Füh­rung Ball und Geg­ner lau­fen las­sen muss. Zur Not auch hintenrum.“

Jür­gen See­ber­ger fühlt sich und sein Spiel­sys­tem unverstanden

Die­se Erkennt­nis ist auch an Jür­gen See­ber­ger nicht vor­bei gegan­gen. „Man kann den meis­ten Fans eben nur schwer ver­mit­teln, dass man bei einer Füh­rung Ball und Geg­ner lau­fen las­sen muss. Zur Not auch hin­ten­rum.“ Dass die stim­mungs­volls­ten Minu­ten der Sai­son genau in die Pha­se fie­len, als sei­ne Spie­ler die Gast­mann­schaft aus Mainz durch ent­schlos­se­nes Auf­tre­ten in der eige­nen Hälf­te ein­schnür­ten, nimmt er zwar zur Kennt­nis, will dar­aus aber kei­ne Kon­se­quen­zen für die Rück­run­de ableiten.

Foto: Carl Brunn

„Über­zo­ge­ne Aggres­si­vi­tät führt zu mehr Foul­spie­len. Fouls füh­ren zu gefähr­li­chen Stan­dard­si­tua­tio­nen und die gilt es, in ers­ter Linie zu ver­hin­dern. Des­halb for­de­re ich, dass man den Geg­ner mit fai­ren Mit­teln weit weg vom eige­nen Tor hält.“ Bis auf wei­te­res wird es somit wohl beim unge­lieb­ten und den­noch zuletzt meist prak­ti­zier­ten Ver­wal­tungs­fuß­ball bleiben.

Wie leicht die­ser kon­trol­lier­te Schuss aber nach hin­ten los­ge­hen kann, haben die letzt­jäh­ri­gen Pokal­dar­bie­tun­gen der Alemannia gezeigt. Wäh­rend sich im Liga­be­trieb auch schon ein­mal ein müdes Unent­schie­den über die Zeit brin­gen lässt, muss man im „Hopp oder Top“-Wettbewerb Wil­len, Biss und Ein­stel­lung mit­brin­gen, um zu gewin­nen. Und genau die­se Eigen­schaf­ten fehl­ten der See­ber­ger-Trup­pe in den ent­schei­den­den Momenten.

Konn­te man das Aus­schei­den gegen 1860 Mün­chen zu Jah­res­be­ginn noch unter „Pech gehabt“ abhef­ten, kam die Nie­der­la­ge bei Wehen-Wies­ba­den einem Offen­ba­rungs­eid gleich. Einem teu­ren zudem. Die Finanz­ab­tei­lung der GmbH dürf­te not amu­sed gewe­sen sein. Die mit­ge­reis­ten Fans waren es auf alle Fäl­le nicht. Das Auf­tre­ten des Trai­ners bei der Aus­spra­che am Zaun setz­te dem Gan­zen die Kro­ne auf.

Eini­ge weni­ge rede­ten sich sein Dau­er­g­rin­sen als Zei­chen von Unsi­cher­heit schön. Der Groß­teil des Aus­wärts­mobs jedoch emp­fand es als pure Arro­ganz. Ein Ein­druck, der hän­gen blieb. Selbst der tabel­la­ri­sche Auf­schwung im Spät­herbst hat ihre Ver­är­ge­rung nicht lin­dern kön­nen. Jür­gen See­ber­ger bleibt ein rotes Tuch für die­se Anhän­ger, sei­ne ein­zig auf das Ergeb­nis kon­zen­trier­te Spiel­phi­lo­so­phie eine Spaßbremse.

Eupho­rie­los, hilf­los, geschmacklos

Mehr als unglück­lich mutet da des­sen Ende Novem­ber geäu­ßer­te For­de­rung nach mehr Eupho­rie im Umfeld der Alemannia an. Nur einen Tag danach rela­ti­vier­te er sei­nen Rund­um­schlag zwar wie­der, doch das hier­zu gewähl­te Medi­um, die Alemannia-Home­page, lässt auf ein ange­ord­ne­tes Zurück­ru­dern schlie­ßen. Wie wenig den Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen der Vor­stoß ihres Trai­ners geschmeckt haben mag, zeig­te sich kurz darauf.

Die Wogen schie­nen gera­de geglät­tet, als Prä­si­dent Horst Hein­richs noch ein­mal via „Bild“ nach­frag­te, woher ein Stim­mungs­auf­schwung bei den Fans denn über­haupt kom­men sol­le. Und wo der Boss gera­de schon ein­mal dabei war, ließ er die inter­es­sier­te Öffent­lich­keit gleich noch wis­sen, dass er sich selbst eben­falls in keins­ter Wei­se eupho­risch füh­le. Auch die­se Aus­sa­gen wur­den nach­träg­lich ver­bes­sert und ver­wäs­sert. Das Kind war den­noch schon in den Brun­nen gefal­len, Unstim­mig­kei­ten zwi­schen Füh­rungs­eta­ge und sport­li­cher Lei­tung offen­bar gewor­den. Alles nur eine Fra­ge der feh­len­den Euphorie?

Auf der Suche nach mög­li­chen ande­ren Ursa­chen wird man in der Schweiz fün­dig. Hier hat Jür­gen See­ber­ger sie­ben Jah­re als Trai­ner des FC Schaff­hau­sen gear­bei­tet, bevor er im Früh­jahr 2007 ent­las­sen wur­de. Mat­thi­as Dubach, Redak­teur beim eid­ge­nös­si­schen Fuß­ball­kul­tur­ma­ga­zin „Zwölf“, erin­nert sich noch gut an die­se Zeit. Der 27-Jäh­ri­ge beschreibt den Ex-Coach sei­nes Lieb­lings­ver­ei­nes als stil­len, zurück­hal­ten­den Dis­zi­plin­fa­na­ti­ker, der mit sei­nen Emo­tio­nen nicht hau­sie­ren geht.

„Wenn jemand ver­sucht, ihm hin­ein­zu­re­den, schal­tet er ein­fach auf stur.“

Sport­re­dak­teur Mat­thi­as Dubach hat Jür­gen See­ber­ger beim FC Schaff­hau­sen erlebt

„Jür­gen See­ber­gers Selbst­ver­mark­tung könn­te sicher­lich bes­ser sein. Weit wich­ti­ger als das Schwin­gen gro­ßer Reden ist für ihn aber das Fei­len an der Tak­tik und die täg­li­che Arbeit mit der Mann­schaft.“ Auf die­sen Gebie­ten ver­langt der Übungs­lei­ter aller­dings abso­lu­ten Ent­schei­dungs­frei­raum. Ansons­ten kann es auch schnell ein­mal vor­bei sein mit still und zurück­hal­tend. „Wenn jemand ver­sucht, ihm hin­ein­zu­re­den, schal­tet er ein­fach auf stur.“ Wie wenig ein Ange­stell­ter Mar­ke dick­köp­fi­ger Allein­gän­ger bei den Ent­schei­dungs­trä­gern der Alemannia ankommt, weiß man aber spä­tes­tens seit den Vor­gän­gen um Jörg Schmadtke.

In die­sem Zusam­men­hang bekommt der Eupho­rie-Dis­put einen etwas ande­ren Bei­geschmack. Nicht nur in Aachen haben solch klei­ne Zwis­tig­kei­ten in der Ver­gan­gen­heit oft­mals den zar­ten Beginn einer Trai­ner-Demon­ta­ge dar­ge­stellt. Und die Lokal­pres­se ist bereits ange­sprun­gen. So spricht das Inter­view zum Abschluss der Hin­run­de eine deut­li­che Spra­che. Dass Jür­gen See­ber­ger auf eine Fra­ge mit Schwei­gen ant­wor­te­te, hät­te man bei einem unein­ge­schränkt respek­tier­ten Trai­ner ver­mut­lich nicht abge­druckt. Auch sonst wird stel­len­wei­se der Ein­druck eines Men­schen zwi­schen Hilf­lo­sig­keit und Dünn­häu­tig­keit vermittelt.

Erstaun­li­cher­wei­se sind die Vor­rei­ter der Stim­mungs­ma­che noch nicht auf den Zug auf­ge­sprun­gen. War Aachens Trai­ner im Som­mer für den Bou­le­vard noch der Buh­mann, hat sich sei­ne Dar­stel­lung in den ent­spre­chen­den Blät­tern seit­her gewan­delt. Für die „Bild“ stellt er der­zeit den Heils­brin­ger und Auf­stiegs­trai­ner dar. Kla­rer Fall von Trend ver­passt. Wie gut, dass da in Sachen unters­te Schub­la­de ande­re in die Bre­sche sprin­gen. Dass ein Ver­wal­tungs­rats­mit­glied wäh­rend einer Spon­so­ren­ver­an­stal­tung laut­hals her­aus­po­saun­te, Jür­gen See­ber­ger wer­de schnellst­mög­lich sei­nen Stuhl räu­men müs­sen, mar­kiert dabei nur den Gip­fel der Geschmacklosigkeit.

Schnup­per­kurs für Fortgeschrittene

Bei der­art hef­ti­gem Gegen­wind dürf­te es nie­man­den wun­dern, dass die­ser mitt­ler­wei­le bis weit über Aachens Stadt­gren­zen weht. Auch dem neu­en Sport­di­rek­tor Andre­as Bor­n­e­mann war schon vor Dienst­an­tritt der auf allen Ebe­nen feh­len­de Rück­halt für Jür­gen See­ber­ger zu Ohren gekom­men. Für die ers­ten Tage im Amt hat er daher die Klä­rung der Per­so­na­lie Trai­ner an die höchs­te Stel­le sei­ner Prio­ri­tä­ten­lis­te gesetzt. Zu die­sem Zweck möch­te er sei­nen obers­ten Ange­stell­ten im Trai­nings­la­ger auf Zypern beschnup­pern. Ein Schnup­per­kurs für Fort­ge­schrit­te­ne. Schließ­lich wei­sen die Lebens­läu­fe der bei­den eini­ge frü­he­re Berüh­rungs­punk­te auf.

So lagen ihre letz­ten Arbeits­plät­ze nur eine Hand­voll Stein­wür­fe und einen Grenz­über­gang von­ein­an­der ent­fernt. Bei­de haben im Rah­men von Trans­fer­ge­sprä­chen schon mit­ein­an­der zu tun gehabt. Zudem hat der Coach eini­ge Wochen beim SC Frei­burg unter Vol­ker Fin­ke hos­pi­tiert. Anfang 2007 war er sogar als hei­ßes­ter Kan­di­dat auf des­sen Nach­fol­ge gehan­delt wor­den, um es am Ende doch nicht zu wer­den. Damals Mana­ger im Breis­gau: Andre­as Bor­n­e­mann. Spä­tes­tens zu die­sem Zeit­punkt dürf­te sich die­ser schon ein­mal inten­siv mit Jür­gen See­ber­ger beschäf­tigt haben. Man darf gespannt sein, wel­che neu­en Erkennt­nis­se sich aus dem Ken­nen­lern­pro­zess 2.0 erge­ben werden.

„Heu­te sieht man, dass wir in allen Punk­ten Recht hatten.“

Jür­gen See­ber­ger Klopft sich auch mal auf die eige­ne Schulter

Wäh­rend der in Fra­ge gestell­te Trai­ner die Situa­ti­on im „Kicker“ als nor­ma­len Vor­gang abtut, gibt er im klei­nen Kreis zu, dass ihn die Aus­sa­gen sei­nes neu­en Vor­ge­setz­ten nach­denk­lich gestimmt haben. Son­der­lich viel vor­zu­wer­fen hat er sich nach eige­ner Ein­schät­zung nicht. Dass sein Spiel­sys­tem nicht dem Gus­to der meis­ten Tivo­li­be­su­cher ent­spricht, sieht er durch die Punkt­aus­beu­te wett­ge­macht. Eini­ge har­te Per­so­nal­ent­schei­dun­gen im Früh­jahr und Som­mer eben­so. „Heu­te sieht man, dass wir in allen Punk­ten Recht hat­ten. Auch in ihren neu­en Ver­ei­nen spie­len Wei­gelt und Reg­he­campf kei­ne gro­ßen Rollen.“

Bei die­ser Ein­schät­zung über­sieht Jür­gen See­ber­ger aller­dings, dass die Ent­schei­dun­gen schon sei­ner­zeit als sport­lich nach­voll­zieh­bar bewer­tet wor­den waren. Ledig­lich die Art und Wei­se der Aus­sor­tie­run­gen war den Fans bit­ter auf­ge­sto­ßen. Dabei hat vor allem die Abschie­bung Alex­an­der Klitz­pe­ras wäh­rend der Som­mer­pau­se mehr Staub auf­ge­wir­belt als nötig gewe­sen wäre. Für vie­le Anhän­ger kam sie der Schlach­tung einer hei­li­gen Kuh gleich.

Sechs Jah­re hat­te der gebür­ti­ge Mün­che­ner für die Alemannia gespielt, sich dabei als loya­len Ange­stell­ten prä­sen­tiert, der einen wür­di­gen Abgang ver­dient gehabt hät­te. Statt­des­sen gab es mit der gro­ben Kel­le. Mit dem Ver­wei­gern einer Rücken­num­mer und eines Park­plat­zes am Trai­nings­ge­län­de wur­de ihm öffent­lich die Mann­schafts­zu­ge­hö­rig­keit abge­spro­chen. Jür­gen See­ber­gers Bemer­kung, es sei erstaun­lich, dass Klitz­pe­ra trotz sei­nes Talents auf Zweit­li­ga­ni­veau spie­le, mag ein gut gemein­tes Kom­pli­ment gewe­sen sein.

„Im Fuß­ball­ge­schäft darf man nicht zart besai­tet sein.“

Der Coach setzt zwi­schen­mensch­lich auch mal auf die gro­be Kelle

Weil „gut gemeint“ aber das Gegen­teil von „gut“ ist, stell­te sie den Start­schuss zu einer media­len Schlamm­schlacht dar und dürf­te zudem den Preis des Unge­woll­ten nicht unbe­dingt in die Höhe getrie­ben haben. Am Ende zahl­ten die Schwarz-Gel­ben beim Trans­fer in Rich­tung FSV Frank­furt sogar noch drauf. Aus Mann­schafts­krei­sen ver­nimmt man seit­her immer häu­fi­ger Zwei­fel an den zwi­schen­mensch­li­chen Fähig­kei­ten und der Füh­rungs­kom­pe­tenz des Trai­ners. Die Auf­lö­sung des Mann­schafts­ra­tes zu Sai­son­be­ginn tat ihr Übri­ges dazu. Für sol­che Sen­ti­men­ta­li­tä­ten hat der Ange­zwei­fel­te indes kein Ver­ständ­nis. „Im Fuß­ball­ge­schäft darf man nicht zart besai­tet sein.“

Damals wie heute

Wie wenig zart Jür­gen See­ber­ger tat­säch­lich besai­tet ist, weiß Dani­el Koch. Der Sport­re­dak­teur der „Schaff­hau­ser Nach­rich­ten“ hat Aachens Übungs­lei­ter wäh­rend des­sen Schwei­zer Dienst­jah­ren als akri­bi­schen Arbei­ter ken­nen gelernt, der ein kla­res Spiel­sys­tem vor Augen hat. Dass jeder, der nicht in die­ses Sys­tem passt, ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te aus­sor­tiert wird, ist für den Jour­na­lis­ten ein alter Hut.

Den­noch hält er gro­ße Stü­cke auf den Ex-Coach des FC Schaff­hau­sen. „Jür­gen See­ber­ger hat beim FCS Außer­ge­wöhn­li­ches geleis­tet, dem Ver­ein kla­re Struk­tu­ren gege­ben und aus über­schau­ba­rem Spie­ler­ma­te­ri­al eine erfolg­rei­che Mann­schaft geformt.“ Sein Raus­wurf im Früh­jahr 2007 habe kei­ne sport­li­chen Grün­de gehabt. Viel­mehr sei ein Mona­te wäh­ren­der Streit mit dem Ver­eins­prä­si­den­ten eska­liert, als der Trai­ner ankün­dig­te, sei­nen Ver­trag nicht ver­län­gern zu wol­len. Erst nach sei­ner Demis­si­on sei es am Rhein­fall steil berg­ab gegan­gen. In wei­ten Tei­len decken sich Kochs Schil­de­run­gen mit denen von Mat­thi­as Dubach. Vie­les, was er aus See­ber­gers Ver­gan­gen­heit berich­tet, fin­det sich auch in der kai­ser­städ­ti­schen Gegen­wart wieder.

„Im Abstiegs­kampf der ers­ten Liga wäre See­ber­ger der per­fek­te Trai­ner für Alemannia Aachen. Als Under­dog fühlt er sich am wohlsten.“

Jour­na­list Mat­thi­as Dubach hält den Ale­man­nia­coach für einen Trai­ner von Bundesligaformat

Da ist von grund­sätz­li­cher Dis­kus­si­ons­be­reit­schaft die Rede, aber auch von zuneh­men­der Emp­find­lich­keit gegen­über der Pres­se, von einer Mann­schaft ohne ech­te Füh­rungs­fi­gur, von wis­sen­schaft­lich ver­kopf­ten Spiel­ana­ly­sen und einer all­zu defen­si­ven Grund­aus­rich­tung, die den Fans nicht unbe­dingt geschmeckt hat­te. Der Erfolg habe dem Coach aber jeder­zeit Recht gege­ben. Und so hält Koch Jür­gen See­ber­ger aus rein sport­li­cher Sicht für einen Fuß­ball­leh­rer von Bun­des­li­ga­for­mat. Mat­thi­as Dubach teilt die­se Mei­nung: „Im Abstiegs­kampf der ers­ten Liga wäre See­ber­ger der per­fek­te Trai­ner für Alemannia Aachen. Als Under­dog fühlt er sich am wohls­ten. Mit dem Rücken zur Wand kam sein Sys­tem auch in Schaff­hau­sen erst rich­tig zum Tragen.“

Inwie­weit die bei­den Ken­ner des eid­ge­nös­si­schen Fuß­balls mit die­ser Ein­schät­zung Recht haben, könn­te im Auf­stiegs­fall die Zukunft zei­gen. Sofern es denn über­haupt zu einer Ver­län­ge­rung des Trai­ner-Enga­ge­ments über den Som­mer hin­aus kommt. Weil von Ver­eins­sei­te in die­ser Sache zuletzt nur nebu­lö­se Absichts­er­klä­run­gen zu hören waren, blei­ben Zwei­fel durch­aus ange­bracht. Auch wenn Jür­gen See­ber­ger in Aachen bis­lang vie­les rich­tig gemacht hat.

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Als wir die ersten Buchstaben tippten, um unsere fixe Idee eines Alemannia-Magazins in die Tat umzusetzen, spielte Henri Heeren noch in Schwarz-Gelb. Jupp Ivanovic machte drei Buden am Millerntor und trotzdem träumte niemand von Bundesliga oder Europapokal. Das ist lange her. In der Zwischenzeit waren wir mit dem TSV ganz oben. Wir sind mit ihm ziemlich unten. Aufgehört haben wir unterwegs irgendwie nie. Neue Ausgaben kamen mal in größeren, mal in kleineren Abständen. Und jetzt schreiben wir halt auch noch das Internet voll.

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