The kids are alright

Seit dem (inter)nationalen Pokalrausch hat tout Aachen, haben vor allem die Aachener Kinder und Jugendlichen ihren Heimatverein wiederentdeckt. Der TSV ist omnipräsent: in den Medien, am Arbeitsplatz, vor allem aber auf den Bolzplätzen und Schulhöfen der Stadt. Den Aufstieg verspielt, die Kids gewonnen, könnte man meinen. Doch wie weit geht diese Begeisterung wirklich?
Foto: Carl Brunn

18 Min. Lesezeit

Als die leck­ge­schla­ge­ne Alemannia 1990 unter­ging, war ihr Anse­hen in Stadt und Kreis rui­niert. Erzürnt über ver­patz­te Auf­stiegs­ren­nen, genervt von hemds­är­me­li­gen Prä­si­den­ten, von Plei­ten, Pech und Pan­nen schüt­te­ten die Aache­ner kübel­wei­se Häme über ihrem Hei­mat­ver­ein aus, belä­chel­ten die fol­gen­den acht Auf­stiegs­ver­su­che, fan­den Nach­rich­ten über den Klub nur noch in den hin­ters­ten Win­keln der Lokalzeitungen.

Nach dem Wie­der­auf­stieg bes­ser­te sich die Lage zunächst, doch als wür­gen­de Übungs­lei­ter und ver­schwun­de­ne Geld­kof­fer der Chro­ni­que scan­dal­eu­se um die Jahr­tau­send­wen­de her­um neue Kapi­tel hin­zu­füg­ten, schien der letz­te Kre­dit end­gül­tig auf­ge­braucht. Nicht zuletzt der soli­den Arbeit und dem Erfolg der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit ist es zu ver­dan­ken, dass sich das Blatt seit eini­ger Zeit erneut zum Guten gewen­det hat. Die Alemannia ist wie­der salon­fä­hig, wie­der The­ma in den Kin­der­zim­mern. Eine neue Fan­ge­nera­ti­on wächst her­an und scheut sich nicht, schwarz-gelb zu tra­gen. Und das vol­ler Stolz.

Der TSV ist wie­der da. Renais­sance der Alemannia-Tri­kots auf Aache­ner Bolz­plät­zen
Foto: Carl Brunn

Wie etwa Max, ein zehn­jäh­ri­ger Drei­kä­se­hoch, den wir auf einem Bolz­platz im Fran­ken­ber­ger Vier­tel tref­fen. Sei­ne Tivo­li-Pre­mie­re hat er längst hin­ter sich. In der Sai­son 2002/​03 war er erst­mals in Beglei­tung sei­nes Vaters im Sta­di­on. Seit­her zieht es ihn immer wie­der dort­hin zurück, beson­ders der Stim­mung wegen, wie er sagt, aber auch, weil er sei­nen Lieb­lings­spie­ler Kai Mich­al­ke haut­nah erle­ben möch­te. Einen Groß­teil sei­ner zahl­rei­chen Fan­ar­ti­kel hat Max aus eige­ner Tasche bezahlt. Wie sein Freund Kon­stan­tin, eben­falls zehn und stol­zer Eigen­tü­mer eini­ger Schals, Tri­kots, Kap­pen und Taschen. Er schwärmt für Erik Mei­jer. Und war­um gera­de für den? Auf sei­nem Gesicht zeigt sich ein fei­er­li­ches Erstau­nen ob sol­cher Nach­fra­ge: „Weil der ein­fach nur gut ist!“

Adri­an, Dani­el, Max und Kon­stan­tin, die zusam­men mit ande­ren Kids den Bolz­platz bespie­len, haben vie­les gemein­sam: das Alter, die Tech­nik, den stram­men Schuss. Und eben die Nei­gung zu Alemannia Aachen. Rich­tig warm gewor­den mit den Schwarz-Gel­ben sind sie erst durch das Fern­se­hen. Dass der Aache­ner Nach­wuchs der Alemannia ver­fällt, in den Spu­ren der Väter den Weg an die Kre­fel­der Stra­ße fin­det, ist nicht selbst­ver­ständ­lich. Oder bes­ser: nicht mehr.

Cha­rak­ter einer Weihe

Glau­ben wir Alan Edge, erfolg­rei­chem Buch­au­tor und glü­hen­dem Anhän­ger des FC Liver­pool, war es frü­her nicht vor­ge­se­hen, sich dem Her­kom­men ent­ge­gen­zu­stel­len. Man kam zu sei­nem Ver­ein wie ein Klein­kind zur Tau­fe: unge­fragt, auto­ma­tisch und wider­spruchs­los. Die Tra­di­ti­on ersetz­te das Was­ser, der Vater den Pries­ter, das Sta­di­on die Kirche.

„You did not choo­se, it cho­se you!“

Autor Alan Edge über die alt­her­ge­brach­te „Wahl“ des Lieblingsvereins

Ohne die fuß­ball­ver­schlei­ßen­de Medi­en­ma­schi­ne unse­rer Tage wur­de der ers­te Sta­di­on­be­such viel inten­si­ver erlebt, hat­te das plötz­li­che Ein­tau­chen in eine lär­men­de, schrei­en­de Men­ge den Cha­rak­ter einer Wei­he, die – längst vor­her­be­stimmt – nur noch voll­zo­gen wer­den muss­te. Ob man es nun mit Schal­ke oder dem BVB, mit Aachen oder Köln, mit Ever­ton oder Liver­pool hielt: „You did not choo­se, it cho­se you!“

Und heu­te? Ist die­ses Dik­tum, das natür­lich nie Anspruch auf All­ge­mein­gül­tig­keit erhe­ben konn­te, nur noch eine Wort­hül­se, die der Belie­big­keit des moder­nen Fan­da­seins nicht mehr gerecht wird. Mit typisch bri­ti­schem Humor erklärt Edge die Ursa­chen die­ser Ent­wick­lung, macht augen­zwin­kernd zu libe­ra­le Erzie­hungs­me­tho­den, die Gier des Fuß­ball­busi­ness und den Ein­fluss der Medi­en für die Aus­lö­schung loka­ler Initia­ti­ons­ri­ten verantwortlich.

Die Fol­ge: Jugend­li­ches Rene­ga­ten­tum, das jeden Win­kel Groß­bri­tan­ni­ens mit Mil­lio­nen roter, wei­ßer, schwar­zer, blau­er, grü­ner, pin­ker, grau­er, brau­ner, gespren­kel­ter, getupf­ter oder gestreif­ter Man­ches­ter-United-Tri­kots ver­seu­che, weil die gera­de hip sind.

Schwin­den­de Loyalität

Man braucht nur Man­ches­ter United durch den FC Bay­ern Mün­chen zu erset­zen, um sich in die Situa­ti­on dies­seits des Kanals ein­zu­fin­den. Denn auch in unse­rer hoch­mo­bi­len Medi­en­ge­sell­schaft lässt sich von Wohn- und Geburts­ort kaum noch sicher auf den Lieb­lings­ver­ein eines Fuß­ball­fans schlie­ßen. Erwäh­len las­sen sich nur noch die wenigs­ten, die Mehr­heit wählt eine jener zurecht­ge­styl­ten Fuß­ball­fir­men, die sich inzwi­schen all­wö­chent­lich im euro­päi­schen „Cham­pions-League-TV“ prä­sen­tie­ren. Glo­bal Play­er mit Mil­lio­nen­um­sät­zen, gegen die klei­ne­re Klubs ange­sichts schwin­den­der Loya­li­tät und trotz ihrer bis­wei­len stol­zen Tra­di­ti­on kaum eine Chan­ce haben.

In Fran­ken­berg hat Klit­ze Pip­po fest im Griff
Foto: Carl Brunn

Zwar ist die Anhän­ger­schar man­cher Regio­nal­li­gis­ten durch­aus beacht­lich. Bei einem län­ge­ren Auf­ent­halt im Ama­teur­be­reich schrumpft sie jedoch wie der Eis­berg im glo­ba­len Treib­haus, weil poten­zi­el­ler Fan­nach­wuchs, der noch kein Sta­di­on betre­ten hat, über die Medi­en bereits an ande­re Ver­ei­ne her­an­ge­führt wird. Auf die­se Wei­se blu­tet eine Kur­ve aus. Im güns­tigs­ten Fall darf sich der unter­klas­si­ge Klub den Fan mit einem gro­ßen Pro­vi­ve­r­ein teilen.

Ähn­li­che Erfah­run­gen hat auch die Alemannia gemacht. In der Alters­klas­se der 22- bis 32-Jäh­ri­gen scheint ihre Fan­ba­sis schma­ler als bei ande­ren Klubs mit nen­nens­wer­tem Anhang. Es feh­len die­je­ni­gen, die sich mit der Dritt­klas­sig­keit in den Neun­zi­gern nicht abfin­den, die ihre vita­le Fuß­ball­be­geis­te­rung lie­ber auf dem Bökel­berg, im Mün­gers­dor­fer Sta­di­on oder als Cou­po­ta­toes vor dem Fern­se­her aus­le­ben woll­ten. Und das sind nicht wenige.

Auch der klei­ne Dani­el vom Bolz­platz fin­det an Alemannia vor allem die Fans klas­se. Sein fuß­bal­le­ri­sches Vor­bild sucht sich der ehr­gei­zi­ge Nach­wuchs­ki­cker lie­ber woan­ders. Mit Bay­ern Mün­chen hat er ein zwei­tes Eisen im Feu­er, war sogar schon bei einem Sieg der Mün­che­ner über den VfL Bochum im Olym­pia­sta­di­on zu Gast und steckt nun im Tri­kot sei­nes Lieb­lings­spie­lers Roy Makaay. Kann man ihm das ver­übeln? Wohl kaum. Wer etwas errei­chen will, muss sich eben recht­zei­tig hohe Zie­le setzen.

Eupho­rie wie 1967

Indes, die Zukunft lässt hof­fen. Denn die Zei­ten, in denen die fuß­ball­be­geis­ter­te Aache­ner Jugend scha­ren­wei­se in Tri­kots orts­frem­der Ver­ei­ne durch die Gemein­de stol­zier­te, in denen Fehl­far­ben das Aache­ner Stadt­bild domi­nier­ten, vor allem im Welt­meis­ter­boom nach 1990, als die Kar­tof­fel­kä­fer es vor­zo­gen abzu­tau­chen – die­se Zei­ten sind erst ein­mal vor­bei. Auf dem Bolz­platz duel­lie­ren sich „Mei­jer“, „Pin­to“, „Mich­al­ke“ und Co. gera­de mit einer gleich­alt­ri­gen Welt­aus­wahl aus Bay­ern, Madri­le­nen und Mailändern.

Noch vor weni­gen Jah­ren wäre Schwarz-Gelb hoff­nungs­los in der Unter­zahl gewe­sen. Die Stadt ist von einer Eupho­rie ergrif­fen, die nur mit der Situa­ti­on nach dem Bun­des­li­ga­auf­stieg 1967 ver­gleich­bar ist. Und es ist durch­aus frag­lich, ob die Reso­nanz in der Öffent­lich­keit jemals brei­ter war als bis­her. Sel­ten waren die Spie­le der Alemannia bes­ser besucht, die Schlag­zei­len inter­na­tio­na­ler, das Mer­chan­di­sing erfolgreicher.

Im zurück­lie­gen­den Weih­nachts­ge­schäft erziel­te der Klub aus dem äußers­ten Wes­ten der Repu­blik mit sei­nen Fan­ar­ti­keln einen für Aache­ner Ver­hält­nis­se gigan­ti­schen Umsatz. Die Addi­ti­on der Wunsch­zet­tel ergab eine Sum­me jen­seits der 500.000 Euro – mehr, als bei Her­tha BSC Ber­lin, immer­hin dem belieb­tes­ten Ver­ein in der größ­ten deut­schen Stadt, im glei­chen Zeit­raum über die zahl­rei­chen Laden­the­ken ging. Ange­sichts sol­cher Zah­len darf einem Ale­man­niafan schwin­de­lig werden.

Aus­lands­er­fah­run­gen

„Ob Sieg oder Nie­der­la­ge: Die­ses Pokal­end­spiel wer­den die Kin­der nicht so schnell ver­ges­sen. Die nehmt Ihr jetzt mit in die Zukunft.“

Her­thaFan Achim Lal­la über das Fina­le von 2004 und des­sen iden­ti­täts­bil­den­de Kraft

Als die schwarz-gelb gewan­de­ten Mas­sen im letz­ten Mai in Ber­lin ihren tri­um­pha­len Ein­zug hiel­ten, mein­te Achim Lal­la, als der Alemannia wohl­ge­son­ne­ner Her­tha­ner Zeu­ge der Par­ty­or­gie: „Ob Sieg oder Nie­der­la­ge: Die­ses Pokal­end­spiel wer­den die Kin­der nicht so schnell ver­ges­sen. Die nehmt Ihr jetzt mit in die Zukunft.“ Die Ereig­nis­se schei­nen ihm Recht zu geben. Zumal der UEFA-Cup wei­te­re Erin­ne­run­gen schuf, die die ale­man­ni­schen See­len noch Jahr­zehn­te bewe­gen wer­den, die auch den Ärger über einen – wie­der ein­mal – ver­patz­ten Auf­stieg ver­ges­sen machen.

Was so ein Ein­tritt in inter­na­tio­na­les Ram­pen­licht aus­lö­sen kann, zeigt sich nicht nur im Umkreis des Jugend­fuß­balls. Auch das befreun­de­te Aus­land behan­delt den Öcher mit plötz­li­chem Respekt. „Ah, ein Ale­man­niafan“, lächel­te etwa der Por­tier des Hotels zur Post in Ischgl. Und als ihm Sebas­ti­an Mei­er (10), Tor­wart bei der DJK Ras­po Brand, sei­ne beflock­te Rück­sei­te zeigt, hat er auch kei­ne Pro­ble­me, den Vor­na­men des Spie­lers eigen­stän­dig zu ergän­zen: „Und auch noch von Wil­li Landgraf!“

Alle Live-Über­tra­gun­gen hat der bra­ve Por­tier gese­hen, ahnungs­los, dass sein war­mer Emp­fang für Sebas­ti­ans Begleit­per­so­nen läs­ti­ge Neben­wir­kun­gen mit sich brach­te. Denn der zog das Tri­kot wäh­rend des mehr­wö­chi­gen Auf­ent­halts nur noch für eili­ge Hand­wä­schen aus, wel­che die Geruchs­be­läs­ti­gung der Tisch- und Zim­mer­nach­barn in erträg­li­chen Gren­zen hielten.

Mehr Mäd­chen

Auch auf den Pau­sen­hö­fen und Schul­flu­ren der Stadt begeg­net man Alemannia auf Schritt und Tritt, zie­ren schwarz-gel­be Schals die Häl­se und Taschen der Kin­der und Jugend­li­chen. „Die Grup­pe der Schü­ler mit schwarz-gel­ben Uten­si­li­en, Schals, But­tons oder Klei­dungs­stü­cken hat deut­lich zuge­nom­men, vor allem bei den Mäd­chen. Ich wür­de sogar sagen, man sieht deut­lich mehr Mäd­chen damit als Jun­gen“, sagt der Leh­rer Frank Rustemeyer.

Führt Auf­sicht im Junior­block: Leh­rer Frank Rus­te­mey­er
Foto: Carl Brunn

Der gebür­ti­ge Pader­bor­ner geriet selbst schnell in den Dunst­kreis des Tivo­li, als er nach erfolg­rei­chem Stu­di­um im Jahr 2001 von Müns­ter nach Aachen über­sie­del­te. Beim letz­ten Heim­spiel der Sai­son 2001/​02 gegen den VfL Bochum erleb­te er sei­ne Pre­mie­re. „Ich war sofort begeis­tert von die­ser ganz beson­de­ren Atmo­sphä­re“, schwärmt er. Vor sei­ner Aache­ner Zeit sei er eigent­lich kein regel­mä­ßi­ger Sta­di­ongän­ger gewe­sen. Doch was weder dem SC Pader­born, noch Preu­ßen Müns­ter gelun­gen war, schaff­te der Tivo­li auf Anhieb: Im Anschluss an sein ers­tes Spiel kauf­te sich Frank Rus­te­mey­er eine Dau­er­kar­te für die nächs­te Saison.

Der Tivo­li ist dem Theo­lo­gen, der am Burt­schei­der Ein­hard-Gym­na­si­um die Fächer Deutsch, Geschich­te, katho­li­sche Reli­gi­on und Phi­lo­so­phie unter­rich­tet, vor allem ein Ort der Ent­span­nung und eine Gegen­welt zum beruf­li­chen All­tag. Hier kann er ein­fach mal abschal­ten, sich emo­tio­nal iden­ti­fi­zie­ren. Die Begeis­te­rung für das irra­tio­na­le Wesen des Fuß­balls hält den Musik­lieb­ha­ber jedoch nicht davon ab, sich über des­sen gesell­schaft­li­che Rol­le tief­grün­di­ge und zuwei­len berufs­be­zo­ge­ne Gedan­ken zu machen.

Dass man ihn mit Reli­gi­on ver­gleicht, dass man Spie­ler zum Gott aus­ruft, sieht er gelas­sen. Schließ­lich müs­se man zwi­schen All­tags- und Sta­di­on­ver­hal­ten, zwi­schen über­schwäng­li­chen Über­trei­bun­gen und ernst­haf­ten Absich­ten unter­schei­den. Natür­lich habe er bei sei­nen regel­mä­ßi­gen Sta­di­on­be­su­chen die Erfah­rung gemacht, dass der Fuß­ball im Leben man­cher Men­schen durch­aus eine Art Ersatz­re­li­gi­on, eine Kom­pen­sa­ti­on für gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Ver­lust dar­stellt. Ernst­haft sor­gen müs­se man sich aber erst dann, wenn die Lei­den­schaft für den Sport und das drum­her­um zum allei­ni­gen Lebens­in­halt eines Men­schen werde.

Ver­bin­den­de Funktion

„Ein gemein­sa­mer Tivo­li­be­such stärkt die Gemein­schaft mehr als tau­send Klassengespräche.“

Leh­rer Frank Rus­te­mey­er geht mit sei­nen Schü­lern manch­mal zur Alemannia

Dar­über hin­aus weiß Frank Rus­te­mey­er die ver­bin­den­de Funk­ti­on des Fuß­balls geschickt zu nut­zen. Wenn er gele­gent­lich eine Klas­se zu einem Besuch in den Junior­block ein­lädt, dann geht es ihm um mehr als das rei­ne Sta­di­on­er­leb­nis, um mehr als den Spaß am Spiel: „So ein gemein­sa­mer Tivo­li­be­such stärkt die Gemein­schaft mehr als tau­send Klas­sen­ge­sprä­che. Demm der All­tag in einem Gym­na­si­um spielt sich in der Regel auf einer rein kogni­ti­ven Ebe­ne ab. Das muss auch so sein. Aber ohne einen Aus­gleich erge­ben sich schnell Defi­zi­te in ande­ren Berei­chen. Daher ist es wich­tig, mal etwas nicht Ver­kopf­tes zu machen.“

Das wirkt gründ­lich durch­dacht. Wo ego­zen­tri­scher Indi­vi­dua­lis­mus Klas­sen, Grup­pen und Gemein­schaf­ten in Ein­hei­ten zer­teilt, die nur noch wenig gemein­sam haben, viel­leicht nicht ein­mal einen Gesprächs­stoff, kann der Fuß­ball, kann die Alemannia Brü­cken bau­en. Und sei es als kleins­ter gemein­sa­mer Nen­ner. Dass dabei aus Kin­dern Ale­man­niaf­ans wer­den, ist ein durch­aus ange­neh­mer Nebeneffekt.

Die Sor­ge, dass rau­bei­ni­ge Schlacht­ge­sän­ge dem kind­li­chen Gemüt scha­den könn­ten, ist dem Leh­rer mit der schwarz-gel­ben See­le fremd. „Dort hören die Schü­ler abso­lut nichts, was sie noch scho­cken könn­te.“ Zudem sei­en die Kin­der eben­so wie er in der Lage, zwi­schen All­tag und Tivo­li zu unter­schei­den. Auch wenn das nicht bedeu­tet, dass es im Sta­di­on kei­ne Regeln gibt. Eine Unauf­ge­regt­heit, die man­chem Leser­brief­schrei­ber gut zu Gesicht stün­de, der in sei­ner Empö­rung über den Tivo­li­pö­bel ver­gisst, dass in gebil­de­te For­men geklei­de­ter Hass viel gefähr­li­cher ist als ein paar Kraftausdrücke.

Ver­ein zum Anfassen

Mit Blick auf sei­ne Schü­ler sieht Rus­te­mey­er sei­nen Lieb­lings­ver­ein auf einem sehr guten Weg. Eine Ein­rich­tung wie der Junior­block bie­tet mit einem Ticket­preis von 4,50 Euro auch wirt­schaft­lich schwa­chen Fami­li­en die Mög­lich­keit, ihren Kin­dern gele­gent­lich einen Sta­di­on­be­such zu ermög­li­chen. Dass die Alemannia immer noch ein Ver­ein zum Anfas­sen ist, beweist sie mit ihren Auf­trit­ten außer­halb des Rasen­vier­ecks. Zu einer Podi­ums­dis­kus­si­on am Pius­gym­na­si­um ent­sand­te der Ver­ein Stars wie Mei­jer, Klitz­pe­ra und Grlic. Aktio­nen, die von den Kids begeis­tert auf­ge­nom­men werden.

Tra­di­ti­on, Atmo­sphä­re und ein fami­liä­res Umfeld: In die­ser For­mel sieht Frank Rus­te­mey­er die Stär­ken des Ver­eins zusam­men­ge­fasst. Wer sol­che Iden­ti­fi­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten bie­te, wer­de auch ange­nom­men. Aller­dings gehört dazu auch ein Min­dest­maß an sport­li­chem Erfolg. Pro­fi­fuß­ball soll­te es schon sein, und eini­ge Run­den in der Bun­des­li­ga wür­den die teil­wei­se recht locke­ren Bezie­hun­gen mit der im Kreis Aachen leben­den Bevöl­ke­rung wei­ter festigen.

Vor­erst ste­hen die Akti­en gut. Das Oli­ver-Kahn-Tri­kot von Nach­wuchs­tor­wart Sebas­ti­an ruht seit gerau­mer Zeit zusam­men mit ande­ren Bay­ern-Uten­si­li­en auf dem Boden einer tie­fen Kis­te. Längst wur­de es durch ein Dress von Ste­phan Straub ersetzt. Damit hat der Bay­ern-Titan inner­halb eines Jah­res sei­ne zwei­te Nie­der­la­ge gegen die Alemannia erlit­ten. Er wird es sicher­lich verkraften.

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Über den Pratsch

Als wir die ersten Buchstaben tippten, um unsere fixe Idee eines Alemannia-Magazins in die Tat umzusetzen, spielte Henri Heeren noch in Schwarz-Gelb. Jupp Ivanovic machte drei Buden am Millerntor und trotzdem träumte niemand von Bundesliga oder Europapokal. Das ist lange her. In der Zwischenzeit waren wir mit dem TSV ganz oben. Wir sind mit ihm ziemlich unten. Aufgehört haben wir unterwegs irgendwie nie. Neue Ausgaben kamen mal in größeren, mal in kleineren Abständen. Und jetzt schreiben wir halt auch noch das Internet voll.

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