„Wir wer­den die Din­ge sich nicht selbst überlassen.“

Rund 100 Tage ist der neue Aufsichtsrat der Alemannia jetzt im Amt. Vor allem sportlich stehen die Zeichen auf Sturm. Zeit, ausführlich über die aktuelle Lage, die nahe Zukunft und die perspektivischen Pläne der Führungsriege zu sprechen. Und Aufsichtsratschef Marcel Moberz erwies sich als meinungsstarker Gesprächspartner.
Foto: Carl Brunn

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Sie sind jetzt rund 100 Tage im Amt. Ein gern genom­me­nes Datum, um eine ers­te Bilanz zu zie­hen. Wie fällt Ihre aus?

Eine gute Fra­ge. Eigent­lich hat­te ich noch gar kei­ne Zeit, dar­über nach­zu­den­ken. Wenn ich ehr­lich bin, muss ich sagen, dass die Bilanz durch­aus ambi­va­lent aus­fällt. Wir hät­ten uns die ers­ten Wochen sicher­lich etwas weni­ger tur­bu­lent gewünscht, um die Din­ge in Ruhe anpa­cken zu kön­nen. Das ist wohl vor­ran­gig der sport­li­chen Situa­ti­on geschul­det. Zudem sind wir ver­mut­lich etwas blau­äu­gig an die Sache her­an­ge­gan­gen. Wir hat­ten gedacht, dass alle im Ver­ein und im Umfeld zum Woh­le der Alemannia an einem Strang zie­hen wür­den. Wir muss­ten schmerz­lich ler­nen, dass dem nicht so ist. Es gibt viel Unru­he von außer­halb. Ande­rer­seits haben wir auch sehr vie­le kom­pe­ten­te und auf­rich­ti­ge Men­schen ken­nen­ge­lernt, denen die Alemannia wirk­lich am Her­zen liegt. So viel Unter­stüt­zung zu erfah­ren, macht das ande­re wett.

„Bei der Alemannia muss sich etwas kom­plett ändern.“

Und wel­che Leh­ren zie­hen Sie aus Ihren ers­ten 100 Tagen als Aufsichtsratschef?

Zunächst ein­mal, dass man in die­sem Umfeld nicht gleich jedem ver­trau­en darf, der einen lächelnd umarmt. Weil Sie nicht wis­sen, ob Sie im nächs­ten Moment das Mes­ser im Rücken haben. Das zu erfah­ren, des­il­lu­sio­niert schon ein wenig. Das Wich­tigs­te aber ist, dass wir mehr denn je davon über­zeugt sind, dass sich bei der Alemannia etwas kom­plett ändern muss.

Nun wol­len neue Amts- und Funk­ti­ons­trä­ger immer ger­ne ihre eige­nen Duft­mar­ken set­zen und mah­nen des­halb reflex­ar­tig Ver­än­de­run­gen an.

Das mag so sein. Aber die von uns vor­ge­nom­me­nen Ver­än­de­run­gen waren ja nun mal not­wen­dig. Glau­ben Sie mir, ein ach­ter Tabel­len­platz und ein dadurch ent­spann­te­res Arbei­ten wären uns lie­ber gewe­sen. Zudem sind aus unse­rer Sicht umfas­sen­de Reno­vie­rungs­ar­bei­ten not­wen­dig – über die drän­gen­den tages­ak­tu­el­len The­men hinaus.

Dann wer­den Sie doch mal konkret.

Zunächst ein­mal haben wir die Zusam­men­ar­beit der Gre­mi­en neu gestal­tet. Es muss sicher­ge­stellt wer­den, dass hier jeder sei­ner Ver­ant­wor­tung für den Ver­ein ent­spre­chend sei­ner Funk­ti­on gerecht wird. Man darf sich die­ser Ver­ant­wor­tung nicht ent­zie­hen. Dar­über hin­aus muss es einen regel­mä­ßi­gen Aus­tausch geben. Jedem muss sei­ne Rol­le im Ver­ein klar sein, damit wir die­se stän­di­ge Unru­he end­lich ein­däm­men können.

„Wir wer­den die täg­li­che Arbeit mit­ein­an­der anders ange­hen.“
Foto: Carl Brunn

Wol­len Sie damit etwa andeu­ten, dass man sich bei der Alemannia bis­her vor der Ver­ant­wor­tung gedrückt und weg­ge­duckt hat?

Rich­tig ist, dass der Auf­sichts­rat ein Kon­troll­gre­mi­um ist und das ope­ra­ti­ve Geschäft nicht steu­ern soll. Doch es ist durch­aus die Auf­ga­be des Auf­sichts­rats, Din­ge zu hin­ter­fra­gen und offen anzu­spre­chen, wenn etwas falsch läuft. Und wenn sich die­se Din­ge dann nicht zum Bes­se­ren wen­den, hat er die Ver­pflich­tung, ein­zu­grei­fen und alles dafür zu tun, das Schiff wie­der auf Kurs zu brin­gen. Es ist sicher­lich nicht ange­nehm, wenn man von einer lang­fris­tig ange­leg­ten Pla­nung abrü­cken soll. Wenn man jedoch schmerz­lich erle­ben muss, dass der Plan nicht funk­tio­niert, muss man bereit sein, ihn zu korrigieren.

Spie­len Sie auch auf die aktu­el­le sport­li­che Mise­re an? Hät­te Ihr Vor­gän­ger­gre­mi­um Ihrer Mei­nung nach schon frü­her die Reiß­lei­ne zie­hen müssen?

Ja, viel­leicht hät­te man beim The­ma der sport­li­chen Lei­tung frü­her ein­grei­fen müs­sen oder Exper­ten zur Kader­pla­nung hin­zu­zie­hen sol­len. Doch, wie gesagt, für mich ist das Pro­blem grund­sätz­li­che­rer Natur. Wenn man nicht bereit ist, sich den Fra­gen zu stel­len, die Ver­ant­wor­tung kon­se­quent von sich weg­schiebt und die Ent­schei­dun­gen immer ande­ren über­lässt, ent­steht ein Füh­rungs­va­ku­um. Dadurch kön­nen einem die Din­ge ganz schnell ent­glei­ten. Wir wol­len nicht, dass uns die Din­ge ent­glei­ten. Des­halb wer­den wir die täg­li­che Arbeit mit­ein­an­der anders angehen.

Heißt das, dass Sie sich deut­lich mehr um das ope­ra­ti­ve Geschäft küm­mern werden?

Nein, das heißt es nicht. Ich sag­te ja bereits, dass das ope­ra­ti­ve Geschäft nicht die Sache des Auf­sichts­rats sein darf. Aller­dings wer­den wir deut­lich näher dran sein und die Din­ge sich nicht selbst überlassen.

Sie hat­ten sich früh öffent­lich erschro­cken gege­ben, weil die finan­zi­el­le Situa­ti­on, die Sie vor­ge­fun­den hat­ten, nicht so soli­de gewe­sen sei, wie man es immer dar­ge­stellt hät­te. Wie stellt sich die Finanz­la­ge der GmbH denn zur­zeit dar? Man zahlt Patrick Hel­mes wei­ter­hin Gehalt, eben­so dem Ath­le­tik­trai­ner. Der Aus­gang der Cau­sa Bader ist unge­wiss und kann der Alemannia zusätz­li­che Kos­ten besche­ren. Der Kader ist ver­stärkt wor­den. Das Zuschau­er­auf­kom­men liegt unter der Kal­ku­la­ti­on. Das sind nicht die bes­ten Voraussetzungen.

Wir befin­den uns sicher­lich in kei­ner ange­neh­men Situa­ti­on. Ich bin auch nicht son­der­lich erfreut, dass wir einen Patrick Hel­mes und im Worst Case auch noch einen Mar­tin Bader für ein Jahr auf der Pay­roll haben könn­ten. Doch zunächst kön­nen wir das über Rück­stel­lun­gen abfan­gen, die der Ver­ein dank der Coro­na­hil­fen bil­den konn­te. Für die Zukunft müs­sen wir die Ein­nah­men erhö­hen. Des­halb sind wir glück­lich und sehr dank­bar, Part­ner gefun­den zu haben, die unse­ren Weg mit­ge­hen wol­len. Bestehen­de aber auch neue und sol­che, die wir zurück­ho­len konn­ten. So hat zum Bei­spiel Hel­mut Kutsch fest zuge­sagt, die Alemannia wie­der unter­stüt­zen zu wol­len. Wir konn­ten in die­sem Bereich also zule­gen, sodass wir zum Bei­spiel in der Lage waren, den Kader zu verstärken.

Und was wür­de pas­sie­ren, wenn es pan­de­mie­be­dingt erneut zu weit­rei­chen­den Ein­schrän­kun­gen bei der Zulas­sung von Zuschau­ern kom­men würde?

Dann wären wir auf wei­te­re Lan­des­hil­fen ange­wie­sen. Aller­dings betrifft das nahe­zu alle Regio­nal­li­gis­ten glei­cher­ma­ßen. Doch es gibt bereits deut­li­che Signa­le, dass die betrof­fe­nen Ver­ei­ne im Fall des Fal­les damit rech­nen können.

Die finan­zi­el­le Situa­ti­on der Alemannia ist dem­nach nicht existenzbedrohend?

Nein, abso­lut nicht. Das bedeu­tet jedoch nicht, dass wir nicht auf die Kos­ten ach­ten müss­ten und Maß­nah­men, wie zum Bei­spiel einen Trai­ner­wech­sel, sinn­voll absi­chern müs­sen. Wir müs­sen effek­ti­ver wer­den. Auf­wand und Ertrag müs­sen drin­gend in ein bes­se­res Gleich­ge­wicht gebracht wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund sind wir glück­lich, Dr. Dirk Kall ins Boot geholt haben zu kön­nen. Der kann uns ent­schei­dend bei der Finanz­pla­nung helfen.

Sie mei­nen jenen Dirk Kall, der in dem Auf­sichts­rat ver­ant­wort­lich tätig war, dem Sie öffent­lich eine unso­li­de Finanz­pla­nung und Untä­tig­keit attes­tiert hatten?

Dirk Kall ist ein Pro­fi in Sachen Fuß­ball und Finan­zen. Er ist Ale­man­ne und kennt den Ver­ein genau. So ein Mann kann für uns nur von Vor­teil sein. Er war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer der Mah­ner, der die Pro­ble­me deut­lich ange­spro­chen hat. Sol­che kri­ti­schen und ehr­li­chen Mei­nun­gen sind Gold wert und soll­ten in die Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen wer­den. Auch, wenn es unbe­quem sein kann. Man kann nicht erfolg­reich arbei­ten, wenn man nur Jasa­ger und Abni­cker akzeptiert.

„Die Kader­pla­nung war amateurhaft.“

Effek­ti­ver wer­den. Auf­wand und Ertrag in ein bes­se­res Gleich­ge­wicht brin­gen. Das klingt ein wenig nach Grund­se­mi­nar in Unter­neh­mens­füh­rung. Was bedeu­tet das im Klartext?

Neh­men Sie doch nur ein­mal die Kader­pla­nung. Die war ama­teur­haft. Die Mann­schaft wur­de für ein spe­zi­el­les Sys­tem zusam­men­ge­stellt, das wir nie gespielt haben. De fac­to ver­füg­ten wir je nach Inter­pre­ta­ti­on über fünf oder sechs gelern­te Innen­ver­tei­di­ger. Fürs zen­tra­le Mit­tel­feld hat­ten wir sie­ben oder acht Spie­ler. Auf den Außen hin­ge­gen herrsch­te Man­gel. Auf­wand und Ertrag ste­hen in kei­nem gesun­den Verhältnis.

Aber die Kader­pla­nung wird nun nicht vom Auf­sichts­rat ver­ant­wor­tet. Das kann man Ihren Vor­gän­gern schwer­lich ankreiden.

Ich will unse­ren Vor­gän­gern auch gar nichts ankrei­den. Ich bin über­zeugt davon, dass man nur das Bes­te für die Alemannia woll­te. Sie haben unse­ren Respekt ver­dient. Nein, die feh­ler­haf­te Kader­pla­nung ist zunächst ein­mal die Schuld der­je­ni­gen, die für den Kader ver­ant­wort­lich zeich­ne­ten. Nur hät­te ich mir, als es in die fal­sche Rich­tung lief und die unmit­tel­bar Ver­ant­wort­li­chen ihre Linie trotz anhal­ten­den Miss­erfolgs stur wei­ter­ver­folg­ten, den Mut gewünscht, sich mit dem Sach­ver­halt und den Per­so­nen aus­ein­an­der­zu­set­zen. Wir haben das getan. Aber das The­ma geleb­te Ver­ant­wor­tung hat­ten wir ja bereits.

Und Mar­tin Bader woll­te sei­ne Linie stur weiterverfolgen?

Ja. Mar­tin Bader hat immer wie­der deut­lich gemacht, dass er an Patrick Hel­mes auch dann fest­hal­ten wür­de, wenn wir zum Abschluss der Hin­se­rie auf dem letz­ten Tabel­len­platz ste­hen wür­den. Weil er von dem ein­ge­schla­ge­nen Weg und Patrick Hel­mes über­zeugt sei. Von der sport­li­chen Lei­tung wur­de bis zum Schluss ver­si­chert, dass die Mann­schaft spä­tes­tens zur Rück­run­de ablie­fern wür­de. Mit die­ser Trup­pe wür­de man nie­mals abstei­gen. Nach 13 Spie­len und meist kata­stro­pha­len Leis­tun­gen, die in keins­ter Wei­se dem grund­sätz­li­chen Leis­tungs­ver­mö­gen der Spie­ler ent­spra­chen, haben wir nicht mehr dar­an geglaubt. Wir hat­ten kei­ne Hoff­nung, dass es sich zum Bes­se­ren wen­den könn­te. Also waren wir in der Pflicht, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und eine Ent­schei­dung zu treffen.

Nun soll es also Fuat Kilic rich­ten. War­um er?

Weil Fuat Kilic ein abso­lu­tes Men­ta­li­täts­mons­ter ist. Weil er die Liga kennt und bewie­sen hat, dass er Mann­schaf­ten for­men kann. Er hat die Fähig­kei­ten, etwas auf­zu­bau­en. Zudem kennt er das Umfeld und weiß, was auf ihn zukommt. Man kann sehr kon­struk­tiv mit ihm diskutieren.

Glaubt man der ört­li­chen Pres­se, so haben sich gro­ße Tei­le der Mann­schaft nicht gera­de glück­lich über die Ver­pflich­tung Fuat Kilics gezeigt. Droht hier der nächs­te Konflikt?

Davon habe ich auch gele­sen. Aber das ist kein The­ma. Ich habe mich des­halb sofort dar­um geküm­mert. Nach den Gesprä­chen, die ich geführt habe, kann ich das Gerücht beim bes­ten Wil­len nicht bestä­ti­gen. Von einem Kon­flikt zwi­schen der Mann­schaft und dem Trai­ner kann kei­ne Rede sein. Ich kann mir aller­dings vor­stel­len, dass der ein oder ande­re Spie­ler mit der Situa­ti­on nicht ganz so zufrie­den ist. Aber viel­leicht wäre es auch mal an der Zeit, sich an die eige­ne Nase zu packen.

Die drei nicht mehr berück­sich­tig­ten Spie­ler Tjor­ben Uphoff, Chris­ti­an Gart­ner und Tim Buch­he­is­ter wur­den zum Trai­ning in die A‑Jugend ver­bannt. War­um hat man eine der­art dras­ti­sche Maß­nah­me gewählt? Schließ­lich haben sich die drei nichts zuschul­den kom­men lassen.

Die Ent­schei­dung hat nicht der Auf­sichts­rat getrof­fen. So etwas ist auch nicht unse­re Auf­ga­be. Das fällt allein in den Kom­pe­tenz­be­reich der sport­li­chen Lei­tung. Ich habe von der Sache erst im Nach­hin­ein erfah­ren und weiß auch nicht, was genau zu die­ser Maß­nah­me geführt hat. Des­halb kann ich zu den genau­en Umstän­den nichts sagen. Grund­sätz­lich bin ich der Mei­nung, dass man respekt­voll mit­ein­an­der umge­hen und die Din­ge ver­nünf­tig und anstän­dig mit­ein­an­der bespre­chen soll­te. Das gilt für alle Beteiligten.

„Wir müs­sen uns mehr in den gesam­ten Fuß­ball unse­rer Regi­on ein­brin­gen, damit auch ande­re Ver­ei­ne von uns pro­fi­tie­ren.“
Foto: Carl Brunn

Ein wei­te­res pro­ble­ma­ti­sches The­ma könn­te die Beset­zung des Sport­di­rek­tor­pos­tens sein. Das wür­de bedeu­ten, dass Fuat Kilic einen Vor­ge­setz­ten in sei­nem urei­ge­nen Beritt akzep­tie­ren müss­te. Schaf­fen Sie damit nicht einen wei­te­ren Konfliktherd?

Zunächst ein­mal geht es uns aus­schließlich um das Wohl und Wehe der Alemannia. Zum Zwei­ten ste­hen wir vor enor­men Her­aus­for­de­run­gen, die weit über die Kader­pla­nung hin­aus­ge­hen. Wir benö­ti­gen Part­ner­ver­ei­ne für unse­re Nach­wuchs­för­de­rung. Wir wol­len unse­ren eige­nen Jun­gend­be­reich neu struk­tu­rie­ren. Wir müs­sen unse­re Infra­struk­tur ver­bes­sern. Wir müs­sen uns mehr in den gesam­ten Fuß­ball unse­rer Regi­on ein­brin­gen, damit auch ande­re Ver­ei­ne von uns pro­fi­tie­ren. Am Ende wol­len wir wie­der als ver­läss­li­che und kol­le­gia­le Ansprech­part­ner gel­ten. Da fal­len lang­fris­ti­ge Auf­ga­ben an, die eine Per­son nicht allein schul­tern kann. Also müs­sen wir uns brei­ter aufstellen.

„Wir dür­fen uns in kei­nem Bereich von einer ein­zel­nen Per­son abhän­gig machen.“

Das mag ja rich­tig sein. Aber den­noch wird es zu Kom­pe­tenz­über­schnei­dun­gen und dadurch even­tu­ell zu Kon­flik­ten kom­men können.

Nein. Unser unmiss­ver­ständ­li­cher Auf­trag an die Ver­ant­wort­li­chen wird sein, Lösun­gen im Team zu erar­bei­ten. Denn auch hier den­ken wir grund­sätz­lich und per­spek­ti­visch. Wir dür­fen uns in kei­nem Bereich von einer ein­zel­nen Per­son abhän­gig machen. Nicht von einem Trai­ner und nicht von einem Sport­di­rek­tor. Es ist nicht för­der­lich, das Rad jedes Mal neu zu erfin­den, wenn man einen Wech­sel in der sport­li­chen Lei­tung vor­neh­men muss. Die Kon­stan­te muss die Alemannia mit ihrer spe­zi­fi­schen DNA und ihrer Art zu agie­ren sein. Das Per­so­nal muss sich an die­ser Kon­stan­te ori­en­tie­ren. Wenn der eine rechts­her­um lau­fen lässt und der Nächs­te links­her­um, macht es uns belie­big. Ich gebe Ihnen ein Bei­spiel: Wir müs­sen dahin kom­men, dass nicht der Trai­ner das ver­meint­lich rich­ti­ge Spiel­sys­tem für die Alemannia vor­gibt. Viel­mehr müs­sen wir es schaf­fen, ein Spiel­sys­tem zu eta­blie­ren, für das wir dann den pas­sen­den Trai­ner suchen.

Bei allem Respekt – das klingt ein wenig nach idea­ler hei­ler Fuß­ball­welt. Der schnell­le­bi­ge All­tag lässt einen da doch rasch an sei­ne Gren­zen stoßen.

Nein, das hat nichts mit hei­ler Welt zu tun. Das ist eine Über­le­bens­stra­te­gie. Wir sind dazu ver­dammt, eine unver­wech­sel­ba­re und jeder­zeit ver­läss­li­che Iden­ti­tät zu leben. Die haben wir im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Jah­re schlei­fen las­sen. Und ein gro­ßer Name allein reicht nicht. Unse­re Part­ner, unse­re Mit­ar­bei­ter, unse­re Fans müs­sen sich sicher sein, mit wem sie es zu tun haben. Was sie von uns erwar­ten kön­nen. Auf und neben dem Rasen. Nur dann ist man bereit, uns zu fol­gen und zu unter­stüt­zen. Das ist umso wich­ti­ger in einer Situa­ti­on, in der wir mit dem GAU rech­nen müssen.

Sie pla­nen also bereits auch für die fünf­te Liga?

Selbst­ver­ständ­lich pla­nen wir zwei­glei­sig, auch wenn wir fest vom Klas­sen­er­halt über­zeugt sind. Alles ande­re wäre fahr­läs­sig. Schließ­lich müss­ten wir uns in so ziem­lich allen Berei­chen neu auf­stel­len, ohne dass alles zusam­men­bricht. Wir hät­ten kei­ne Mann­schaft. Die Orga­ni­sa­ti­on der Geschäfts­stel­le wür­de sich ändern. Alles wür­de auf den Prüf­stand kom­men. Vor die­sem Hin­ter­grund den­ken wir ja auch über die Posi­ti­on des Sport­di­rek­tors nach. Wir benö­ti­gen kom­pe­ten­te Leu­te mit einem Herz für die Alemannia.

Sie hat­ten bereits mehr­fach ver­si­chert, dass die Alemannia im Fal­le des GAU auch in der fünf­ten Liga über­le­ben könn­te. Nun dis­ku­tiert man im Umfeld, ob es für den Ver­ein nicht sogar gesün­der wäre, abzu­stei­gen, um sich dann in der Mit­tel­rhein­li­ga wie­der zu konsolidieren.

Für mich ist das aus­ge­mach­ter Blöd­sinn. Land­auf, land­ab hat man doch schon bei den Abstie­gen in Liga drei und Liga vier so argu­men­tiert. Haben sich sol­che Pro­gno­sen bewahr­hei­tet? Nein, haben sie nicht. Aber was noch viel schlim­mer ist: Denkt man dabei auch mal an die Kon­se­quen­zen für unse­re Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter? Im Fal­le des Fal­les müss­ten wir zum Bei­spiel in der Geschäfts­stel­le Per­so­nal abbau­en. Da arbei­ten Men­schen seit Jah­ren für ein Gehalt, für das die meis­ten die­ser Neun­mal­klu­gen noch nicht ein­mal aus dem Bett stei­gen wür­den. Die Exis­tenz die­ser Men­schen wäre akut gefähr­det. Wir ste­hen da in der Ver­ant­wor­tung. Also soll man mich mit sol­chen Ideen verschonen.

Kön­nen Sie uns über den Stand der Din­ge bei Ihrer Suche nach einem geeig­ne­ten Sport­di­rek­tor aufklären?

Wir gehen davon aus, dass wir zeit­nah Voll­zug mel­den können.

„Hel­ge Hohl hat in Ber­gisch Glad­bach her­aus­ra­gen­de Arbeit abgeliefert.“

Einen Namen wol­len Sie uns wahr­schein­lich nicht nen­nen. Seit Wochen schwirrt der Name Hel­ge Hohl durch die Gerüchteküche.

Nein, einen Namen bekom­men Sie von mir nicht. Zu Hel­ge Hohl: Der hat in Ber­gisch Glad­bach her­aus­ra­gen­de Arbeit abge­lie­fert und den Ver­ein mit einem Minietat in die Regio­nal­li­ga geführt. Er kennt die Liga und ihre ganz spe­zi­el­len Anfor­de­run­gen. Er hat inter­es­san­te Vor­stel­lun­gen und Ideen. Bei ihm spürt man die Begeis­te­rung für den Fuß­ball. Ent­spre­chend gut ist sein Leu­mund in der Bran­che. Zudem war er bereits in der Aache­ner Regi­on tätig. Da liegt es auf der Hand, dass er mit der Alemannia in Zusam­men­hang gebracht wird. Und wir haben uns mit ihm in der Tat inten­siv aus­ein­an­der­ge­setzt. Mehr will ich heu­te dazu nicht sagen.

„Es gibt kei­ne Alter­na­ti­ve zum Tivo­li.“
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Wür­de ein Abstieg bedeu­ten, dass die GmbH liqui­diert wer­den und der gesam­te Fuß­ball­be­reich zurück unter das Dach des ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins gehen würde?

Ehr­lich gesagt haben wir uns mit die­ser Fra­ge noch gar nicht beschäf­tigt. Ich sehe jedoch kei­nen Grund, war­um wir alles wie­der unter das Dach des Ver­eins schie­ben soll­ten. Die Aus­glie­de­rung wei­ter Tei­le des Fuß­ball­be­rei­ches geschah ja aus gutem Grund. Immer­hin bleibt der e. V. auf die­se Wei­se unbe­rührt von nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen im Pro­fi­fuß­ball­seg­ment. Blickt man auf die bei­den Insol­ven­zen der GmbH zurück, muss man glück­lich sein, dass die Alemannia 2006 aus­ge­glie­dert hat. Ein Fort­be­stehen der GmbH hät­te aus mei­ner Sicht kei­ne Nach­tei­le. Eher im Gegenteil.

Gehört die Spiel­stät­te auch zu den Din­gen, die dann infra­ge gestellt wer­den wür­den? Fünft­li­ga­fuß­ball in die­sem 32.000-Zuschauer-Stadion kann man sich kaum vorstellen.

Es gibt kei­ne Alter­na­ti­ve zum Tivo­li. Nir­gend­wo in der Stadt oder im Umland. Wir sind da auch bereits in einem engen Aus­tausch mit den Ver­ant­wort­li­chen bei der Stadt und deren Sta­di­on­be­trei­ber­ge­sell­schaft. Ich habe das Gefühl, dass es uns gelun­gen ist, ein gutes und ver­trau­ens­vol­les Ver­hält­nis zu den dort Han­deln­den auf­zu­bau­en. Die Bereit­schaft, uns zu hel­fen, ist groß. Aber jetzt müs­sen wir lie­fern. Das betrifft vor allem auch das The­ma Jugend- und Nach­wuchs­för­de­rung. Das liegt der Stadt ver­ständ­li­cher­wei­se sehr am Her­zen. Wir müs­sen glaub­haft dar­le­gen, dass die­ses The­ma in Zukunft einen deut­lich höhe­ren Stel­len­wert besit­zen wird, als es zuletzt der Fall war.

Sie hat­ten erwähnt, dass die Jugend­ar­beit ganz oben auf der Agen­da ste­hen wür­de. Bis­her hat­te man sich bewusst und kate­go­risch gegen den Auf­bau ent­spre­chen­der Struk­tu­ren ent­schie­den. Die Ein­rich­tung eines Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trums wur­de abgelehnt.

Wir den­ken hier völ­lig anders. Ich wie­der­ho­le mich ungern, aber wir müs­sen per­spek­ti­visch den­ken. Dazu gehört auch, dass wir end­lich akzep­tie­ren, auf­grund unse­rer Rah­men­be­din­gun­gen zunächst ein­mal ein Aus­bil­dungs­ver­ein zu sein. Wir wer­den nur dann lang­fris­tig erfolg­reich sein kön­nen, wenn es uns gelingt, Talen­te pro­fes­sio­nell aus­zu­bil­den, sie für unse­re ers­te Mann­schaft fit zu machen und ihnen so im bes­ten Fall ein Sprung­brett zu einer Kar­rie­re in höhe­ren Gefil­den zu bie­ten. Zum Vor­teil aller Betei­lig­ten. So etwas geht aber nur, wenn die Nach­wuchs­för­de­rung auf einem Niveau geschieht, das in der Bran­che akzep­tiert ist. Und damit wären wir bei einem zer­ti­fi­zier­ten Nachwuchsleistungszentrum.

Fin­den Sie, dass das Nach­wuchs­trai­ning bei der Alemannia geho­be­nen Ansprü­chen nicht genügt? Immer­hin spie­len zwei Jugend­mann­schaf­ten in der Bundesliga.

Wir bie­ten zwei­fel­los ein gutes Trai­ning. Wir haben gute, enga­gier­te Trai­ner und Koor­di­na­to­ren. Was unse­re Jugend­ab­tei­lung aus den vor­han­de­nen Mit­teln macht, ver­dient aller­größ­ten Respekt. Schau­en Sie sich doch nur ein­mal unse­re B‑Jugend an. Die steht in der Bun­des­li­ga vor den Nach­wuchs­teams aus Köln und Lever­ku­sen. Aber zu einer aner­kann­ten und attrak­ti­ven För­de­rung gehört viel mehr. Hier­zu zäh­len bei­spiels­wei­se eine fun­dier­te Trai­ner­aus­bil­dung für Part­ner­ver­ei­ne, adäqua­te Trai­nings- und Spiel­an­la­gen, eine umfas­sen­de medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, psy­cho­lo­gi­sche Beglei­tung, schu­li­sche Betreu­ung oder beruf­li­che Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten. Erst ein sol­ches Gesamt­pa­ket macht einen attrak­tiv im Wett­be­werb um die Talen­te. Wir ste­hen da zur­zeit erst am Anfang eines Weges und sind des­halb für vie­le Talen­te wenig spannend.

„Wir müs­sen uns ein Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum leis­ten, wenn wir wett­be­werbs­fä­hig sein wollen.“

Die Ein­rich­tung eines Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trums ist aber doch auch eine finan­zi­el­le Fra­ge. Kann die Alemannia sich so etwas leisten?

Die­ses Argu­ment las­se ich nicht gel­ten. Wir müs­sen uns das leis­ten, wenn wir wett­be­werbs­fä­hig sein wol­len. Es gibt sinn­vol­le und weni­ger sinn­vol­le Inves­ti­tio­nen. Ein pro­fes­sio­nel­les Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum ist defi­ni­tiv eine der sinn­volls­ten Inves­ti­tio­nen über­haupt. Das mal grund­sätz­lich. Zum The­ma Kos­ten: Ich wer­de wütend, wenn beson­ders Schlaue immer wie­der Mil­lio­nen­sum­men nen­nen, die auf­ge­bracht wer­den müss­ten. Das ist Hum­bug von Leu­ten, die viel reden, aber sich nie um die Details geküm­mert haben. Ein NLZ kos­tet in der Ein­rich­tung 250.000 Euro jähr­lich. Davon bekommt man vom DFB im Fal­le einer Zer­ti­fi­zie­rung 50.000 Euro zurück. Unser Invest­ment wären also 200.000 Euro pro Jahr. Uns haben schon eini­ge poten­zi­el­le Part­ner signa­li­siert, dass sie den Pro­fi­fuß­ball zwar nicht unter­stüt­zen wol­len, doch sehr ger­ne ihren Bei­trag zur Jugend­för­de­rung leis­ten woll­ten. Wenn man die­sen Plan ener­gisch und seri­ös angeht, ist er gut umzu­set­zen. Man muss halt bereit sein, sich damit inten­siv zu beschäf­ti­gen und Ener­gie dar­auf zu ver­wen­den. Etwas erst gar nicht anzu­pa­cken und unre­flek­tiert die Kos­ten­keu­le zu schwin­gen, ist ein­fach, aber nicht per­spek­ti­visch gedacht. Zumal eine fun­dier­te Jugend­ar­beit ein ent­schei­den­der Fak­tor ist, um die Alemannia-DNA zurück an den Tivo­li zu bringen.

Ihr Vor­ha­ben klingt äußerst ambi­tio­niert. Wel­chen Zeit­rah­men haben Sie sich dafür gesteckt?

Die­ses The­ma wur­de wäh­rend der ver­gan­ge­nen Jah­re ver­nach­läs­sigt. Dem­entspre­chend fan­gen wir ganz unten an. Aller­dings ste­cken wir bereits in der kon­kre­ten Pla­nung. Einen genau­en Zeit­rah­men kann ich Ihnen den­noch nicht nen­nen. Aber es darf bestimmt kei­ne fünf Jah­re dauern.

„Unse­re Außen­dar­stel­lung ist zur­zeit viel­leicht nicht die bes­te.“
Foto: Carl Brunn

Allen grund­sätz­li­chen und lang­fris­ti­gen Über­le­gun­gen zum Trotz, darf man den All­tag nicht aus dem Blick ver­lie­ren. Und da scheint es zur­zeit auch abseits des Plat­zes etwas zu knir­schen. Ex-Auf­sichts­rat Johan­nes Del­heid geht Sie via ört­li­cher Pres­se an. Dann äußert der Haupt­spon­sor eben­falls via Lokal­blatt sei­nen Unmut. Was ist da los?

Ich kann ver­ste­hen, wenn die Öffent­lich­keit sich fragt, was bei der Alemannia los ist. Unse­re Außen­dar­stel­lung ist zur­zeit viel­leicht nicht die bes­te. Wir haben da sicher Feh­ler gemacht und müs­sen bes­ser wer­den. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on über Face­book zum Bei­spiel war dann doch eher semi­op­ti­mal. Das wür­den wir heu­te nicht mehr so machen. Wir ler­nen dazu. Über die bei­den von Ihnen zitier­ten Fäl­le kann ich aller­dings nur den Kopf schüt­teln. Da sehe ich zwi­schen der Bericht­erstat­tung und den tat­säch­li­chen Umstän­den erheb­li­che Diskrepanzen.

Dann klä­ren Sie uns doch auf.

Die Geschich­te mit Johan­nes Del­heid war albern. Ich ken­ne Herrn Del­heid nicht per­sön­lich. Er kennt mich nicht per­sön­lich. Wir haben nie­mals ein län­ge­res Wort mit­ein­an­der gespro­chen. Hät­te Herr Del­heid zum Tele­fon­hö­rer gegrif­fen, hät­ten wir uns aus­spre­chen und die Sache klar­stel­len kön­nen. So aber hat das Vor­ge­hen der Alemannia nicht gut­ge­tan. Mehr woll­te ich nicht aus­drü­cken. Viel­leicht wäre es eine gute Idee gewe­sen, wenn der Redak­teur auch ein­mal bei mir nach­ge­fragt und sich mei­ne Sicht­wei­se der Din­ge ange­hört hät­te. Dann hät­te er ganz schnell gemerkt, dass das Gan­ze nur ein Sturm im Was­ser­glas war. Sei es, wie es ist: Ich bin jeder­zeit bereit, mit Johan­nes Del­heid zu spre­chen und wer­de des­halb auf ihn zuge­hen. Ich bin mir sicher, dass wir die Dif­fe­ren­zen im Sin­ne der Alemannia bei­sei­te­räu­men kön­nen. Immer­hin hat Johan­nes Del­heid mit sei­ner Kanz­lei viel für die Alemannia geleistet.

Dann wären da noch die Ein­las­sun­gen Roger Loth­manns, des Chefs Ihres Hauptsponsors.

Die Mei­nun­gen unse­rer Spon­so­ren sind uns wich­tig. Sie sind für uns ein ent­schei­den­der Indi­ka­tor. Und das gilt ganz beson­ders für Roger Loth­mann, der uns vor­bild­lich unter­stützt. Wir wer­den zeit­nah Gesprä­che mit ihm führen.

Den­noch ver­mit­telt der Arti­kel den Ein­druck, dass der Haupt­spon­sor mit der Ent­las­sung Mar­tin Baders nicht glück­lich sei.

Es ist nie leicht, wenn die Ansprech­part­ner wech­seln und sich viel­leicht die ein oder ande­re Her­an­ge­hens­wei­se ändert. Man muss sich ken­nen­ler­nen. Ver­trau­en muss neu auf­ge­baut wer­den. Es gibt kei­ne Anzei­chen, dass uns das nicht gelin­gen wird. War­um die Lokal­pres­se dar­aus einen grund­sätz­li­chen Kon­flikt kon­stru­ie­ren will, ist mir schlei­er­haft. Zumal das der Alemannia auch scha­den kann.

Ohne­hin scheint Ihr Ver­hält­nis zur Lokal­pres­se, vor­sich­tig geur­teilt, eher unter­kühlt zu sein. Ihr jüngs­tes Inter­view mit der Aache­ner Zei­tung liest sich jeden­falls so.

Ach, ich möch­te das gar nicht hoch auf­hän­gen. Ich hat­te mich ledig­lich geär­gert, dass die Bericht­erstat­tung zuletzt sehr nega­tiv war. Stän­dig wur­de kri­ti­siert und alles in Fra­ge gestellt. Aber wir haben es ja selbst in der Hand. Wenn wir Erfolg haben, ändert sich auch die Bericht­erstat­tung. Hoffentlich.

„Man fragt nicht, war­um wir etwas ver­än­dern, son­dern man klagt an, dass wir etwas verändern.“

Nun sind die Medi­en aber genau dafür da, die Ent­wick­lun­gen kri­tisch zu beglei­ten und den Ver­ant­wort­li­chen auf die Fin­ger zu schau­en. Hof­be­richt­erstat­tung oder Gefäl­lig­keits­jour­na­lis­mus dür­fen Sie nicht erwarten.

Das erwar­te ich bei­lei­be nicht. Kri­ti­sche Bericht­erstat­tung muss sein. Die müs­sen wir aus­hal­ten. Aber sie soll­te fair, fak­ten­ori­en­tiert und objek­tiv sein. Wo fand denn die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem statt, was war? Wir ste­hen doch nicht aus Zufall mit einem Bein im Abgrund. Die Grün­de dafür wer­den jedoch über­haupt nicht hin­ter­fragt und the­ma­ti­siert. Statt­des­sen geht man die­je­ni­gen an, die gera­de ein­mal 100 Tage im Amt sind. Man fragt nicht, war­um wir etwas ver­än­dern, son­dern man klagt an, dass wir etwas ver­än­dern. Zudem habe ich mal gehört, dass man immer mög­lichst alle Aspek­te eines Sach­ver­hal­tes beleuch­ten und sich nicht nur eine Mei­nung zu eigen machen soll­te. Aber eigent­lich habe ich kei­ne Lust, mich mit sol­chen Neben­kriegs­schau­plät­zen zu beschäf­ti­gen. Wir haben genü­gend ande­re und deut­lich wich­ti­ge­re Din­ge zu erledigen.

War­um muss es bei der Alemannia immer Tra­ra geben? War­um kön­nen die Din­ge nicht ein­mal ruhig und pro­fes­sio­nell laufen?

Die Fra­ge habe ich mir auch schon oft gestellt. Ich glau­be, dass es in der Ver­gan­gen­heit zu oft um Egos ging, statt um die Sache. Immer wie­der bestimm­ten eher Eitel­kei­ten den Lauf als Sach­zwän­ge – inner­halb und außer­halb des Ver­eins. Das muss sich ändern. Wir benö­ti­gen Mit­strei­ter, die auf dem Boden unse­rer Mög­lich­kei­ten han­deln, den Blick für die Rea­li­tä­ten haben und die zuvor­derst an die Alemannia den­ken, indem sie sich sel­ber etwas zurück­neh­men. Klingt nach einer Bin­sen­weis­heit, ist aber wahr.

Vie­len Dank für das Gespräch, Herr Moberz.

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Als wir die ersten Buchstaben tippten, um unsere fixe Idee eines Alemannia-Magazins in die Tat umzusetzen, spielte Henri Heeren noch in Schwarz-Gelb. Jupp Ivanovic machte drei Buden am Millerntor und trotzdem träumte niemand von Bundesliga oder Europapokal. Das ist lange her. In der Zwischenzeit waren wir mit dem TSV ganz oben. Wir sind mit ihm ziemlich unten. Aufgehört haben wir unterwegs irgendwie nie. Neue Ausgaben kamen mal in größeren, mal in kleineren Abständen. Und jetzt schreiben wir halt auch noch das Internet voll.

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