In zwei Monaten findet die enorm wich­tige Jah­res­haupt­ver­samm­lung der Ale­mannia statt. Für In der Pratsch schien es des­halb an der Zeit, den kom­mis­sa­ri­schen Vor­stand nach den diversen Befind­lich­keiten zu befragen.

Fallen wir doch mal gleich mit der Tür ins Haus: Werden Sie am 5. Sep­tember für einen Posten im Vor­stand des TSV Ale­mannia Aachen kan­di­dieren, um Ihre Arbeit fort­setzen zu können?

Martin Fröh­lich: Hätte man mich vor zwei Monaten gefragt, wäre meine Ant­wort ein unmiss­ver­ständ­li­ches ‚Nein‘ gewesen. Inzwi­schen kann ich mir ein Ver­bleiben im Vor­stand sehr gut vor­stellen. Der Über­le­gungs­pro­zess ist aber noch nicht abge­schlossen. Ent­scheiden müssen das am Ende ohnehin die Mitglieder.

Max Baur: Für mich ist ein wei­teres Enga­ge­ment im Vor­stand kaum denkbar. Im Laufe der ver­gan­genen Wochen habe ich gemerkt, wie zeit­auf­wändig ein sol­cher Job ist, wenn man ihn gewis­sen­haft aus­füllen will. Das wird auf­grund meiner pri­vaten Situa­tion und meines Bonner Wohn­ortes schwierig bis unmög­lich. Und halbe Sachen ver­trägt der Verein zur­zeit nicht.

Martin Fröh­lich: Wobei wir aller­dings deut­liche Signale aus unserem Unter­stüt­zer­kreis bekommen haben, dass Max wei­ter­ma­chen sollte. Ich halte ihn nicht zuletzt auf­grund seiner Ver­wur­ze­lung in der Mit­glieder- und Fan­schaft für unersetzlich.

Max Baur: Sicher lässt es einen nicht kalt, wenn man solche Signale bekommt. Aber es läuft auf ein Aus­scheiden aus dem Vor­stand hinaus.

Max Baur

Werden Sie in anderer Posi­tion weiter für den Verein wei­ter­ar­beiten, Herr Baur?

Max Baur: Dar­über denke ich sehr intensiv nach. Denn wer in dieser nach wie vor schwie­rigen Situa­tion etwas tun kann, muss auch etwas tun. Darauf ist der Verein ange­wiesen. Ande­rer­seits ver­langt aber jedes Amt vollen Ein­satz und volle Ernsthaftigkeit.

Werden Sie denn für Vor­stand, Ver­wal­tungsrat und den Auf­sichtsrat der GmbH über­haupt genü­gend geeig­nete Kan­di­daten prä­sen­tieren können? Kan­di­daten, die den not­wen­digen Neu­an­fang repräsentieren.

Martin Fröh­lich: Wichtig ist es vor allem, am Ende des Tages einen Vor­stand zu haben, durch den sich alle Grup­pie­rungen und Strö­mungen in diesem Verein reprä­sen­tiert fühlen. Die Fans, die Abtei­lungen, die Spon­soren. Gleich­zeitig müssen die Per­sonen auch an einem Strang ziehen. Wir sind zuver­sicht­lich, den Mit­glie­dern ein ent­spre­chendes Team vor­stellen zu können. Auch, wenn heute noch nicht alles spruch­reif ist.

Namen wollen Sie nicht nennen.

Martin Fröh­lich: Nein. Das können wir heute noch nicht. Wir haben kom­pe­tente Per­sonen gefunden, die grund­sätz­lich bereit sind, den Verein durch ihr Enga­ge­ment zu unter­stützen. Aber wie gesagt: Noch ist nicht alles spruchreif.

Ist unter den von Ihnen genannten ‚kom­pe­tenten Per­sonen‘ auch jemand mit aus­ge­wie­sener Sport­kom­pe­tenz? Schließ­lich hat es in den Ale­mannia-Gre­mien daran chro­nisch gemangelt.

Max Baur: Im Prä­si­dium wäre die sport­liche Kom­pe­tenz sicher nicht zwin­gend not­wendig. Im Auf­sichtsrat auf jeden Fall.

Martin Fröh­lich: So oder so. Unter den Per­sonen, mit denen wir ernst­haft spre­chen, befindet sich auch jemand mit aus­ge­spro­chener Fuß­ball­kom­pe­tenz. Ob diese Person dann für den Auf­sichtsrat oder den Vor­stand kan­di­diert, müssen wir sehen. Aber bevor Sie fragen: Einen Namen bekommen Sie von mir heute nicht.

Sie haben eben davon gespro­chen, dass Sie ein geeig­netes Team prä­sen­tieren wollen. Läuft es also wieder darauf hinaus, dass sich eine Mann­schaft zur Wahl stellt und diese dann en bloc gewählt werden muss? 

„Man muss akzep­tieren, wenn die Mit­glieder einen Außen­ste­henden in ein Team wählen.“

Martin Fröh­lich: Bei uns gibt es Ein­zel­wahlen und keine Teamwahlen.

Mit Ver­laub. Die Ver­gan­gen­heit lehrt uns da aber etwas Anderes. Es war doch stets gän­gige Praxis, mit dem Rückzug des kom­pletten Teams zu drohen, wenn die Mit­glieder sich die Frei­heit nehmen würden, ein ein­zelnes Mit­glied nicht zu wählen.

Max Baur: Früher habe auch ich so etwas für einen halben Skandal gehalten. Zum Bei­spiel, als man 2015 mit solch einem Manöver bewusst Mike Schleiden und Dirk Habets ver­hin­dern wollte. Nachdem ich nun aber eine Zeit selber in einem Team für diesen Verein arbeite, sehe ich das etwas dif­fe­ren­zierter. Auch ich würde es bestimmt nicht wollen, dass mir aus diesem Kol­lektiv eine Person mit unver­zicht­baren Kom­pe­tenzen her­ausge­wählt wird. Ich kann gut nach­voll­ziehen, dass man sagt, man könne nur in der Gruppe als Ganzes funktionieren.

Martin Fröh­lich: Ich finde es zwar eben­falls logisch, dass sich Teams als Ein­heit zur Wahl stellen. Daran ist nichts Ver­werf­li­ches. Doch ich stehe auf dem Stand­punkt, dass man es akzep­tieren muss, wenn die Mit­glieder einen Außen­ste­henden in das Gre­mium wählen. Auch dann muss es funk­tio­nieren können.

Max Baur: Nur zur Beru­hi­gung: Wir stellen gerade kein Vor­stands­team zusammen, das aus fünf besten Freunden besteht. Wir sind dabei, Leute aus unter­schied­li­chen Ecken zusam­men­zu­führen. Die haben alle einen unter­schied­li­chen Back­ground, ihre indi­vi­du­ellen Vor­stel­lungen zur Ale­mannia und ihre spe­zi­fi­schen Kom­pe­tenzen. Aber sie eint die Sorge um ‚ihren‘ Verein und den Willen, diesen wieder auf die Beine zu bekommen.

Wird sich denn über­haupt ein zweites oder gar drittes Team zur Wahl stellen? Oder ist abzu­sehen, dass es bei einer von den Gre­mien ins Rennen geschickten Mann­schaft bleibt?

Max Baur: Das Sam­meln von Vor­schlägen ist Ange­le­gen­heit des Wahl­aus­schusses. Mir ist aber nicht bekannt, dass es ein anderes Prä­si­di­ums­team gäbe. Ich habe jedoch von Kan­di­da­ten­vor­schlägen für den Auf­sichtsrat gehört. Die möchte ich aller­dings nicht kom­men­tieren. Die Mei­nungs­bil­dung sollte inner­halb der Mit­glied­schaft erfolgen. Da wäre es nicht fair, wenn man aus einer expo­nierten Posi­tion heraus eine Wer­tung vor­nehmen würde. Viel­leicht finden sich ja Kan­di­daten aus unter­schied­li­chen Ecken zur gemein­samen Arbeit zusammen.

Und wie sieht es bei Auf­sichtsrat sowie Ver­wal­tungsrat aus?

Max Baur: Da ist das Ganze eh unkom­pli­zierter. Im Auf­sichtsrat sitzen drei Vor­stands­mit­glieder und zwei frei hin­zu­ge­wählte Per­sonen. Hierfür kann sich jeder bewerben. Sicher: Wir haben von uns aus den Einen oder Anderen ange­spro­chen, um ihn von einer Kan­di­datur für die freien Plätze zu über­zeugen. Aber am Ende des Tages ziehen Die­je­nigen in den Auf­sichtsrat ein, die die meisten Stimmen bekommen. Das gilt für den Ver­wal­tungsrat glei­cher­maßen. Aber glauben Sie mir, poten­ti­elle Kan­di­daten stehen nicht gerade Schlange.

Martin Fröh­lich

„Viele wollen ihren Mecker­posten gar nicht verlassen.“

Auch in diesem Fall gibt es keine Namen?

Max Baur: Nein, über die bereits öffent­lich bestä­tigten Namen hinaus, geben wir nichts preis. Es ist ja bekannt, dass sich Didi Lüb­bers für den Ver­wal­tungsrat bewirbt. Die IG hat dar­über hinaus Horst Fil­brich und Gert Kempf nominiert.

Martin Fröh­lich: Ich habe allen Leuten immer wieder klar gemacht: Meckern ist leicht. Jetzt ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen und Ver­ant­wor­tung zu über­nehmen. Doch ich habe den Ein­druck, dass Viele ihren Mecker­posten gar nicht ver­lassen wollen. Obwohl wir viele Hände benö­tigen, die anpa­cken. Wie viele Leute haben uns früh­zeitig erklärt, aktiv mit­ar­beiten zu wollen. Bei­spiels­weise im Ver­wal­tungsrat. Und je näher man an den Tag der Ent­schei­dung rückt, umso stärker lässt die Bereit­schaft nach. Da lobe ich mir Didi Lüb­bers. Der ist sicher­lich stets ein kri­ti­scher Kopf in der Fan­szene gewesen. Doch jetzt will er Ver­ant­wor­tung über­nehmen und Gestal­tungs­ar­beit leisten. Seine Kan­di­datur sehen wir sehr positiv.

Immer wieder wird über eine Rück­kehr des ehe­ma­ligen Prä­si­denten Horst Hein­richs spe­ku­liert. Sähen Sie dessen Kan­di­datur eben­falls sehr positiv?

Martin Fröh­lich: Selbst­ver­ständ­lich haben wir mit Horst Hein­richs gespro­chen. Schließ­lich war er der Prä­si­dent in einer Glanz­zeit des Ver­eins. Doch es war allen Betei­ligten schnell klar, dass eine Rück­kehr auf eine Spit­zen­po­si­tion große Schwie­rig­keiten mit sich bringen würde. Für Horst Hein­richs und damit auch für den Verein. Das sah Horst Hein­richs wie wir.

Können Sie das erläutern?

Martin Fröh­lich: Wir haben mit Horst Hein­richs offen und sehr ver­trau­ens­voll gespro­chen. Aus sol­chen Gesprä­chen zitiere ich grund­sätz­lich nicht einseitig.

The­men­wechsel. War die Insol­venz alternativlos?

Martin Fröh­lich: Ja, unter dem Strich war sie alter­na­tivlos. Der Antrag musste in jedem Fall gestellt werden. Die Zah­lungs­ver­pflich­tungen hätte man trotz aller Bemü­hungen nicht sicher bedienen können.

Sie haben sich jetzt gemeinsam mit dem Insol­venz­ver­walter in die Materie ein­ar­beiten können. Was hat die Ale­mannia in diese zweite Insol­venz getrieben?

Max Baur: Mit einem Gerücht können wir an dieser Stelle ein für allemal auf­räumen. Die Insol­venz wurde bestimmt nicht her­bei­ge­führt, um den Ein­stieg eines Inves­tors durch die Hin­tertür zu ermög­li­chen. Das ist Blöd­sinn. Im Grunde genommen ist es simpel: Wir konnten diese Rech­nung nicht mehr beglei­chen, wir konnten jene Rech­nung nicht mehr beglei­chen. Wir konnten die Gehälter nicht mehr zahlen. Wir waren finan­ziell kurz vorm Ende.

Können Sie uns kon­kret sagen, wie man in diese Situa­tion geraten konnte. Sie, Herr Fröh­lich, haben als dama­liger Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zender ja an jeder Auf­sichts­rats­sit­zung teil­ge­nommen und waren somit immer nahe dran.

Martin Fröh­lich: Wenn man seinen Ver­bind­lich­keiten nicht mehr nach­kommen kann, stehen Ein­nahmen und Aus­gaben in der Regel in einem Miss­ver­hältnis. Zum Bei­spiel, weil sich die Ein­nah­me­pla­nungen nicht rea­li­sieren lassen. Bei uns wurde die Spon­so­ren­ak­quise massiv durch das viel zitierte BFH-Urteil zum Sanie­rungs­er­lass erschwert bezie­hungs­weise unmög­lich gemacht. Und dann ist auch noch unser Haupt­sponsor seinen Zah­lungs­ver­pflich­tungen nicht nach­ge­kommen. Die Mit­glieder des „Team 2018“ waren ehren­amt­lich unter nicht ein­fa­chen Rah­men­be­din­gungen tätig. Doch mehr möchte ich zur Ver­gan­gen­heit eigent­lich nicht sagen. Ändern können wir nichts mehr. Jetzt müssen wir uns aber um die Zukunft küm­mern. Und da haben wir ver­dammt viel zu tun.

„Das Inves­to­ren­an­gebot war im Sinne des Ver­eins ein­fach nicht gut genug.“

Wäre es tat­säch­lich anders gekommen, wenn die Fans sich nicht bei­nahe feind­selig gegen eine Inves­to­ren­lö­sung gestellt hätten? Das behaup­teten die Ver­ant­wort­li­chen der Ale­mannia jeden­falls ganz offiziell.

Max Baur: Die Pres­se­mit­tei­lung, auf die Sie anspielen, war höchst unglück­lich. Man muss nicht drum­herum reden. Es gab ein ein­ziges kon­kretes Inves­to­ren­an­gebot. Und das war im Sinne des Ver­eins ein­fach nicht gut genug. Es hat ja nicht mal den Ver­such des dama­ligen Vor­standes gegeben, im Ver­wal­tungsrat eine Abstim­mung über das Angebot anzu­stoßen. Weil die Mit­glieder des Vor­standes wussten, dass die Bedin­gungen unan­nehmbar waren.

Martin Fröh­lich: Ich kann das bestä­tigen. Der Ver­wal­tungsrat hat deut­lich signa­li­siert, dass er dieses Angebot nicht mit­tragen würde. Im Übrigen hatten selbst ein­zelne Vor­stands- und Auf­sichts­rats­mit­glieder große Bedenken. Die Fans an den Pranger zu stellen, war des­halb nicht glück­lich. Man hat sich da Michael Köl­mels Ansicht zu Eigen gemacht. Der hatte die ableh­nende öffent­liche Mei­nung heftig beklagt.

Max Baur: Inner­halb des Auf­sichts­rates und des Vor­standes gab es durchaus unter­schied­liche Mei­nungen und Vor­stel­lungen hin­sicht­lich einer Inves­to­ren­lö­sung. Das war kein mono­li­thi­scher Meinungsblock.

Warum haben Sie dann diese Schuld­zu­wei­sung in Rich­tung Fans zuge­lassen, Herr Fröhlich?

Martin Fröh­lich: Ich kannte die Pres­se­mit­tei­lung des Auf­sichts­rats. Das habe ich nie geleugnet. Aber ich fand den omi­nösen Satz unpassend.

Den­noch fand sich die ein­sei­tige Beschimp­fung der Fans in der offi­zi­ellen Stel­lung­nahme der Ale­mannia wieder. Wer war letzt­end­lich dafür verantwortlich?

Martin Fröh­lich: Da fragen Sie besser den dama­ligen Auf­sichtsrat. Schließ­lich han­delt es sich um eine Erklä­rung der Ale­mannia Aachen GmbH.

Chris­toph Nie­ring hat als Insol­venz­ver­walter den ehe­ma­ligen Auf­sichtsrat immer wieder gelobt und von dessen Arbeit in höchsten Tönen geschwärmt. Drei der Herren bil­deten ja auch den dama­ligen Ale­mannia-Vor­stand. Gab es Bestre­bungen, den Vor­stand an Bord zu behalten, um die Zusam­men­ar­beit mit dem Insol­venz­ver­walter zu vereinfachen?

Max Baur: Es war in der Tat im Gespräch, den Vor­stand bis zur kom­menden regu­lären Jah­res­haupt­ver­samm­lung im Amt zu belassen. Nicht zuletzt, um die Über­gabe der Geschäfte auf den Insol­venz­ver­walter so geschmeidig wie mög­lich zu gestalten. Dazu war der Alt­vor­stand zumin­dest in Teilen nicht bereit. Die Devise lau­tete: ‚Ent­weder wir ziehen das bis 2018 durch oder gar nicht.‘ Vor diesem Hin­ter­grund kippte die Stim­mung in der Gesprächs­runde. Dann ist der Vor­stand geschlossen zurückgetreten.

„Es hat keiner begeis­tert ‚hier‘ gerufen.“

Hatten Sie, Herr Fröh­lich, mit dem Gedanken gespielt, sich eben­falls zurück­zu­ziehen? Schließ­lich waren Sie ja in sämt­liche Vor­gänge eingeweiht.

Martin Fröh­lich: Ich weiß, dass mir Teile des ehe­ma­ligen Vor­standes vor­werfen, nicht eben­falls per­sön­liche Kon­se­quenzen gezogen zu haben. Umfas­send infor­miert zu sein, gehört nun einmal zu den Auf­gaben des Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zenden. Nicht zu dessen Auf­gaben gehört es jedoch, Ent­schei­dungen für die GmbH zu treffen. Zudem habe ich mich nun wirk­lich nicht um den Vor­sitz im kom­mis­sa­ri­schen Vor­stand gerissen. Meiner Erin­ne­rung nach hat da keiner begeis­tert ‚hier‘ gerufen. Als Vor­sit­zender des Ver­wal­tungs­rates sah ich mich jedoch in der Pflicht.

Max Baur: Als das Thema ‚kom­mis­sa­ri­scher Vor­stand‘ bei einem Mee­ting mit dem Insol­venz­ver­walter erör­tert wurde, haben alle am Tisch gefor­dert, dass Martin Fröh­lich das Amt über­nehmen solle. Alle waren dieser Mei­nung, inklu­sive Tim Hammer, Horst Reimig und Oliver Laven. Das sollte man fai­rer­weise auch mal sagen.

„Wir sind dabei, unser Auf­treten end­lich der Regio­nal­liga anzugleichen.“

Aus dem Kreis der ehe­mals Ver­ant­wort­li­chen haben wir Kritik an der Arbeit des Insol­venz­ver­wal­ters und des aktu­ellen Vor­standes ver­nommen. Das ein­zige Kon­zept, dass man jetzt hätte wäre Fuat Kilic.

Martin Fröh­lich: Richtig ist, dass Fuat Kilic ein ele­mentar wich­tiger Bau­stein unserer Stra­tegie ist. Denn die sport­liche Per­for­mance ist bei einem Fuß­ball­club nun einmal ent­schei­dend für den wirt­schaft­li­chen Erfolg. Und des­halb haben wir alles dafür getan, ihn in Aachen zu halten. Aber wir müssen eben auch die Struk­turen den beschei­denen Ver­hält­nissen anpassen. Wir sind dabei, unser Auf­treten den Bedin­gungen der Regio­nal­liga end­lich anzu­glei­chen. Etwas, dass man in der Ver­gan­gen­heit viel­leicht nicht so kon­se­quent ver­folgt hat. Spon­so­ren­ge­win­nung, Ehren­amt­ler­kon­zept, Kos­ten­sen­kung. All das sind neben dem Sport wei­tere Eck­pfeiler unserer Planungen.

Einer der größten Kos­ten­fak­toren ist das Sta­dion. Doch gerade hier können Sie nicht ansetzen.

Max Baur: Das ist richtig. Zur­zeit haben wir offenbar keine Chance, hier etwas zu bewegen. Die Stadt hat die Karten in der Hand. Und da hält sich die Bereit­schaft, uns weiter ent­ge­gen­zu­kommen, bekann­ter­maßen in sehr engen Grenzen. Hätten wir eine Alter­na­tive, würden wir diese sofort nutzen. Auf­grund seiner Dimen­sionen ist das Sta­dion für uns eigent­lich nicht brauchbar.

Im Gegen­satz zum Land NRW hat die Stadt die Steu­er­schuld der Ale­mannia nicht gestundet. Erhöht das den Druck auf den Verein, vor allem im Hin­blick auf die Gläu­bi­ger­ver­samm­lung? Immerhin ist die Stadt nun einer der größten Gläubiger.

Martin Fröh­lich: Für unsere Arbeit spielt das zur Zeit keine ent­schei­dende Rolle. Im Moment gehen wir davon aus, dass uns an dieser Front keine Gefahr droht. Ich kann mir nicht vor­stellen, dass sich die Stadt dem Sanie­rungs­plan des Insol­venz­ver­wal­ters ver­wei­gern wird.

Stand im Zuge des aktu­ellen Insol­venz­ver­fah­rens jemals die Auf­lö­sung der GmbH und die Bün­de­lung sämt­li­cher Akti­vi­täten unter dem Dach des ein­ge­tra­genen Ver­eins zur Debatte?

Martin Fröh­lich: Nein. Ich hielte das aber auch für eine fatale Ent­schei­dung. Hätten wir nicht 2006 die Aus­glie­de­rung voll­zogen, wäre der gesamte Verein wahr­schein­lich nicht mehr exis­tent. Wir werden den gesunden e.V. solch einer Gefahr nicht aus­setzen. Wir können nicht ris­kieren, dass der Ama­teur- und Brei­ten­sport nach­hal­tigen Schaden erleidet.

Max Baur: Chris­toph Nie­ring hat einmal gesagt, dass die meisten Unter­nehmen nach der zweiten Insol­venz noch ein drittes Mal in die Zah­lungs­un­fä­hig­keit rut­schen. Wir gehen davon aus, dass uns das nicht pas­sieren wird. Denn wir sind auf einem guten Weg. Auch, weil die Ver­ant­wort­li­chen ebenso wie die Mit­glieder und Fans begreifen, dass wir ein Viert­li­gist sind. Ande­rer­seits sind ver­läss­liche Pla­nungen in dieser Regio­nal­liga nur sehr schwer möglich.

„Es gibt keine seriösen Interessenten.“

Ist vor diesem Hin­ter­grund das Thema Investor noch aktuell?

Martin Fröh­lich: Im Moment ist das Thema nicht akut. Auch, weil es keine seriösen Inter­es­senten gibt. Wir haben mit einigen Leuten gespro­chen. Da ist nichts Belast­bares übrig geblieben. Manche Anfrage konnte man eher als skurril bezeichnen. Aber wir sind jeder­zeit gesprächs­be­reit und hören uns alles an, was an uns her­an­ge­tragen wird.

Anläss­lich der Vor­stel­lung des Insol­venz­ver­wal­ters hatte der dama­lige Schatz­meister des TSV, Horst Reimig, doch noch von einer ganzen Reihe poten­ti­eller Inves­toren gespro­chen und bei­nahe so getan, als ob die Inter­es­senten Schlange stehen würden.

Martin Fröh­lich: Noch­mals: Stand heute gibt es keine Interessenten.

Gibt es noch Kon­takt zu Michael Kölmel?

Max Baur: Nein, zur­zeit nicht.

Wie sehen Sie die Chancen, dass die Ale­mannia aus ihrer zweiten Insol­venz eini­ger­maßen gut heraus kommt?

Martin Fröh­lich: Es ist noch zu früh, um das ver­läss­lich beur­teilen zu können. Aber ich bin da opti­mis­tisch. Wir haben heute schon mehr Geld zusammen als wir zu hoffen gewagt hatten. Dann haben wir mit Chris­toph Nie­ring und dessen Team erfah­rene und kom­pe­tente Spe­zia­listen an unserer Seite. Dank Fuat Kilic und seinen Mit­strei­tern sind wir im Sport­li­chen her­vor­ra­gend auf­ge­stellt. Und last but noch least werden wir von zahl­rei­chen Leuten unter­stützt, die ehren­amt­lich für die Ale­mannia in die Bre­sche springen. All das macht Mut. Aber es gibt natür­lich auch Nacken­schläge. Fragen Sie zum Bei­spiel mal Thomas Gronen und Andreas Neuss, was die sich anhören müssen, wenn sie in der Aachener Wirt­schaft auf Spon­so­ren­ak­quise gehen. Da kommt es nicht selten zu regel­rechten Beschimpfungen.

Max Baur: Ich teile den Opti­mismus. Wir arbeiten auf allen Ebenen daran, end­lich einmal eine mög­lichst aus­ge­gli­chene Bilanz vor­legen zu können. Damit die Men­schen ver­stehen, dass sie ihr Geld nicht in schwarzes Loch ste­cken. Solche Signale der Serio­sität braucht es.

Nachdem man sich in Sachen Geld­be­schaf­fung früh auf einem guten Weg wähnen durfte, scheint die Spon­so­ren­ak­quise nun etwas ins Sto­cken geraten zu sein. Es fehlen noch meh­rere Hun­dert­tau­send Euro am gesteckten Ziel. Auch ein Tri­kot­sponsor konnte noch nicht prä­sen­tiert werden. Was lässt Sie hoffen, hier zeit­ge­recht Vollzug melden zu können?

Martin Fröh­lich: Kon­krete Zahlen möchte ich nicht kom­men­tieren. Aber es ist in der Tat noch etwas zu tun. Eine Reihe sehr enga­gierter Leute, Ehren­amtler wie Ange­stellte der Ale­mannia, sind hier mit hohem Auf­wand im Ein­satz. Wir hoffen auf einen neuen Schub, wenn der Ball erst einmal rollt.

Max Baur

„Einen Abstieg darf es nicht geben.“

Aber der wich­tigste Para­meter für ein gutes finan­zi­elles Ergebnis bleibt am Ende der Sport.

Max Baur: Stimmt. Uns muss es gelingen, die Fans von der Ale­mannia zu über­zeugen. Das funk­tio­niert über die Art, wie sich die Mann­schaft auf dem Platz prä­sen­tiert. Und wenn wir dann am Ende um Platz acht oder neun mit­spielen, haben wir aus meiner Sicht etwas Gutes her­aus­ge­holt. Aber eines ist allen Betei­ligten glas­klar: Einen Abstieg darf es nicht geben. Das käme dem end­gül­tigen Aus für die Ale­mannia gleich. Aber dieses Sze­nario ist aus meiner Sicht nur ein theoretisches.

Herr Fröh­lich, Herr Baur, wir danken Ihnen für das Gespräch.