Die Ale­mannia hängt hinter den Erwar­tungen zurück. Der Fuß­ball ist ein eher beschei­dener. Die Dar­bie­tungen wecken schlimmste Befürch­tungen. Was denken die Ver­ant­wort­li­chen? Wir haben beim Auf­sichts­rats­vor­sit­zenden Dr. Martin Fröh­lich nachgefragt.

Herr Fröh­lich, bereitet Ihnen die aktu­elle sport­liche Situa­tion der Ale­mannia Sorgen?

Nein. Wir sind davon über­zeugt, dass sich die enga­gierte Arbeit, die das gesamte Team leistet, am Ende aus­zahlen wird.

Erschre­cken Sie die Leis­tungen der Mann­schaft nicht? Immerhin hat Fuat Kilic zu Sai­son­be­ginn davon gespro­chen, dass die Truppe spie­le­risch besser sei als die des Vorjahres.

„Alle Betei­ligten sind unzufrieden.“

Natür­lich sind wir hinter dem zurück, was wir erwartet haben. Alle Betei­ligten sind ent­täuscht und auch unzu­frieden. Die Mann­schaft hat im ver­gan­genen Jahr viel­leicht über ihren Ver­hält­nissen gespielt. Jetzt spielt sie unter ihren Mög­lich­keiten. Das ist nicht zufrie­den­stel­lend. Aber wir glauben daran, dass das gesamte Team die Kurve bekommt. Wir sind uns aber auch im Klaren dar­über, dass das schnell pas­sieren muss.

Dr. Martin Fröhlich (Foto: Carl Brunn)

Dr. Martin Fröh­lich (Foto: Carl Brunn)

Was bedeutet „schnell“? Wie lange haben Sie Geduld, und ab wann denken Sie über einen Plan B nach?

Wir haben keine Fristen oder Ultimaten.

Wie erklären Sie sich das bisher beschei­dene Abschneiden in der Liga?

Die sport­liche Ana­lyse über­lassen wir dem Trainer. Selbst­ver­ständ­lich bespre­chen wir die Ent­wick­lung regel­mäßig mit Fuat Kilic. Und das übri­gens grund­sätz­lich und unab­hängig von der aktu­ellen Situa­tion. Aber die Inhalte dieser Gespräche mache ich nicht öffentlich.

„Wir sind guten Mutes, dass Fuat Kilic die Mann­schaft in die Spur bringt.“

Sie haben also nach wie vor Ver­trauen in die Arbeit des Trainers?

Ja. Wir neigen im Auf­sichtsrat nicht zu Panik­ak­tionen. Wir stellen nicht nach acht ins­ge­samt unbe­frie­di­gend ver­lau­fenden Spiel­tagen mehr als zwei Jahre gute Arbeit plötz­lich in Frage. Fuat Kilic hat einen klaren Blick auf das, was nicht gut funk­tio­niert. Des­halb sind wir guten Mutes, dass er die Mann­schaft in die Spur bringen wird.

Nach dem Spiel gegen Kaan-Mari­en­born kam das Gerücht auf, dass der Auf­sichtsrat Fuat Kilc zum Rap­port ein­be­stellt habe.

Mit Ver­laub, das ist Quatsch. Fuat Kilic berichtet dem Auf­sichtsrat regel­mäßig über die sport­liche Situa­tion. Das ist Rou­tine. Unab­hängig von Ergeb­nissen und Tabel­len­ständen. Von diesem Pro­ce­dere sind wir bisher nicht abge­wi­chen. Aber wie gesagt: Der Inhalt dieser Erör­te­rungen bleibt intern.

Sind Ihnen nicht ohnehin die Hände gebunden? Vor dem Hin­ter­grund der langen Ver­trags­lauf­zeit und der wirt­schaft­li­chen Lage wäre ein Wechsel in der sport­li­chen Füh­rung kaum finanzierbar.

Die Frage stellt sich uns zur­zeit nicht. Wir haben keinen Grund, uns dar­über Gedanken zu machen.

Dann fragen wir einmal grund­sätz­lich und los­ge­löst von der aktu­ellen Lage.

Dass unser Budget keinen Spiel­raum für zwei Trai­ner­ge­hälter lässt, ist doch kein Geheimnis. Ande­rer­seits ist die Exis­tenz des Ver­eins immer das oberste Gut, so dass der Etat im Fall des Falles eigent­lich kein Aus­schluss­kri­te­rium sein dürfte. Aber in diesem Dilemma ste­cken bis auf ganz wenige Aus­nahmen alle unter­klas­sigen Clubs.

„Es gibt keine kon­kreten Absichten, einen Sport­di­rektor zu installieren.“

Fuat Kilic kann so frei und eigen­ver­ant­wort­lich han­deln wie wohl kein Trainer vor ihm am Tivoli. Von der Kader­pla­nung über Trans­fers bis zum Trai­ning. Alles kon­zen­triert sich auf ihn. Ist es nicht ein Schwach­punkt im System, wenn ein Regu­lativ fehlt?

Dr. Martin Fröhlich (Foto: Carl Brunn)

Dr. Martin Fröh­lich (Foto: Carl Brunn)

Ja, das mag theo­re­tisch richtig sein. Aber auch in diesem Fall gilt das, was ich bereits ein­gangs sagte: Warum sollten wir ein seit mehr als zwei Jahren gut funk­tio­nie­rendes System aktio­nis­tisch infrage stellen, nur weil wir gerade eine ent­täu­schende Phase durch­laufen? Und wenn wir davon über­zeugt sind, dass die Ver­ant­wort­li­chen Mittel und Wege finden, uns wieder auf die Erfolgs­spur zu bringen.

Sie haben also ange­sichts der jüngsten Ent­wick­lung nicht dar­über nach­ge­dacht, dem Trainer einen Fach­mann an die Seite zu stellen? Sei es als Sport­di­rektor, Team­ma­nager oder nur als eine Art Sparringspartner?

Nein. Gegen­wärtig hegen wir keine kon­kreten Absichten, zum Bei­spiel einen Sport­di­rektor zu instal­lieren. Da sehen wir der­zeit keinen Bedarf. Aller­dings machen wir uns unab­hängig von han­delnden Per­sonen und tages­ak­tu­ellen Gege­ben­heiten ständig Gedanken, wie man Struk­turen opti­mieren kann und wie wir uns besser auf­stellen können. Das ist die Pflicht eines Aufsichtsgremiums.

Herr Fröh­lich, vielen Dank für das Gespräch.