Timo Skrzypski, Geschäfts­führer der Ale­mannia Aachen GmbH, spricht über die bedroh­liche wirt­schaft­liche Situa­tion des Ver­eins und die Pro­bleme mit den eigenen Fans. Ent­war­nung gibt er für keine der Bau­stellen.

Eine bedenk­liche wirt­schaft­liche Situa­tion, durch­wach­sene sport­liche Per­spek­tiven und nun auch noch erheb­liche Pro­bleme mit den eigenen Fans. Lang­weilig wird Ihnen der­zeit wohl nicht.

Nee, Lan­ge­weile habe ich bestimmt nicht. Die hatte ich vom ersten Tag an nicht. Das wäre aber auch nicht normal bei einem Tra­di­ti­ons­verein, der nach einer Insol­venz in einer sol­chen Lage steckt. Aber so etwas hat ja auch seinen gewissen Reiz. Ich würde mich jedoch auch nicht beschweren, wenn wir das eine oder andere Pro­blem weniger hätten.

Auf wel­ches der Pro­bleme könnten Sie denn am ehesten ver­zichten?

Ganz ein­deutig auf das wirt­schaft­liche. Wäre dieses nicht, hätten wir an den anderen Fronten auch weniger zu kämpfen.

Dann fragen wir mal direkt. Nach unseren Infor­ma­tionen benö­tigt die Ale­mannia drin­gend fri­sches Geld, um über­haupt über den Winter zu kommen. Selbst die Rück­runde scheint nicht gesi­chert zu sein. Anschei­nend ist man des­halb schon beim Haupt­sponsor vor­stellig geworden.

Wir betei­ligen uns nicht an Spe­ku­la­tionen und Gerüchten, die in die Welt gesetzt werden. Wir haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass wir ein Defizit vor uns her schieben. Das ist bekannt. Dieses liegt wei­terhin bei rund 400.000 Euro. Das Loch haben wir bisher nicht stopfen können. Wir dis­ku­tieren zwar intensiv Wege, wie wir das Defizit zumin­dest aus­glei­chen können. Doch es wäre in der Tat nicht richtig, wenn wir behaupten würden, die lau­fende Saison sei durch­fi­nan­ziert.

Timo Skrzypski (Foto: Carl Brunn)

Timo Skrzypski (Foto: Carl Brunn)

Wenn schon die lau­fende Saison noch nicht durch­fi­nan­ziert ist, wie gesi­chert kann dann über­haupt die kom­mende Spiel­zeit sein?

Auch das kann ich heute noch nicht seriös beant­worten. Es gibt zwar bereits ein grobes Gerüst. Aber die detail­lierte Pla­nung, wie wir die kom­mende Saison gestalten können, erfolgt bis Februar des kom­menden Jahres. Dann werden wir absehen, wie hoch unsere Sach­kosten sein werden und wie viel Geld in den Etat der ersten Mann­schaft fließen kann.

Glaubt man dem Prä­si­denten von Rot-Weiss Essen, wäre die nächste Insol­venz der Ale­mannia kaum mehr abzu­wenden.

Ich weiß nicht, wie Herr Wel­ling zu solch einer Aus­sage kommt. Wir haben uns nie mit ihm dar­über unter­halten. Er hat meines Wis­sens auch kei­nerlei Ein­blicke in unser Zah­len­werk. Vor diesem Hin­ter­grund würde ich nie­mals auf die Idee kommen, mich über die wirt­schaft­liche Situa­tion eines Wett­be­wer­bers aus­zu­lassen. Das ist wenig seriös. Vor allem, wenn man genü­gend eigene Pro­bleme hat. Aber mit Herrn Wel­lings Ein­las­sungen beschäf­tigen wir uns nicht. Es gibt Wich­ti­geres zu tun.

„Die Ein­nahmen sind die ein­zige Stell­schraube, an der wir noch drehen können.“

(Foto: Carl Brunn)

(Foto: Carl Brunn)

An wel­chen Stell­schrauben können Sie denn drehen, um die wirt­schaft­liche Lage zu ver­bes­sern?

Die ein­zige Stell­schraube an der wir noch drehen können sind die Ein­nahmen. Bei den Kosten haben wir im Grunde genommen alles aus­ge­reizt. Wir haben jeden Stein umge­dreht und sparen im Ver­gleich zur ver­gan­genen Saison bereits einen sie­ben­stel­ligen Betrag ein. Würden wir hier weiter kürzen, würden wir Gefahr laufen, selbst in der vierten Liga unwi­der­ruf­lich Boden zu ver­lieren.

Wie soll das funk­tio­nieren? Die Spon­so­ren­gelder bewegen sich nach Ihrer eigenen Aus­sage gemessen an Viert­li­ga­ver­hält­nissen auf einem über­durch­schnitt­li­chen Niveau. Die Zuschau­er­zahlen sind mit rund 6.000 im Schnitt eben­falls mehr als man in der Viert­klas­sig­keit erwarten kann. Woher soll ein signi­fi­kantes Ein­nah­meplus kommen?

Sicher­lich geht immer mehr. Auch bei den Spon­soren und beim Zuschau­er­zu­spruch. Aber am Ende des Tages können wir es drehen und wenden, wie wir wollen: Wir werden nur mit externer Hilfe aus der jet­zigen Situa­tion her­aus­kommen. Ob das fri­sche Geld nun von einer Viel­zahl Aache­nern Unter­nehmen oder Pri­vat­per­sonen kommt oder von einem stra­te­gi­schen Investor, ist dabei wirt­schaft­lich zweit­rangig.

Die Gespräche mit einem stra­te­gi­schen Investor scheinen zur­zeit eher erlahmt zu sein. Bedeutet das, dass die oft zitierte „Aachener Lösung“ für Sie inzwi­schen die rea­lis­ti­schere Vari­ante ist?

Wer sagt denn, dass die Gespräche mit inter­es­sierten Inves­toren erlahmt sind? Nur, weil wir nichts mehr ver­laut­baren lassen, muss das ja nicht bedeuten, dass da nichts mehr läuft. Es bringt ein­fach nichts, wenn wir jetzt mit unfer­tigen Kon­zepten an die Öffent­lich­keit gehen und dadurch nur Spe­ku­la­tionen Tür und Tor öffnen. Glauben Sie mir, da haben wir aus der Dis­kus­sion um einen Investor gelernt. Das gilt im Übrigen ganz beson­ders auch für die von Ihnen so genannte „Aachener Lösung“. Wir haben zur­zeit meh­rere kon­krete Vari­anten und Modelle, deren Umsetz­bar­keit wir prüfen und bewerten. Das ist doch erst einmal eine gute Posi­tion. Mehr will ich dazu heute nicht sagen.

Sie haben ja noch nicht einmal den Namen des externen Bera­ters preis­ge­geben. Trans­pa­renz sieht anders aus. Wenn man Fans, Spon­soren und viel­leicht auch Medien einer­seits ver­pflichten will, sich mehr für die Ale­mannia zu enga­gieren, muss man die Öffent­lich­keit ande­rer­seits doch auch mit­nehmen und sie infor­miert halten. Zudem war Trans­pa­renz eines der großen Ver­spre­chen des so genannten „Team 2018“.

Aus meiner Erfah­rung han­delt das Team 2018 viel trans­pa­renter als Füh­rungs­gre­mien anderer Ver­eine. Dies war auch deut­lich in der letzten Jah­res­haupt­ver­samm­lung zu sehen. An die ver­ein­barte Ver­trau­lich­keit halten wir uns.

Sie ver­stehen aber, dass das komisch anmuten muss?

Daran ist wohl nichts Komi­sches zu sehen. Ansonsten hätten wir auf die Hilfe ver­zichten müssen.

Was der Auf­sichtsrat trotz ver­ein­barten Still­schwei­gens sehr wohl ver­raten hat, ist, dass noch in diesem Jahr ein Vor­schlag des omi­nösen Bera­ters vor­ge­stellt wird.

Daran hat sich auch nichts geän­dert. Intern hat man uns bereits ent­spre­chende Kon­zepte vor­ge­stellt. Aber wie bereits gesagt: Es macht keinen Sinn, damit an die Öffent­lich­keit zu gehen, solange diese aus unserer Sicht nicht spruch­reif sind. Lassen Sie uns die Ideen jetzt einmal sorg­fältig prüfen und sehen, was, wann und wie umge­setzt werden kann.

„In Aachen ist man gedank­lich immer noch nicht in der Regio­nal­liga ange­kommen.“

Rot-Weiss Essen scheint es mit der Initia­tive „Zusammen hoch drei“ zu gelingen, die ent­schei­denden regio­nalen Kräfte zu bün­deln. Warum tut man sich damit in Aachen so schwer?

Wäh­rend der ver­gan­genen zwei Jahre war die Unruhe rund um den Verein ein­fach zu groß. Dann wurde viel­leicht auch die eine oder andere unglück­liche Ent­schei­dung getroffen. All das ließ das Miss­trauen gegen­über dem Club zu groß werden. Ande­rer­seits bin ich fest davon über­zeugt, dass man nur Erfolg haben kann, wenn man bereit ist, die Lage anzu­nehmen, in der man steckt. Man ist gedank­lich immer noch nicht in der Regio­nal­liga ange­kommen. Auch das macht unsere Situa­tion schwie­riger als die zum Bei­spiel in Essen.

Das ist starker Tobak. Wer hat denn Ihrer Mei­nung nach in Aachen die vierte Liga immer noch nicht ange­nommen?

Das kann man nicht gene­rell sagen. Aachen und die Ale­mannia haben immer einen großen Rück­halt bei allen Aache­nern. Es sind in diesem Fall Teile unserer Fans, der Medien und Spon­soren. Bei aller Träu­merei, noch einmal in den bezahlten Fuß­ball zurück­zu­kommen, was selbst­ver­ständ­lich auch mein Ziel ist, rea­li­siert man nicht, dass die Welt in der Regio­nal­liga eine andere ist. Wir haben zum Bei­spiel in allen Berei­chen ent­spre­chend der Rah­men­be­din­gungen per­so­nell stark abge­baut. Und den­noch sind die Erwar­tungen an uns auf Zweit­li­ga­ni­veau geblieben. Diesen Ansprü­chen können wir nicht gerecht werden. Nichts­des­to­trotz wächst auf allen Seiten die Unzu­frie­den­heit mit dem Verein. Doch erst, wenn alle gelernt haben, unsere Lage so zu akzep­tieren, wie sie ist, haben wir das Umfeld, dass es uns erlaubt, den Wie­der­aufbau in Ruhe anzu­gehen.

Bei Ihrer Kritik sparen Sie die Stadt Aachen aus. Erwarten Sie nicht auch von dieser Seite mehr Ver­ständnis und Unter­stüt­zung?

Sicher würden wir uns noch mehr Unter­stüt­zung durch die Stadt wün­schen, weil wir sie eigent­lich drin­gend benö­tigen. Aber man muss da rea­lis­tisch bleiben. Wir können nicht erwarten, dass uns die Stadt aus der wirt­schaft­li­chen Situa­tion befreit. Schließ­lich ist ihr durch die Insol­venz bereits ein erheb­li­cher Schaden ent­standen. Gleich­wohl wird sich die Stadt sinn­vollen und zukunfts­fä­higen Kon­zepten sicher­lich nicht ver­schließen.

Über die wirt­schaft­liche Situa­tion hinaus ist die aktu­elle Fan­pro­ble­matik Ihre zweite große Bau­stelle. Selbst mode­rate Fan­clubs, die sonst eher auf Aus­gleich aus sind, laufen Sturm gegen ihr kol­lek­tives Zaun­fah­nen­verbot. Haben Sie das unter­schätzt?

Nein. Mir war klar, dass dies eine unpo­pu­läre Ent­schei­dung ist. Aber ich bin mir auch sicher, dass wir keine andere Ent­schei­dung hätten treffen können. Denn die Bot­schaft des Ver­bandes ist klar und deut­lich: Sollte es im Laufe der kom­menden zwei Jahre noch einmal zu ähn­li­chen Vor­fällen wie in Wup­pertal kommen, dann bekommen wir neben einem höheren Straf­geld auch ein Geis­ter­spiel. Und jetzt rechnen Sie mal zusammen: die feh­lenden Zuschau­er­ein­nahmen. Die Dau­er­kar­ten­be­sitzer, die even­tuell Regress­an­sprüche stellen. Die Spon­soren, die auf Grund feh­lender Prä­senz Wie­der­gut­ma­chung for­dern. Und so weiter und so fort. Da kommen leicht 100.000 Euro zusammen. Durch die Ver­mum­mung der Täter, nicht der Fans, ist es uns leider nicht mög­lich, deren hab­haft zu werden. Daher gibt es der­zeit keine andere Gegen­maß­nahme.

„Wir mussten ein deut­li­ches Signal abgeben.“

(Foto: Carl Brunn)

(Foto: Carl Brunn)

Aber warum musste es gleich eín kol­lek­tives Fah­nen­verbot und damit auch eine Bestra­fung der ansonsten sehr gut mit­ar­bei­tenden Fan­clubs sein?

Sicher hätten wir allein der Karls­bande als Haupt­ver­ur­sa­cher deren Fahne ver­bieten können. Was wäre dann pas­siert? Die hätten sich schnell eine neue mit einem neuen Spruch gebas­telt. Erreicht hätten wir nichts. Nein, wir mussten in Rich­tung des Ver­bandes ein deut­li­ches Signal abgeben. Wir mussten unsere Ent­schlos­sen­heit zeigen, das Pro­blem in den Griff bekommen zu wollen. Nur so haben wir eine Chance, erheb­li­chen Schaden vom Verein abzu­wenden. Zudem muss man ja auch mal kon­sta­tieren, dass das par­ti­elle Fah­nen­verbot bei Aus­wärts­spielen eine noch ver­gleichs­weise weiche Sank­tion bedeutet. Wir hätten die Gäs­te­blöcke bei unseren Aus­wärts­spielen auch kom­plett sperren lassen können.

Hätte man die Fan­clubs im Vor­feld nicht besser ins Boot holen sollen?

Genau das haben wir getan. Wir haben mit Fan-Clubs ebenso Gespräche geführt wie mit der Fan-IG und dem Fan­pro­jekt. Wir haben uns viele Gedanken gemacht und die Sache bestimmt nicht leicht­fertig ent­schieden. Aber am Ende hatten wir keine andere wir­kungs­volle und umsetz­bare Mög­lich­keit. Davon mal ganz abge­sehen haben wir auf die Kritik der Fan­clubs ja reagiert und haben ihnen inzwi­schen erlaubt, ihre Fahnen mit ins Sta­dion zu bringen.

Das hat aber nicht zu einer wirk­li­chen Beru­hi­gung der Lage geführt. Das Ver­hältnis zwi­schen dem Verein und seinen treu­esten Anhän­gern ist gespannt. In schwie­rigsten Zeiten ist das bestimmt nicht för­der­lich.

So etwas wünscht sich bei uns keiner. Aber wir dürfen hier nicht Ursache und Wir­kung ver­tau­schen. Nicht die Ent­schei­dung des Ver­eins ist die Ursache für die Miss­töne. Die eigent­liche Ursache sind gewisse Ultra­grup­pie­rungen, die immer wieder und aller War­nungen zum Trotz Pyro­technik zünden und damit sehenden Auges dem Verein großen Schaden zufügen. Und es ist nun einmal eine meiner Auf­gaben als Geschäfts­führer, dafür zu sorgen, Schaden vom Verein abzu­wenden.

„Ich erwarte kein Umdenken.“

Aber wie effektiv kann solch eine Strafe über­haupt sein? Welche Garan­tien gibt Ihnen solch eine Maß­nahme, dass im Laufe der kom­menden zwei Jahre nicht mehr gezün­delt wird. Schließ­lich haben wir es bei den von Ihnen genannten Ultra­grup­pie­rungen mit gefes­tigten Fan­club­struk­turen zu tun, son­dern mit eher hete­ro­genen losen Gruppen.

Ich bin nicht naiv. Dass im Laufe der kom­menden zwei Jahre nicht mehr gezün­delt wird, könnten Ihnen allein Die­je­nigen garan­tieren, die dafür ver­ant­wort­lich sind. Und da erwarte ich kein Umdenken. Aber sollten wir ange­sichts der dun­kel­gelben Karte des Ver­bandes des­halb untätig bleiben? Wir stehen in der Pflicht, alles in unserer Macht ste­hende zu tun, um solche Aus­wüchse zu ver­hin­dern. Mir ist klar, dass uns da Grenzen gesetzt sind. Sie können noch so scharfe Gesetze beschließen. Sie werden nie gänz­lich ver­hin­dern können, dass Men­schen Straf­taten begehen. Aber wir können solche Dinge zumin­dest erschweren.

Aber wird sich der Ver­band im Falle des Falles damit zufrieden geben? Wir er die Ale­mannia gnädig behan­deln, nur weil Sie guten Willen gezeigt hat?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber, wenn wir statt­dessen gar nichts unter­nommen hätten, würde es mit Gewiss­heit knüp­pel­dick kommen.

Jetzt gibt es erst einmal einen in vielen Augen fatalen Schul­ter­schluss zwi­schen den mode­raten Fan­clubs und den kri­tisch beäugten Ultra­grup­pie­rungen. Das erschwert den Zugang zu den Fans. Wie wollen Sie diese Situa­tion auf­lösen?

Ich habe da eigent­lich wenige Hand­lungs­mög­lich­keiten. Der Ball liegt bei den Fans. Das Ein­fachste wäre, dass nicht mehr gezün­delt würde. Ansonsten muss man darauf bauen, dass die ver­nünftig den­kenden Fans begreifen, dass die Soli­da­ri­sie­rung mit den Tätern nicht der rich­tige Weg im Sinne ihres Ver­eins sein kann. Aber wir wollen auf keinen Fall den Gesprächs­faden abreißen lassen. Des­halb werden wir schnellst­mög­lich eine Arbeits­gruppe gründen, die Lösungen für die Pyro­pro­ble­matik erar­beiten soll. Und in diese Arbeits­gruppe werden wir auch Fan­club­ver­treter ein­laden.

Sie sollen bereits im Vor­feld des Spiels in Wup­pertal von der Pyro­ak­tion erfahren haben. Sie sollen sogar den genauen Zeit­punkt gewusst haben.

Das ist so. Ich sehe darin aber auch kein Pro­blem.

Müssen Sie sich vor dem Hin­ter­grund der Ereig­nisse nicht den Vor­wurf gefallen lassen, den Dingen ihren Lauf gelassen zu haben?

In keinster Weise. Ich habe am Vortag des Spiels von einer geplanten Pyro­ak­tion der Ultras erfahren. Ich habe diese Infor­ma­tionen umge­hend an die Aachener Polizei wei­ter­ge­leitet. Die wie­derum hat ihre Wup­per­taler Kol­legen in Kenntnis gesetzt. Wir hatten vor Ort unser eigenes Ord­nungs­per­sonal, das unsere Fans beglei­tete. Wei­tere Maß­nahmen konnten wir nicht treffen. Denn am Spielort waren nun einmal aus­schließ­lich die Polizei Wup­per­tals und die lokalen Ord­nungs­kräfte ver­ant­wort­lich. Auf deren Kon­trollen und Vor­gehen hatten weder wir noch die Aachener Polizei Ein­fluss.

Haben Sie ver­sucht zu den ein­zelnen Fan­gruppen Kon­takt auf­zu­nehmen, um die Aktion viel­leicht noch stoppen zu können?

Ich habe unsere Fan­be­treuung ein­ge­schaltet, mit der Anwei­sung, zu ver­su­chen, auf die Gruppen ein­zu­wirken. Denn das ist deren Auf­gabe. Aller­dings hält es diese unbe­lehr­baren Straf­täter auch nicht ab, wenn die eigenen Fan­be­treuer auf sie ein­reden.

Es sind nicht nur böse Zungen, die behaupten, Sie hätten höchs­tens halb­herzig ver­sucht zu inter­ve­nieren, weil Ihnen die Vor­fälle nicht ganz so unge­legen gekommen seien. Vor allem, um end­lich massiv gegen die Fan­szene vor­gehen zu können.

Das ist völ­liger Schwach­sinn. Ich weiß auch nicht, wie man darauf kommen kann. Ich ver­suche, jeden mög­li­chen Schaden von der Ale­mannia abzu­wenden. Oder meinen Sie, es macht mir Spaß, immer wieder vor dem Ver­bands­ge­richt erscheinen zu müssen? Immer wieder die Dis­kus­sionen führen zu müssen, wie wir sie gerade führen? Nein, den Ärger hätte ich der Ale­mannia und mir gerne erspart.

„Die Ein­hal­tung gewisser Spiel­re­geln muss auch für die Fans gelten.“

(Foto: Carl Brunn)

(Foto: Carl Brunn)

Nun gilt Ihr Ver­hältnis zur Fan­szene bereits seit Ihrem Amts­an­tritt im Früh­jahr 2015 als pro­ble­ma­tisch. Schon früh kri­ti­sierte man Ihr Auf­treten gegen­über den Anhän­gern. So sollen Sie nach dem Aus­wärts­spiel 2015 in Siegen den eigenen Fans attes­tiert haben, diese hätten sich „wie Tiere“ auf­ge­führt.

Aus wel­chem Grund sollte ich bei Amts­an­tritt gegen die Fans ein­ge­stellt gewesen sein? Aber ange­sichts des Ver­hal­tens, das dort meh­rere Per­sonen an den Tag gelegt haben, würde ich das heute exakt so noch einmal for­mu­lieren. Wenn man Steine in Rich­tung von Poli­zei­be­amten schmeißt und gegen Zäune springt, fällt mir auch kein anderer Ver­gleich ein. Da soll mir auch keiner kommen, da hätten einige nur ihre schlechten Momente gehabt oder das wäre dem Alkohol geschuldet oder man sei pro­vo­ziert worden oder man hätte nur Aggres­sionen aus­ge­lebt. Ich habe kein Ver­ständnis dafür, wenn solche Dinge stets her­un­ter­ge­spielt und ver­nied­licht werden. Da nenne ich sie lieber beim Namen. Was aller­dings nicht stimmt, ist der Vor­wurf, ich hätte alle Aachner Fans pau­schal als „Tiere“ bezeichnet. Das zielte allein auf die Per­sonen ab, die auf den ent­spre­chenden Video­auf­nahmen zu sehen waren. Dar­über hinaus habe ich kei­nerlei Inter­esse an einem Kon­flikt zwi­schen dem Verein und seinem Fans. Ein sol­cher kann nicht im Sinne aller Betei­ligten sein. Des­halb bin ich immer dia­log­be­reit. Aber die Ein­hal­tung gewisser Spiel­re­geln muss auch für die Fans gelten.

Herr Skrzypski, wir bedanken uns für das Gespräch.