In zwei Monaten findet die enorm wichtige Jahreshauptversammlung der Alemannia statt. Für In der Pratsch schien es deshalb an der Zeit, den kommissarischen Vorstand nach den diversen Befindlichkeiten zu befragen.

Fallen wir doch mal gleich mit der Tür ins Haus: Werden Sie am 5. September für einen Posten im Vorstand des TSV Alemannia Aachen kandidieren, um Ihre Arbeit fortsetzen zu können?

Martin Fröhlich: Hätte man mich vor zwei Monaten gefragt, wäre meine Antwort ein unmissverständliches ‚Nein‘ gewesen. Inzwischen kann ich mir ein Verbleiben im Vorstand sehr gut vorstellen. Der Überlegungsprozess ist aber noch nicht abgeschlossen. Entscheiden müssen das am Ende ohnehin die Mitglieder.

Max Baur: Für mich ist ein weiteres Engagement im Vorstand kaum denkbar. Im Laufe der vergangenen Wochen habe ich gemerkt, wie zeitaufwändig ein solcher Job ist, wenn man ihn gewissenhaft ausfüllen will. Das wird aufgrund meiner privaten Situation und meines Bonner Wohnortes schwierig bis unmöglich. Und halbe Sachen verträgt der Verein zurzeit nicht.

Martin Fröhlich: Wobei wir allerdings deutliche Signale aus unserem Unterstützerkreis bekommen haben, dass Max weitermachen sollte. Ich halte ihn nicht zuletzt aufgrund seiner Verwurzelung in der Mitglieder- und Fanschaft für unersetzlich.

Max Baur: Sicher lässt es einen nicht kalt, wenn man solche Signale bekommt. Aber es läuft auf ein Ausscheiden aus dem Vorstand hinaus.

Max Baur

Werden Sie in anderer Position weiter für den Verein weiterarbeiten, Herr Baur?

Max Baur: Darüber denke ich sehr intensiv nach. Denn wer in dieser nach wie vor schwierigen Situation etwas tun kann, muss auch etwas tun. Darauf ist der Verein angewiesen. Andererseits verlangt aber jedes Amt vollen Einsatz und volle Ernsthaftigkeit.

Werden Sie denn für Vorstand, Verwaltungsrat und den Aufsichtsrat der GmbH überhaupt genügend geeignete Kandidaten präsentieren können? Kandidaten, die den notwendigen Neuanfang repräsentieren.

Martin Fröhlich: Wichtig ist es vor allem, am Ende des Tages einen Vorstand zu haben, durch den sich alle Gruppierungen und Strömungen in diesem Verein repräsentiert fühlen. Die Fans, die Abteilungen, die Sponsoren. Gleichzeitig müssen die Personen auch an einem Strang ziehen. Wir sind zuversichtlich, den Mitgliedern ein entsprechendes Team vorstellen zu können. Auch, wenn heute noch nicht alles spruchreif ist.

Namen wollen Sie nicht nennen.

Martin Fröhlich: Nein. Das können wir heute noch nicht. Wir haben kompetente Personen gefunden, die grundsätzlich bereit sind, den Verein durch ihr Engagement zu unterstützen. Aber wie gesagt: Noch ist nicht alles spruchreif.

Ist unter den von Ihnen genannten ‚kompetenten Personen‘ auch jemand mit ausgewiesener Sportkompetenz? Schließlich hat es in den Alemannia-Gremien daran chronisch gemangelt.

Max Baur: Im Präsidium wäre die sportliche Kompetenz sicher nicht zwingend notwendig. Im Aufsichtsrat auf jeden Fall.

Martin Fröhlich: So oder so. Unter den Personen, mit denen wir ernsthaft sprechen, befindet sich auch jemand mit ausgesprochener Fußballkompetenz. Ob diese Person dann für den Aufsichtsrat oder den Vorstand kandidiert, müssen wir sehen. Aber bevor Sie fragen: Einen Namen bekommen Sie von mir heute nicht.

Sie haben eben davon gesprochen, dass Sie ein geeignetes Team präsentieren wollen. Läuft es also wieder darauf hinaus, dass sich eine Mannschaft zur Wahl stellt und diese dann en bloc gewählt werden muss?

„Man muss akzeptieren, wenn die Mitglieder einen Außenstehenden in ein Team wählen.“

Martin Fröhlich: Bei uns gibt es Einzelwahlen und keine Teamwahlen.

Mit Verlaub. Die Vergangenheit lehrt uns da aber etwas Anderes. Es war doch stets gängige Praxis, mit dem Rückzug des kompletten Teams zu drohen, wenn die Mitglieder sich die Freiheit nehmen würden, ein einzelnes Mitglied nicht zu wählen.

Max Baur: Früher habe auch ich so etwas für einen halben Skandal gehalten. Zum Beispiel, als man 2015 mit solch einem Manöver bewusst Mike Schleiden und Dirk Habets verhindern wollte. Nachdem ich nun aber eine Zeit selber in einem Team für diesen Verein arbeite, sehe ich das etwas differenzierter. Auch ich würde es bestimmt nicht wollen, dass mir aus diesem Kollektiv eine Person mit unverzichtbaren Kompetenzen herausgewählt wird. Ich kann gut nachvollziehen, dass man sagt, man könne nur in der Gruppe als Ganzes funktionieren.

Martin Fröhlich: Ich finde es zwar ebenfalls logisch, dass sich Teams als Einheit zur Wahl stellen. Daran ist nichts Verwerfliches. Doch ich stehe auf dem Standpunkt, dass man es akzeptieren muss, wenn die Mitglieder einen Außenstehenden in das Gremium wählen. Auch dann muss es funktionieren können.

Max Baur: Nur zur Beruhigung: Wir stellen gerade kein Vorstandsteam zusammen, das aus fünf besten Freunden besteht. Wir sind dabei, Leute aus unterschiedlichen Ecken zusammenzuführen. Die haben alle einen unterschiedlichen Background, ihre individuellen Vorstellungen zur Alemannia und ihre spezifischen Kompetenzen. Aber sie eint die Sorge um ‚ihren‘ Verein und den Willen, diesen wieder auf die Beine zu bekommen.

Wird sich denn überhaupt ein zweites oder gar drittes Team zur Wahl stellen? Oder ist abzusehen, dass es bei einer von den Gremien ins Rennen geschickten Mannschaft bleibt?

Max Baur: Das Sammeln von Vorschlägen ist Angelegenheit des Wahlausschusses. Mir ist aber nicht bekannt, dass es ein anderes Präsidiumsteam gäbe. Ich habe jedoch von Kandidatenvorschlägen für den Aufsichtsrat gehört. Die möchte ich allerdings nicht kommentieren. Die Meinungsbildung sollte innerhalb der Mitgliedschaft erfolgen. Da wäre es nicht fair, wenn man aus einer exponierten Position heraus eine Wertung vornehmen würde. Vielleicht finden sich ja Kandidaten aus unterschiedlichen Ecken zur gemeinsamen Arbeit zusammen.

Und wie sieht es bei Aufsichtsrat sowie Verwaltungsrat aus?

Max Baur: Da ist das Ganze eh unkomplizierter. Im Aufsichtsrat sitzen drei Vorstandsmitglieder und zwei frei hinzugewählte Personen. Hierfür kann sich jeder bewerben. Sicher: Wir haben von uns aus den Einen oder Anderen angesprochen, um ihn von einer Kandidatur für die freien Plätze zu überzeugen. Aber am Ende des Tages ziehen Diejenigen in den Aufsichtsrat ein, die die meisten Stimmen bekommen. Das gilt für den Verwaltungsrat gleichermaßen. Aber glauben Sie mir, potentielle Kandidaten stehen nicht gerade Schlange.

Martin Fröhlich

„Viele wollen ihren Meckerposten gar nicht verlassen.“

Auch in diesem Fall gibt es keine Namen?

Max Baur: Nein, über die bereits öffentlich bestätigten Namen hinaus, geben wir nichts preis. Es ist ja bekannt, dass sich Didi Lübbers für den Verwaltungsrat bewirbt. Die IG hat darüber hinaus Horst Filbrich und Gert Kempf nominiert.

Martin Fröhlich: Ich habe allen Leuten immer wieder klar gemacht: Meckern ist leicht. Jetzt ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen und Verantwortung zu übernehmen. Doch ich habe den Eindruck, dass Viele ihren Meckerposten gar nicht verlassen wollen. Obwohl wir viele Hände benötigen, die anpacken. Wie viele Leute haben uns frühzeitig erklärt, aktiv mitarbeiten zu wollen. Beispielsweise im Verwaltungsrat. Und je näher man an den Tag der Entscheidung rückt, umso stärker lässt die Bereitschaft nach. Da lobe ich mir Didi Lübbers. Der ist sicherlich stets ein kritischer Kopf in der Fanszene gewesen. Doch jetzt will er Verantwortung übernehmen und Gestaltungsarbeit leisten. Seine Kandidatur sehen wir sehr positiv.

Immer wieder wird über eine Rückkehr des ehemaligen Präsidenten Horst Heinrichs spekuliert. Sähen Sie dessen Kandidatur ebenfalls sehr positiv?

Martin Fröhlich: Selbstverständlich haben wir mit Horst Heinrichs gesprochen. Schließlich war er der Präsident in einer Glanzzeit des Vereins. Doch es war allen Beteiligten schnell klar, dass eine Rückkehr auf eine Spitzenposition große Schwierigkeiten mit sich bringen würde. Für Horst Heinrichs und damit auch für den Verein. Das sah Horst Heinrichs wie wir.

Können Sie das erläutern?

Martin Fröhlich: Wir haben mit Horst Heinrichs offen und sehr vertrauensvoll gesprochen. Aus solchen Gesprächen zitiere ich grundsätzlich nicht einseitig.

Themenwechsel. War die Insolvenz alternativlos?

Martin Fröhlich: Ja, unter dem Strich war sie alternativlos. Der Antrag musste in jedem Fall gestellt werden. Die Zahlungsverpflichtungen hätte man trotz aller Bemühungen nicht sicher bedienen können.

Sie haben sich jetzt gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter in die Materie einarbeiten können. Was hat die Alemannia in diese zweite Insolvenz getrieben?

Max Baur: Mit einem Gerücht können wir an dieser Stelle ein für allemal aufräumen. Die Insolvenz wurde bestimmt nicht herbeigeführt, um den Einstieg eines Investors durch die Hintertür zu ermöglichen. Das ist Blödsinn. Im Grunde genommen ist es simpel: Wir konnten diese Rechnung nicht mehr begleichen, wir konnten jene Rechnung nicht mehr begleichen. Wir konnten die Gehälter nicht mehr zahlen. Wir waren finanziell kurz vorm Ende.

Können Sie uns konkret sagen, wie man in diese Situation geraten konnte. Sie, Herr Fröhlich, haben als damaliger Verwaltungsratsvorsitzender ja an jeder Aufsichtsratssitzung teilgenommen und waren somit immer nahe dran.

Martin Fröhlich: Wenn man seinen Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen kann, stehen Einnahmen und Ausgaben in der Regel in einem Missverhältnis. Zum Beispiel, weil sich die Einnahmeplanungen nicht realisieren lassen. Bei uns wurde die Sponsorenakquise massiv durch das viel zitierte BFH-Urteil zum Sanierungserlass erschwert beziehungsweise unmöglich gemacht. Und dann ist auch noch unser Hauptsponsor seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen. Die Mitglieder des „Team 2018“ waren ehrenamtlich unter nicht einfachen Rahmenbedingungen tätig. Doch mehr möchte ich zur Vergangenheit eigentlich nicht sagen. Ändern können wir nichts mehr. Jetzt müssen wir uns aber um die Zukunft kümmern. Und da haben wir verdammt viel zu tun.

„Das Investorenangebot war im Sinne des Vereins einfach nicht gut genug.“

Wäre es tatsächlich anders gekommen, wenn die Fans sich nicht beinahe feindselig gegen eine Investorenlösung gestellt hätten? Das behaupteten die Verantwortlichen der Alemannia jedenfalls ganz offiziell.

Max Baur: Die Pressemitteilung, auf die Sie anspielen, war höchst unglücklich. Man muss nicht drumherum reden. Es gab ein einziges konkretes Investorenangebot. Und das war im Sinne des Vereins einfach nicht gut genug. Es hat ja nicht mal den Versuch des damaligen Vorstandes gegeben, im Verwaltungsrat eine Abstimmung über das Angebot anzustoßen. Weil die Mitglieder des Vorstandes wussten, dass die Bedingungen unannehmbar waren.

Martin Fröhlich: Ich kann das bestätigen. Der Verwaltungsrat hat deutlich signalisiert, dass er dieses Angebot nicht mittragen würde. Im Übrigen hatten selbst einzelne Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder große Bedenken. Die Fans an den Pranger zu stellen, war deshalb nicht glücklich. Man hat sich da Michael Kölmels Ansicht zu Eigen gemacht. Der hatte die ablehnende öffentliche Meinung heftig beklagt.

Max Baur: Innerhalb des Aufsichtsrates und des Vorstandes gab es durchaus unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen hinsichtlich einer Investorenlösung. Das war kein monolithischer Meinungsblock.

Warum haben Sie dann diese Schuldzuweisung in Richtung Fans zugelassen, Herr Fröhlich?

Martin Fröhlich: Ich kannte die Pressemitteilung des Aufsichtsrats. Das habe ich nie geleugnet. Aber ich fand den ominösen Satz unpassend.

Dennoch fand sich die einseitige Beschimpfung der Fans in der offiziellen Stellungnahme der Alemannia wieder. Wer war letztendlich dafür verantwortlich?

Martin Fröhlich: Da fragen Sie besser den damaligen Aufsichtsrat. Schließlich handelt es sich um eine Erklärung der Alemannia Aachen GmbH.

Christoph Niering hat als Insolvenzverwalter den ehemaligen Aufsichtsrat immer wieder gelobt und von dessen Arbeit in höchsten Tönen geschwärmt. Drei der Herren bildeten ja auch den damaligen Alemannia-Vorstand. Gab es Bestrebungen, den Vorstand an Bord zu behalten, um die Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter zu vereinfachen?

Max Baur: Es war in der Tat im Gespräch, den Vorstand bis zur kommenden regulären Jahreshauptversammlung im Amt zu belassen. Nicht zuletzt, um die Übergabe der Geschäfte auf den Insolvenzverwalter so geschmeidig wie möglich zu gestalten. Dazu war der Altvorstand zumindest in Teilen nicht bereit. Die Devise lautete: ‚Entweder wir ziehen das bis 2018 durch oder gar nicht.‘ Vor diesem Hintergrund kippte die Stimmung in der Gesprächsrunde. Dann ist der Vorstand geschlossen zurückgetreten.

„Es hat keiner begeistert ‚hier‘ gerufen.“

Hatten Sie, Herr Fröhlich, mit dem Gedanken gespielt, sich ebenfalls zurückzuziehen? Schließlich waren Sie ja in sämtliche Vorgänge eingeweiht.

Martin Fröhlich: Ich weiß, dass mir Teile des ehemaligen Vorstandes vorwerfen, nicht ebenfalls persönliche Konsequenzen gezogen zu haben. Umfassend informiert zu sein, gehört nun einmal zu den Aufgaben des Verwaltungsratsvorsitzenden. Nicht zu dessen Aufgaben gehört es jedoch, Entscheidungen für die GmbH zu treffen. Zudem habe ich mich nun wirklich nicht um den Vorsitz im kommissarischen Vorstand gerissen. Meiner Erinnerung nach hat da keiner begeistert ‚hier‘ gerufen. Als Vorsitzender des Verwaltungsrates sah ich mich jedoch in der Pflicht.

Max Baur: Als das Thema ‚kommissarischer Vorstand‘ bei einem Meeting mit dem Insolvenzverwalter erörtert wurde, haben alle am Tisch gefordert, dass Martin Fröhlich das Amt übernehmen solle. Alle waren dieser Meinung, inklusive Tim Hammer, Horst Reimig und Oliver Laven. Das sollte man fairerweise auch mal sagen.

„Wir sind dabei, unser Auftreten endlich der Regionalliga anzugleichen.“

Aus dem Kreis der ehemals Verantwortlichen haben wir Kritik an der Arbeit des Insolvenzverwalters und des aktuellen Vorstandes vernommen. Das einzige Konzept, dass man jetzt hätte wäre Fuat Kilic.

Martin Fröhlich: Richtig ist, dass Fuat Kilic ein elementar wichtiger Baustein unserer Strategie ist. Denn die sportliche Performance ist bei einem Fußballclub nun einmal entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg. Und deshalb haben wir alles dafür getan, ihn in Aachen zu halten. Aber wir müssen eben auch die Strukturen den bescheidenen Verhältnissen anpassen. Wir sind dabei, unser Auftreten den Bedingungen der Regionalliga endlich anzugleichen. Etwas, dass man in der Vergangenheit vielleicht nicht so konsequent verfolgt hat. Sponsorengewinnung, Ehrenamtlerkonzept, Kostensenkung. All das sind neben dem Sport weitere Eckpfeiler unserer Planungen.

Einer der größten Kostenfaktoren ist das Stadion. Doch gerade hier können Sie nicht ansetzen.

Max Baur: Das ist richtig. Zurzeit haben wir offenbar keine Chance, hier etwas zu bewegen. Die Stadt hat die Karten in der Hand. Und da hält sich die Bereitschaft, uns weiter entgegenzukommen, bekanntermaßen in sehr engen Grenzen. Hätten wir eine Alternative, würden wir diese sofort nutzen. Aufgrund seiner Dimensionen ist das Stadion für uns eigentlich nicht brauchbar.

Im Gegensatz zum Land NRW hat die Stadt die Steuerschuld der Alemannia nicht gestundet. Erhöht das den Druck auf den Verein, vor allem im Hinblick auf die Gläubigerversammlung? Immerhin ist die Stadt nun einer der größten Gläubiger.

Martin Fröhlich: Für unsere Arbeit spielt das zur Zeit keine entscheidende Rolle. Im Moment gehen wir davon aus, dass uns an dieser Front keine Gefahr droht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Stadt dem Sanierungsplan des Insolvenzverwalters verweigern wird.

Stand im Zuge des aktuellen Insolvenzverfahrens jemals die Auflösung der GmbH und die Bündelung sämtlicher Aktivitäten unter dem Dach des eingetragenen Vereins zur Debatte?

Martin Fröhlich: Nein. Ich hielte das aber auch für eine fatale Entscheidung. Hätten wir nicht 2006 die Ausgliederung vollzogen, wäre der gesamte Verein wahrscheinlich nicht mehr existent. Wir werden den gesunden e.V. solch einer Gefahr nicht aussetzen. Wir können nicht riskieren, dass der Amateur- und Breitensport nachhaltigen Schaden erleidet.

Max Baur: Christoph Niering hat einmal gesagt, dass die meisten Unternehmen nach der zweiten Insolvenz noch ein drittes Mal in die Zahlungsunfähigkeit rutschen. Wir gehen davon aus, dass uns das nicht passieren wird. Denn wir sind auf einem guten Weg. Auch, weil die Verantwortlichen ebenso wie die Mitglieder und Fans begreifen, dass wir ein Viertligist sind. Andererseits sind verlässliche Planungen in dieser Regionalliga nur sehr schwer möglich.

„Es gibt keine seriösen Interessenten.“

Ist vor diesem Hintergrund das Thema Investor noch aktuell?

Martin Fröhlich: Im Moment ist das Thema nicht akut. Auch, weil es keine seriösen Interessenten gibt. Wir haben mit einigen Leuten gesprochen. Da ist nichts Belastbares übrig geblieben. Manche Anfrage konnte man eher als skurril bezeichnen. Aber wir sind jederzeit gesprächsbereit und hören uns alles an, was an uns herangetragen wird.

Anlässlich der Vorstellung des Insolvenzverwalters hatte der damalige Schatzmeister des TSV, Horst Reimig, doch noch von einer ganzen Reihe potentieller Investoren gesprochen und beinahe so getan, als ob die Interessenten Schlange stehen würden.

Martin Fröhlich: Nochmals: Stand heute gibt es keine Interessenten.

Gibt es noch Kontakt zu Michael Kölmel?

Max Baur: Nein, zurzeit nicht.

Wie sehen Sie die Chancen, dass die Alemannia aus ihrer zweiten Insolvenz einigermaßen gut heraus kommt?

Martin Fröhlich: Es ist noch zu früh, um das verlässlich beurteilen zu können. Aber ich bin da optimistisch. Wir haben heute schon mehr Geld zusammen als wir zu hoffen gewagt hatten. Dann haben wir mit Christoph Niering und dessen Team erfahrene und kompetente Spezialisten an unserer Seite. Dank Fuat Kilic und seinen Mitstreitern sind wir im Sportlichen hervorragend aufgestellt. Und last but noch least werden wir von zahlreichen Leuten unterstützt, die ehrenamtlich für die Alemannia in die Bresche springen. All das macht Mut. Aber es gibt natürlich auch Nackenschläge. Fragen Sie zum Beispiel mal Thomas Gronen und Andreas Neuss, was die sich anhören müssen, wenn sie in der Aachener Wirtschaft auf Sponsorenakquise gehen. Da kommt es nicht selten zu regelrechten Beschimpfungen.

Max Baur: Ich teile den Optimismus. Wir arbeiten auf allen Ebenen daran, endlich einmal eine möglichst ausgeglichene Bilanz vorlegen zu können. Damit die Menschen verstehen, dass sie ihr Geld nicht in schwarzes Loch stecken. Solche Signale der Seriosität braucht es.

Nachdem man sich in Sachen Geldbeschaffung früh auf einem guten Weg wähnen durfte, scheint die Sponsorenakquise nun etwas ins Stocken geraten zu sein. Es fehlen noch mehrere Hunderttausend Euro am gesteckten Ziel. Auch ein Trikotsponsor konnte noch nicht präsentiert werden. Was lässt Sie hoffen, hier zeitgerecht Vollzug melden zu können?

Martin Fröhlich: Konkrete Zahlen möchte ich nicht kommentieren. Aber es ist in der Tat noch etwas zu tun. Eine Reihe sehr engagierter Leute, Ehrenamtler wie Angestellte der Alemannia, sind hier mit hohem Aufwand im Einsatz. Wir hoffen auf einen neuen Schub, wenn der Ball erst einmal rollt.

Max Baur

„Einen Abstieg darf es nicht geben.“

Aber der wichtigste Parameter für ein gutes finanzielles Ergebnis bleibt am Ende der Sport.

Max Baur: Stimmt. Uns muss es gelingen, die Fans von der Alemannia zu überzeugen. Das funktioniert über die Art, wie sich die Mannschaft auf dem Platz präsentiert. Und wenn wir dann am Ende um Platz acht oder neun mitspielen, haben wir aus meiner Sicht etwas Gutes herausgeholt. Aber eines ist allen Beteiligten glasklar: Einen Abstieg darf es nicht geben. Das käme dem endgültigen Aus für die Alemannia gleich. Aber dieses Szenario ist aus meiner Sicht nur ein theoretisches.

Herr Fröhlich, Herr Baur, wir danken Ihnen für das Gespräch.